Holocaust-Vorwurf: IBM steckt Kopf in den Sand
Der Computerriese IBM will sich der Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit und der Rolle des Unternehmens im Holocaust weiterhin nicht stellen. Nachdem ein Genfer Berufungsgericht in zweiter Instanz die Klage von fünf Sinti und Roma, deren Eltern durch die Nazi-Verfolgung umkamen, und der Organistion Gypsy International Recognition and Compensation Action zugelassen hat, zieht IBM den Fall an das Schweizer Bundesgericht weiter.
Das Berufungsgericht hat vor zehn Tagen befunden, dass die vorgelegten Dokumente genügend Hinweise enthielten, dass eine eventuelle technische und intellektuelle Mithilfe von IBM am Holocaust und damit auch an der Vernichtung der Sinti und Roma nicht von vornherein ausgeschlossen werden könne. Zudem habe die IBM-Dependance in Genf eine wichtige Rolle im internationalen Geschäft gespielt und es gebe einige Evidenz, dass sich das Genfer Büro seiner Hilfestellung an die Nazis zu kriminellen Handlungen bewusst gewesen sei. Deshalb sei Genf auch der richtige Ort, um diese Klage einzureichen.
Mit dem Vertrieb von Hollerith-Lochkartenmaschinen an die Nationalsozialisten habe es IBM mitermöglicht, dass die Vernichtung des jüdischen Volkes mit grosser Präzision geplant werden konnte, schrieb zum gleichen Thema der US-amerikanische Historiker Edwin Black bereits 2001. Black vertritt in seinem Buch die These, IBM habe selbst dann, als amerikanische Firmen den Kontakt zu Töchtern in Hitlerdeutschland abbrechen mussten, über seine Schweizer Europa-Zentrale in Genf das deutsche Tochterunternehmen DEHOMAG weitergeführt. Dieses habe die Lochkartenmaschinen vermietet, unterhalten und an die Bedürfnisse der Nazi-Bürokratie angepasst. IBM habe auch die Gewinne der DEHOMAG in der Nazizeit stillschweigend nach Ende des Krieges eingesammelt.
IBM bestreitet, im 3. Reich noch die Kontrolle über die DEHOMAG gehabt zu haben. Diese sei dem Konzern von den Nazis entzogen worden. Die von den Klägern geforderte Schmerzensgeldsumme beträgt 100'000 US-Dollar. Insgesamt wurden zwischen 1933 und 1945 rund 600'000 Sinti und Roma in den Konzentrationslagern ermordet.
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