ABB-Chef an der HPE Discover 2017

HPE versucht den Neustart mit Schweizer Unterstützung

Uhr | Aktualisiert

Meg Whitman hat sich in Madrid als Chefin von HPE verabschiedet und die Firmenleitung an Antonio Neri übergeben. Mit Cloud-Services, Edge Computing, neuer Hardware und Partnerschaften will sich das US-Unternehmen für die Zukunft rüsten. Mit von der Partie ist ABB.

Es sind turbulente Zeiten, die Hewlett Packard Enterprise (HPE) momentan durchlebt. Anfang November gab das US-Unternehmen, das 2015 durch die Abspaltung des Unternehmenskundengeschäfts von Hewlett Packard entstand, den Umzug seines Hauptquartiers von Palo Alto nach Santa Clara bekannt. Nur kurze Zeit später kündigte CEO Meg Whitman an, per Februar 2018 zurückzutreten. "Überfällig" und "wenig überraschend", wie ein HP-Kenner der Redaktion sagte.

Trotz Sparkurs und einer "operativen Rosskur" sei es Whitman nicht gelungen, das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen, schreibt die NZZ. Das Geschäft von HPE leidet darunter, dass viele Geschäftskunden auf Cloud-Dienste setzten und weniger in On-Premise-Infrastrukturen investierten. Nachfolger der 61-jährigen Whitman, die 2011 das Ruder bei Hewlett Packard übernahm und 2015 an die Spitze von HPE wechselte, wird Antonio Neri. Er fungiert seit Juni als President des Unternehmens.

IT-Stelldichein an der HPE Discover in Madrid. (Source: Netzmedien)

Die Aufmerksamkeit war HPE also gewiss, als das Unternehmen gestern seine Kundenkonferenz "Discover" in Madrid eröffnete. Bekannte Namen der IT versammelten sich im Konferenzzentrum IFEMA. Intel, AMD, Nvidia und Rackspace waren nur einige der Firmen, die ihre Partnerschaften mit HPE zeigten. Auch Schweizer Firmen waren in den Messehallen anzutreffen. Die grösste davon - ABB - schickte ihren CEO Ulrich Spiesshofer auf die Bühne an der Keynote.

Ein Blick zurück und in die Zukunft

Bevor der ABB-Chef eine Partnerschaft mit HPE vorstellte, sprach Meg Whitman ihrem Nachfolger Antonio Neri das Vertrauen aus. Neri sei vertraut mit HPE und somit "ein Chef, wie ich ihn mir vorstelle", sagte sie. Whitman blickte mit Zuversicht in die Zukunft. In einer Welt, die sich durch die Digitalisierung rasch wandle, sei HPE der beste Partner für Firmen, die das Potenzial der Technologie ausschöpfen wollten. Bei vielen Themen, die in Zukunft den Unterschied machen könnten, sei HPE gut aufgestellt - ob Blockchain, künstliche Intelligenz (KI) oder die Verarbeitung von Big Data. Whitman liess es sich auch nicht nehmen, eine positive Bilanz ihrer Zeit als CEO zu ziehen: "Wir haben ein neues HPE geschaffen, das bereit für das nächste Kapitel ist."

Stabübergabe: Meg Whitman begrüsste das Publikum in Madrid. (Source: HPE)

Wie HPE die Herausforderungen der Zukunft angehen will, umriss Antonio Neri, der nicht nur rhetorisch das Zepter von Meg Whitman übernahm. Die Firma wolle führender Anbieter von "Intelligent Edge Computing", sicheren Plattformen "from core to cloud", KI, High Performance Computing, Automatisierung und Cloud-Angeboten sein, stellte Neri sein Programm vor. In der IT-Welt von morgen seien die Ergebnisse für die Kunden zentral. "Outcomes-as-a-Service" sei das Prinzip, das HPE verfolge.

Partnerschaft mit ABB

Dazu brauche es strategische Partner, sagte Neri. Eines davon heisst ABB. Ulrich Spiesshofer, der zu Whitman und Neri ins Rampenlicht trat, stellte die Plattform des Schweizer Unternehmens namens "ABB Ability" vor. Mit ihr sollen sich IT- und Operational-Technology-Infrastrukturen von Industrieunternehmen besser vernetzen und sicher managen lassen. Von der Cloud über das Firmen-ERP bis hinunter zur einzelnen Maschine und dem Sensor im Internet der Dinge (IoT). Die IT kommt in Form des "Secure Edge Data Center" von HPE, die OT von ABB. Microsoft sei als Cloud-Partner mit an Bord.

ABB Ability steht stellvertretend für das, was HPE die "hybride IT" nennt. Verschiedene Systeme und Plattformen sollen in der hybriden IT-Welt miteinander arbeiten. Trotzdem soll die Verwaltung einfach, die Zuverlässigkeit hoch, die Prozesse automatisiert und die Sicherheit gewährleistet sein, versprechen die beiden Partner. Dies sei gerade in der Industrie wichtig, wo Kunden besondere Ansprüche an die Technologie stellten. Die Partnerschaft sei für ABB und HPE sehr wichtig, betonten Neri und Spiesshofer. Beide Firmen genössen bei den Kunden Vertrauen und könnten ihr Know-how einbringen.

Was HPE im Köcher hat

Woran HPE sonst noch arbeitet, zeigte Alain Andreoli, Senior Vice President und General Manager of Data Center Infrastructure Group, dem Publikum. Die Firma habe einige Neuerungen im Köcher. Die Übernahmen von Firmen wie Nimble oder Aruba hätten geholfen, das eigene Angebot auszubauen, sagte Andreoli. Im Zentrum stehe dabei der Anspruch, jedem Kunden eine massgeschneiderte Lösung anzubieten. "Costumer first and Costumer last", sei das Motto.

Antonio Neri übernimmt 2018 als CEO von HPE. (Source: HPE)

Das aktuelle Portfolio bewegt sich von allem in den Bereichen Cloud, Datacenter und High-Performance-Computing. AMD werde in Zukunft wieder Chips für das Datacenter liefern, kündigte Andreoli an. Mit dem "Superdome Flex" hat HPE eine In-Memory-Computing-Plattform für die Datenanalyse im Angebot. Sie soll hohe Rechenleistung an die "Intelligent Edge" bringen. Die Predictive-Analytics-Lösung "Infosight" soll mit KI-Fähigkeiten Probleme und Engpässe in IT-Systemen frühzeitig erkennen und beheben. Ziel sei, "die ganze Infrastruktur so smart werden, dass sie selber verwalten kann". Infosight soll in den kommenden Monaten ausgebaut werden.

Eng Lim Goh stellte neue Hardware aus den HPE-Labors vor. (Source: HPE)

Als "riesigen Schritt vorwärts" bezeichnete Ric Lewis, der Senior Vice President von HPEs Software Defined & Cloud Group, die Multi-Cloud-Plattform "Onesphere". Diese soll die Verwaltung verschiedener Cloud-Umgebungen an einem Punkt konzentrieren und transparenter machen. Eine Software-as-a-Service-Lösung, die es auf dem Markt so noch nicht gebe, sagte Lewis.

HPEs Senior Vice President and General Manager for HPE Pointnext, Ana Pinczuk, stellte "Greenlake" vor. Dies ist ein Paket von Pay-per-use-Lösungen für Rechenzentren. Mit ihm sollen Kunden Big-Data-Lösungen, Storage, Datenbanken und Edge Computing flexibler beziehen können. Damit reagiere HPE darauf, dass Kunden heute alles als Service erwarten.

Der Saal des Messezentrums IFEMA war gut gefüllt. (Source: HPE)

Schneller Speicher im Zentrum des Computers

Wo HPE bei der Entwicklung neuer Computertechnologie steht, zeigte Eng Lim Goh, Vice President und SGI Chief Technology Officer. Das Zauberwort heisst hier "Memory-Driven Computing". Die Technologie, die schnellen Speicher ins Zentrum der Hardware stellt, kommt beim Projekt "The Machine" zum Einsatz. "The Machine" soll die Verarbeitung von Daten erheblich beschleunigen, versprach Goh. Als Beispiel holte HPE Paul Shellard vom Projekt "Cosmos" auf die Bühne. Lanciert vom Physiker Steven Hawking, will Cosmos mit HPE-Hardware Daten über das Universum auswerten und so zum besseren Verständnis des Weltalls beitragen.

Einfache und selbständige Systeme in einer hybriden IT-Welt schaffen, so lässt sich HPEs Versprechen an der Discover zusammenfassen. Wie das im konkreten Einzelfall aussieht, wird die Firma in den nächsten Monaten zeigen müssen. Zum Abschluss gab sich Meg Whitman zuversichtlich. HPE sei für zuverlässige Produkte und Expertise bekannt und werde diese Stärken auch unter neuer Führung ausspielen können. "Ich lasse euch mit Antonio in sicheren Händen", verabschiedete sich Whitman vom Publikum.

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