Suissedigital-Day 2017

Wo sich kluge Roboter und flinke E-Sportler treffen

Uhr | Aktualisiert

Was haben ein KI-Professor, zwei E-Sports-Cracks und ein Walliser Kabarettist gemeinsam? Sie alle waren zu Gast beim Suissedigital-Day 2017. Der Schweizer Kabelnetz-Verband lud nach Bern zur Diskussion über künstliche Intelligenz, E-Sports und Blockchain. Dabei kam eine sonderbare Zukunftsvision zur Sprache – eine, in der Roboter die Milchstrasse erobern.

Am 28. November versammelte sich die Schweizer Kabelnetz-Branche im Kursaal Bern. Der Verband Suissedigital lud zur Diskussion über künstliche Intelligenz, E-Sports und Blockchain. "Aber wie steht es überhaupt um die Zukunft der Branche?", fragte die Moderatorin Isabel Florido gleich zu Beginn.

"Wir sind geerdet, im wahrsten Sinne des Wortes", erwiderte Simon Osterwalder, Geschäftsführer von Suissedigital. "Uns wird es auch in zehn Jahren noch geben." Der disruptive Wandel sei überschätzt, die Veränderungen seien nicht so extrem wie oft angenommen. Für den ersten Referenten allerdings konnten die Veränderungen nicht schnell und extrem genug kommen.

(V. l.) Simon Osterwalder, Geschäftsführer Suissedigital, Moderatorin Isabel Florido, und Pierre Kohler, Präsident Suissedigital, begrüssten das Publikum. (Source: Netzmedien)

Die Robo-Revolution vor der Haustür

Professor Jürgen Schmidhuber, ein Pionier der KI-Forschung und Direktor der IDSIA Lugano, zog das Publikum mit einem apokalyptischen und doch launigen Ausblick in den Bann. "Zurzeit ist fast alle KI-Forschung auf menschliche und finanzielle Interessen gemünzt", sagte er. Das sei viel zu eng gedacht. Langfristig würden Technologien wie Deep Learning das gesamte Universum prägen.

"Etwa im Jahre 2050 neigt sich die Geschichte der Menschheit dem Ende zu", prophezeite Schmidhuber. "KI braucht Freiraum, um sich selbst Ziele zu stecken und so zu lernen." Den gewähre man ihnen schon heute. Freiraum allerdings mache unvorhersehbar. "Irgendwann werden Roboter das Heft in die Hand nehmen und die Milchstrasse kolonisieren."

Jürgen Schmidhuber skizzierte die Welt in 30 Jahren. (Source: Netzmedien)

Ist diese Vision nicht furchterregend? Schmidhuber gab sich gelassen: "Eine superkluge KI interessiert sich nur für andere superkluge KI. Die sind ihre potentiellen Konkurrenten und Partner. Die Menschheit wird verschont - aus fehlendem Interesse des Gegenübers." Das Publikum lachte, aber eine Spur Nervosität hing in der Luft. Die blieb nicht lange, denn der Walliser Kabarettist Lionel überbrückte die Lücken zwischen den Referaten mit humorvollen Zaubertricks.

Wie UPC zur E-Sports-Hochburg werden will

Oliver Lutz, Projektleiter E-Sports bei UPC, führte in einen besonderen Programmpunkt ein: in einen Videospiel-Schlagabtausch zweier Schweizer Profis. Cyrill Rufer und Reto Haldemann massen ihre Kräfte im Eishockey-Game NHL. Die Besucher verfolgten das Spiel live mit. Youtuber Jürg "Vifye" Hartmann kommentierte den Match passioniert. "Hier geht’s mehr ab als beim echten Eishockey", sagte er in der Hitze des Gefechts. Das Resultat: 4 zu 4, Unentschieden.

Oliver Lutz von UPC will die Schweizer eSports-Szene vernetzen. (Source: Netzmedien)

"E-Sports ist ein Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist", sagt Oliver Lutz. Die Medien berichteten immer breiter darüber. Fussballvereine engagierten erste Spieler und Teams. Auch Swisscom interessiere sich mittlerweile für das Thema.

UPC wolle sich allerdings als erste Anlaufstelle für E-Sports behaupten. "Mysports ist der erste Sender in der Schweiz, der E-Sports überträgt." UPC hat vor, sich als Vermittler in der Welt des E-Sports hervorzutun. Lutz schwärmt von einer grossen Schweizer Liga mit Medienpartnern und Sponsoren. Hier sollen alle Player vereint an einem Strang ziehen.

Fünf Tips für das TV von Morgen

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir Medien nutzen. SVoD-Dienste wie Netflix setzen das traditionelle Pay TV unter Druck. Was TV-Anbieter beachten sollten, um den Anschluss nicht zu verlieren, erläuterte Guy Bisson vom Marktforschungsunternehmen Ampere Analysis. Er hatte fünf Tips für das Fernsehen von morgen parat.

  1. Verschiedene Angebote sollten gebündelt werden, Pakete bedürfen der Erweiterung. Heute könne man einzelne Dienste nicht mehr getrennt voneinander betrachten. Dieser Schritt führe zwar dazu, dass der Wert der einzelnen Verträge sinke. Aber er sei notwenig, um neue Kunden ins Boot zu holen.

  2. Eine Integration klassischer TV-Programme in virtuelle Dienste sei unerlässlich. VMSO, die VoD- und lineare Programme verbinden, seien die Zukunft.

  3. Es sei weiterhin wichtig, mit exklusiven und originellen Inhalten aufzutrumpfen. Im Trend sei zurzeit die so genannte "lokalisierte Globalisierung". Damit gemeint seien Programme, die zwar lokale Geschichten erzählen, sich aber an ein globales Publikum richten.

  4. Anbieter sollten ihre Infrastrukturen konsequent nutzen. Unternehmen wie Netflix seien bereit, mit traditionellen TV-Anbietern zu kooperieren. Aus diesen Partnerschaften könnten beide Parteien profitieren.

  5. Man sollte der reichhaltigen Multichannel-Strategie nicht entfliehen, sondern sie begrüssen und selbst in die Hand nehmen. Anbieter wie Sky und NBCuniversal hätten sich diese Erkenntnis zu Herzen genommen. NBC etwa investiere mittlerweile auch in Millennials-Kanäle wie Snapchat.

"Habt keine Angst vor Netflix!", so lautet das Fazit von Guy Bisson. Das Ziel müsse sein, alle Konsumenten zufrieden zu stellen. Und dazu gehöre auch das Segment der Content-Liebhaber und Vielseher, die im Bingewatching aufgehen.

Guy Bisson von Ampere Analysis ermutigte zu mehr Multichannel. (Source: Netzmedien)

Auf die Frage Florinos, welche Auswirkungen Trumps Umsturz der Netzneutralität habe, antwortete Bisson ausweichend. "Ich glaube nicht, dass es viel ändern wird. Zumindest nicht für die Anbieter", fügte er hinzu. "Bei den Konsumenten ist das aber natürlich eine andere Geschichte."

Der smarte Selecta-Automat

Ali Soy, Managing Director von Digital Republic, erklärte, wie man das Internet der Dinge (IoT) mithilfe von Blockchain dirigieren kann. "Blockchain schafft Vertrauen, Transparenz und Zuverlässigkeit." Was für Cryptowährungen wertvoll sei, sei es auch für IoT. Und durch so genannte "Smart Contracts" werde Blockchain erst richtig interessant für IoT.

Ali Soy von Digital Republic beschwor die Macht des Blockchain of Things (Source: Netzmedien)

Smart Contracts ermöglichen automatisierte Reaktionen auf bestimmte Ereignisse. Als Beispiel nannte Soy einen smarten Selecta-Automat, der selbstständig Geschäfte abschliesst - je nachdem, welche Produkte ihm fehlen.

Im Anschluss erklärte Erick Pipault, CEO von Naxoo, wie Kabelnetze beim IoT mitmischen können. Am Beispiel von Genf zeigte er, wie man eine Stadt smarter machen könne. "Wir müssen Vorreiter sein, bevor uns die Konkurrenz zuvorkommt", sagte er. Naxoo sei interessiert daran, das IoT-Netz über das ganze Suissedigital-Netz zu spannen. Man könne Swisscom nicht einfach das Feld überlassen.

Mads Arnbjørn Rasmussen, CTO Telco Cloud & Video bei Huawei, schloss den reichhaltigen Tag ab. Er referierte über die Vorteile von Full Duplex Docsis 3.1, das eine Datenrate bis 10 Gbit/s ermöglichen soll.

Das sind die Spuren des Suissedigital-Day 2017 (Source: Netzmedien)

Die Bühne zeugte von einem ereignisreichen Tag: Zurück blieb ein leerer Stuhl, überfüllt mit Kunstschnee von Lionel - und ein Gaming-Schreibtisch.

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