Kaffee über den Dächern Zürichs

Diese Drohne soll den E-Commerce revolutionieren

Uhr | Aktualisiert

Ein weltweites Novum: Wer in den nächsten Wochen beim Schweizer Onlinehändler Siroop einkauft, wird womöglich von Drohnen beliefert. Ein Pilotprojekt soll den E-Commerce einen Schritt weiter bringen.

Am 28. September ging in Zürich eine sonderbare Weltpremiere über die Bühne. Eine Drohne schwirrte über die Dächer der Stadt. Mit im Gepäck hatte sie eine Tüte Kaffee. Das war der Startschuss des ersten Drohnensystems für E-Commerce-Zwecke.

Der Empfänger des Kaffees: Peter Rohn, COO des Schweizer Onlinehändlers Siroop. Stolz packte er die Lieferung aus einer kleinen Box und präsentierte sie dem applaudierenden Publikum. Das Interesse an der Drohnen-Premiere war gross – man konnte sie im Livestream mitverfolgen.

Sanfte Landung auf dem Van-Dach. (Source: Netzmedien)

Der erste öffentliche Testflug ist geglückt. In den nächsten drei Wochen schickt Siroop weitere Drohnen des US-amerikanischen Herstellers Matternet in die Lüfte. Im Rahmen des Pilotprojekts "Vans & Drones" sollen sie die Kunden des Onlineshops beliefern.

"Sie haben Post!" Peter Rohn von Siroop freut sich über ein Päckchen der besonderen Art. (Source: Netzmedien)

Mit den Drohnen des Typs M2 will Siroop die Verbindung zwischen Händlern und Kunden verkürzen, sowie den Verkehr entlasten. In zwei bis drei Jahren werde dieses System mehrheitsfähig sein, prophezeiten die Organisatoren an der Pressekonferenz zum Teststart. Und in zehn Jahren soll die Auslieferung nur noch eine Stunde dauern.

Zwei Lieferetappen

Die Drohne M2 landet auf einem Mercedes-Benz Vito (Source: Matternet / Siroop / Mercedes-Benz)

Das System basiere allerdings nicht nur auf Drohnen. Die Auslieferung soll in zwei Etappen erfolgen. Erst befülle der Händler die Drohne mit den bestellten Artikeln. Dann peile diese automatisch einen von vier "Rendez-Vous-Punkten" in der Stadt Zürich an. Dort stehe jeweils ein Mercedes-Benz Vito bereit, mitsamt Landeplatz auf dem Dach.

Nachdem die Drohne dort sicher eingetroffen sei, übernähme ein menschlicher Lieferant die Ware und verteile sie konventionell per Auto. Die Vans deckten die letzte Meile ab. Mit dem Liefernetz soll es möglich sein, das bestellte Produkt innerhalb eines Tages zum Kunden zu bringen.

Von der Medizin zum E-Commerce

Andreas Raptopoulos, CEO von Matternet, erklärt die Funktionsweise der Drohne. (Source: Netzmedien)

Im Pilotprojekt gehe es vor allem darum, die Reaktion der Kunden auf die Drohnen zu überprüfen. Das Surren der Rotoren etwa könne störend sein. Um Ruhestörungen zu vermeiden, sollen die Drohnen in Gebieten landen, bei denen Krach kein Problem sei.

"Sicherheit geht in diesem Test vor", betont Andreas Raptopoulos, CEO von Matternet. "Deshalb fliegen die Drohnen nur bei harmlosem Wetter." Sie seien ausserdem mit Fallschirmen ausgestattet. Tests mit Drohnenlieferungen fänden derzeit vor allem im medizischen Bereich statt. Am Ende der Reise stehe der E-Commerce.

Zentral sei hier, das Verfahren erschwinglicher zu machen. "Zurzeit kostet Same-Day-Delivery im Schnitt 15 Franken", sagte Peter Rohn im Gespräch. "Im Rahmen des Pilotprojekts ist die Lieferung kostenlos – Siroop gibt sogar 20 Prozent Rabatt auf drohnengelieferte Waren." Die Drohnen könnten indes nicht alle Produkte transportieren. Mehr als 2 Kilogramm schafften sie nicht, und der Platz sei beschränkt. Die M2 liefere in einem Radius von 20 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde.

Innovationsplatz Schweiz

Raptopoulos, dessen Unternehmen in Silicon Valley beheimatet ist, lobt die Schweiz als Land der Innovationen. Zwar hätte man für den Test viele Richtlinien des Bundes berücksichtigen müssen. Dennoch biete die Schweiz eine ideale Umgebung für zukunftsweisende Projekte.

Stefan Maurer ist Head of Future Transportation bei Mercedes-Benz Vans. (Source: Netzmedien)

"Auf den ersten Blick scheinen Drohnen eine ernste Konkurrenz für Autos zu sein", sagt Stefan Maurer, Head of Future Transportation bei Mercedes-Benz Vans. Doch Maurer hält fest, dass sich beide Transportmittel ergänzen könnten. Unternehmen müssten in neue Technologien investieren. Wer sich von visionären Ideen abgrenze, gehe im Markt schnell sang- und klanglos unter.

Das Warenhaus auf Rädern

In Zukunft sei denkbar, die Etappen bei der Auslieferung umzukehren. Die Transporter von Mercedes-Benz könnten als fahrbare Warenhäuser durch die Strassen kurven. "Ein entsprechendes Zustellfahrzeug, den Vision Van, hat Mercedes-Benz letztes Jahr vorgestellt", sagt Maurer.

Eine direkte Auslieferung etwa in den Vorgarten des Kunden sei noch nicht geplant. "Dazu benötigt man extra einen Landeplatz", erklärt Maurer. "Ansonsten muss die Drohne irgendwo zwischen Haustieren, Rasenmähern und Swimmingpools landen – eine gefährliche Umgebung für die Geräte."

Zürich, die Stadt der Lieferroboter

Peter Rohn, COO von Siroop, setzt auf Innovation. (Source: Netzmedien)

Es scheint, als verwandle sich Zürich zur Stadt der automatischen Auslieferung. Mitte September kurvten Lieferroboter von Starship durch die Strassen, nun schwirren Drohnen über die Stadt. Das Pilotprojekt sei der erste Test bei Siroop, der sich um automatisierte Auslieferung drehe, sagt Peter Rohn im Gespräch mit der Redaktion. "Wir haben auch schon Gespräche mit Starship geführt, daraus ist aber bis jetzt nichts geworden."

Das Projekt befände sich seit einem Jahr in Entwicklung. Nun wird’s ernst. Den Beweis, dass die Drohnen ihr Ziel finden, haben die Organisatoren erbracht. Was die Kunden von der Übung halten, wird sich in den nächsten drei Wochen zeigen.

Webcode
DPF8_59984

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