Im Gespräch mit Patrik Hug, CEO, Solvaxis

"Wir wollen demnächst mit der Internationalisierung loslegen"

Uhr | Aktualisiert
von Marc Landis, Chefredaktor

Patrik Hug hat im vergangenen April die Führung der Schweizer Business-Software-Anbieterin Solvaxis übernommen. Das Unternehmen war zuvor von der schwedischen Jeeves-Gruppe übernommen worden. Vom Zusammenschluss verspricht sich Hug viele Vorteile, auch wenn der Start schwierig war.

Patrik Hug, CEO, Solvaxis. (Quelle: Netzmedien)
Patrik Hug, CEO, Solvaxis. (Quelle: Netzmedien)

Im April hat Jeeves Solvaxis übernommen. Was hat sich seither bei Solvaxis verändert?

Patrik Hug: Es gab einige Veränderungen. Vor allem was die Strategie anbelangt. Solvaxis verfolgte bis anhin eine Wachstumsstrategie und hat im Rahmen derselben, auch verschiedene Drittprodukte zur Ergänzung unserer Kernprodukte ins Vertriebsportfolio aufgenommen. Für Jeeves war klar, dass die Strategie in dieser Form nicht weitergeführt werden würde und wir uns auf unser Kerngeschäft, das heisst auf unsere Eigenentwicklungen Proconcept und Amanda fokussieren wollen. Eine weitere wichtige Veränderung für Solvaxis nach der Übernahme durch Jeeves war auch die Verlagerung von Teilen der Entwicklung nach Indien. Diese Mitarbeiter in Indien arbeiten nur für Solvaxis. Zudem hat sich durch die Übernahme automatisch auch die Firmenkultur verändert. Wir agieren heute viel mehr als Teams im Vergleich zu vorher unter Pierre-Alain Schnegg, der das Unternehmen gegründet hatte und es auch wie ein Patron führte.

Höre ich da eine leise Kritik am Führungsstil Ihres ehemaligen Chefs bei Solvaxis?

Nein, es wäre nicht angebracht Pierre-Alain zu kritisieren. Es ist einfach nicht mein Führungsstil und ich könntea so nicht arbeiten. Schon in den drei Jahren vor meiner Ernennung zum CEO, als ich noch Marketing und Vertrieb leitete, führte ich teamorientiert und delegierte Aufgaben und Verantwortung dorthin, wo sie sinnvoll waren. Und diesen Führungsstil dehnte ich nun auf den Rest der Firma aus.

Welche Pläne hat Jeeves mit Solvaxis?

Jeeves will zum führenden Anbieter von ERP-Software für KMU in Europa werden und durch Akquisitionen wachsen. Dafür sucht sich Jeeves als Übernahmeobjekte vor allem lokale Champions mit kompetenten Mitarbeitern und einem guten, am Markt etablierten Produkt. Diese Eigenschaften bringt Solvaxis alle mit. Insofern ist die Übernahme von Solvaxis durch Jeeves ein wichtiger Schritt auf dem Weg an die Spitze.

Wie geht es jetzt mit Solvaxis nun weiter? Wir wollen Solvaxis noch weiter konsolidieren und so positionieren, dass wir ab 2016 via Jeeves mit der Internationalisierung unserer Produkte loslegen können. Allerdings werden wir natürlich zuerst die möglichen Märkte analysieren. Der Fokus der Tätigkeit von Solvaxis liegt aber weiterhin auf dem Schweizer Geschäft. Hier wollen wir erfolgreich sein und weiter wachsen.

Was verstehen Sie unter Konsolidierung?

Wir haben wie erwähnt bereits einen Teil unserer Entwicklung ins indische Bangalore ausgelagert. Den Know-how-Transfer an das zusätzliche Entwicklerteam müssen wir begleiten, was auch bedingt, dass wir hier Prozesse neu definiert und Strukturen angepasst haben.

Wie laufen die Geschäfte?

Wir haben 2014 24 Millionen Franken Umsatz gemacht und sind damit etwa auf Vorjahresniveau. Angesichts der Restrukturierungen sind wir zufrieden mit diesem Umsatz. Aber natürlich wollen wir auch wieder wachsen. Kam die Übernahme durch Jeeves überraschend? Für mich war klar, dass Pierre-Alain Schnegg früher oder später eine Nachfolgeregelung für sein Unternehmen anstrebte. Aber klar, der Zeitpunkt und dass es so schnell ging, war schon etwas überraschend. Ich selbst war aber ja auch nicht involviert in die Verhandlungen. Und ich war überrascht und fühlte mich natürlich auch geehrt, dass die neuen Eigentümer mich zum neuen CEO des Unternehmens beriefen.

Wie eigenständig ist Solvaxis in der Schweiz nun noch?

Wir betrachten uns nach wie vor als sehr eigenständig. Wir entscheiden über die Produktroadmap, wir entscheiden, mit wem wir Partnerschaften eingehen möchten, und wir entscheiden über den Kernmarkt, in dem wir tätig sein wollen. Natürlich rapportiere ich an Jeeves. Dabei agiert Jeeves aber nicht exekutiv, sondern vor allem strategisch. Sie challengen uns, hinterfragen, warum wir etwas machen, was genau die Ziele sind, die wir damit verfolgen, welches sind die Konsequenzen unseres Handelns kurz-, mittel- und langfristig. Das ist eine gute Art und Weise zusammenzuarbeiten und wir profitieren auch von ihrem Know-how, ihren Best practices und ihrer Art und Weise zu arbeiten.

Wie geht es mit den verschiedenen Standorten in der Schweiz weiter?

Uns ist die Kundennähe wichtig, die wir über unsere lokale Präsenz an den verschiedenen Standorten erreichen. Es gibt zurzeit keine Pläne, die Standorte zu konsolidieren.

Was bedeutet die Solvaxis-Übernahme für Ihre Kunden?

Wir werden noch mehr an der Qualität unserer Leistungen arbeiten, versuchen noch besser, noch zuverlässiger, noch kompetenter noch schneller zu werden als heute. Durch die Fokussierung unserer Geschäftstätigkeit auf unsere Kernprodukte werden natürlich auch die dafür nötigen Ressourcen frei. Es war im Zusammenhang mit diesen Synergien auch zu lesen, dass rund 30 Stellen, abgebaut werden sollen.

Welche Funktionen brauchte es nach der Übernahme nicht mehr?

Es gab einen Stellenabbau im Vertrieb, was durch die Fokussierung aufs Kerngeschäft leider nötig war. Zudem fielen Stellen aus den Partnerbereichen weg, in denen die Drittmarken angesiedelt waren. Und auch in der Entwicklung: Das Schreiben des Software-Codes wurde nach Bangalore ausgelagert. Product Management, Architecture, Entwicklung des Core Frameworks, Business-Analyse, Qualitätskontrolle und Testing sind aber nach wie vor bei uns. Keine dankbare Aufgabe, als erste Amtshandlung gleich Mitarbeiter entlassen zu müssen.

Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Das war natürlich etwas vom schwierigsten überhaupt und nichts, was ich mir gewünscht habe. Dennoch war es unvermeidlich. Geholfen hat mir in dieser Phase, dass ich nicht alleine war, sondern dass die Umsetzung des Stellenabbaus vom gesamten Management-Team mitgetragen wurde. Zudem konnten wir die Sache schnell über die Bühne bringen. Ich war auch überrascht, wie professionell es die betroffenen Mitarbeitenden aufnahmen, dass sie gehen mussten. Fast alle haben auch schnell wieder einen Job gefunden.

Warum sind Sie der richtige Mann im Fahrersitz des Unternehmens?

Natürlich bin ich führungserfahren und kann auch durchgreifen oder harte Entscheidungen treffen, wenn es nötig ist. Aber mich selbst nehme ich gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist mir, dass wir als Team gut funktionieren. Ich würde sagen, dass es eine Stärke von mir ist, ein Team zu formen und jedes Teammitglied zu einer konstant hohen Leistung anzuspornen. Ich lege Wert auf Fokussierung. Ich will, dass wir die Ziele auch tatsächlich erreichen, die wir als nötig und wichtig definiert haben.

Welche Trends sehen Sie im Business-Software-Markt?

Wir werden in unserem Geschäft noch viel mehr mit Cloud-Lösungen in Kontakt kommen. Cloud ist zurzeit immer noch recht applikationsbezogen und ist für Business-Software noch an einem kleinen Ort. Aber das wird sich ändern. Und zwar weil es in der Regel nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehört, die IT bzw. eine Applikation auf der eigenen IT selbst zu betreiben. Es wird getan, weil man eben muss. Aber eigentlich bräuchten Unternehmen nur den Nutzen der Business-Software. Der Weg hin zu reinen Pay-as-you-go-Lösungen wird aber sicher noch lange sein, weil die Schnittstellen noch zuwenig standardisiert sind und auch weil Business-Software oft sehr tief für bestimmte Prozesse integriert ist. Private Clouds, Hosting und weitergehende Dienstleistungen anzubieten, das scheint mir aber logisch. Auch wir bieten unseren Kunden solche Services bereits an, etwa indem wir den First-Level-Support übernehmen. Auch sehe ich einen wichtigen Trend rund um Usability. Business Software sollte so einfach zu bedienen sein, wie ein Smartphone. Daran arbeiten wir. Ein weiterer Punkt ist Integration. Das ganze Thema rund um Schnittstellen und serviceorientierte Architektur werden wir im Release 11.3 in unseren Lösungen umsetzen. Vorerst ist aber das Thema Multi Company mit dem Release 11.2 für 2016 umzusetzen.

Wofür wird Solvaxis in Zukunft stehen?

Für dasselbe wie heute: Partnerschaft, Schweizer Qualität, Kompetenz.

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