Wild Card

Wir wollen die elektronische Identität!

Uhr | Aktualisiert
von Marcel Dobler, Präsident ICT-Switzerland und FDP-Nationalrat

Die E-ID stellt das Ende des Medienbruchs dar. Der Kunde muss nichts mehr ausdrucken, unterschreiben und per Post ­verschicken – alles ist elektronisch möglich! Damit schafft die Schweiz die digitale Transformation und einen wichtigen ­Bürokratieabbau.

Marcel Dobler
Marcel Dobler

Die elektronische Identität ist ein Schlüsselinfrastruktur­element, das schier unendlich viele Prozesse vereinfacht und unzählige Vorteile bringt: Die E-ID garantiert eine sichere Registrierung bei Onlinediensten, die den Missbrauch reduziert, Prozesse vereinfacht und damit die Preise senken wird. Der Kunde kann mit der gleichen Qualität elektronisch unterschreiben. So müssen etwa keine Verträge mehr hin- und hergeschickt werden, die Steuererklärung kann endlich bis und mit dem letzten Schritt elektronisch vorgenommen werden, ein echtes E-Voting ist möglich und sogar die Arbeitszeiterfassung könnte künftig dank einer einzigen Schnittstelle viel einfacher erfolgen. Vielleicht kann man sogar bald seine Haustür damit öffnen. Von den Möglichkeiten im Gesundheits- und Bildungswesen gar nicht erst zu sprechen.

Konkretes Vorgehen

Der Kunde weist sich einmalig bei einem Identifizierungsdienstleister (z.B. auf der Post oder bei den SBB) aus und dieser fragt beim Bund die virtuelle Identität ab – that’s it, nun sind die Daten fix hinterlegt. Alles entspricht den neuesten Verschlüsselungsstandards und ist sicherer als das herkömmliche Bank-Log-in.

Es gibt je nach Bedarf drei Sicherheitsstandards. Der Kunde kann zusätzliche Daten wie Liefer- und Rechnungsadresse oder Kontoinformationen auf einem Portal für seine gewünschten Firmen freigeben. Nur diesen Firmen werden die Daten übermittelt. Er muss nun beim Onlineeinkauf weder Rechnungs- noch Lieferadresse eingeben. Er kann lediglich den Befehl erteilen, die Daten zu verwenden. Auch kann er festhalten, dass der Online­anbieter eine mögliche Rückerstattung auf die vom Kunden hinterlegte Bank einzahlen soll.

Wichtige Vorreiter

Mit Blick auf Vorreiter-Länder fällt immer wieder Estland als Paradebeispiel ins Auge. Estland hatte früh eine elektronische Identität eingeführt. Mit der E-ID erfolgte ein immenser Bürokratieabbau, es konnten Kosteneinsparungen von 2 Prozent des BIP realisiert werden. Dies aufgrund etlicher Prozesse, die mit der E-ID entweder ganz wegfielen oder stark verkürzt werden konnten. Für Best-Practice-Beispiele muss man den Blick aber gar nicht so weit schweifen lassen: Der Kanton Jura – seiner Zeit in der Schweiz weit voraus – gibt die Suisse-ID bereits gratis an seine Kunden ab.

Zukunft der Suisse-ID

Das Thema ist seit 2004 auf dem Tapet. Der erste Anlauf der Suisse-ID war zu teuer und zu umständlich. Deshalb ist der Pilot gescheitert, bei dem der Privatkunde trotz Bundessubventionen ganze 69 Franken pro Jahr bezahlte. Im Herbst 2017 wird endlich eine neue Version der Suisse-ID lanciert, die für den Endkunden gratis ist. Anbieter ist neu nicht nur die Post, sondern auch die SBB. Dieses Joint-Venture bietet den Vorteil, dass damit geschätzt über 5 Millionen Kundenbeziehungen bestehen und somit ein grosser Teil der Bevölkerung erreicht werden kann. Heute noch Zukunftsmusik, bald hoffentlich Realität!

Marcel Dobler, Präsident ICT-Switzerland und FDP-Nationalrat

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