Migration auf SAP S/4Hana

Ricola-CIO: "Ohne SAP produziert Ricola kein einziges Bonbon"

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SAP-Support gibt es ab 2025 nur noch für die Linux-basierte In-Memory-Datenbank S/4Hana. Ricola, die SV Group und Swisscom haben im Swisscom Business Campus gezeigt, wie der Wechsel von R/3 zu S/4Hana gelingt und welchen Schwierigkeiten sie auf dem Weg zu S/4Hana begegneten.

Heinz Giezendanner, SV Group, Jörg Knaus, Swisscom, Rolf Kohler, Ricola (vl., Source: Netzmedien)
Heinz Giezendanner, SV Group, Jörg Knaus, Swisscom, Rolf Kohler, Ricola (vl., Source: Netzmedien)

2025 macht SAP Schluss mit dem Support für seine bisherigen ERP-Lösungen. Nur die neue, Linux-basierte In-Memory-Datenbank S/4Hana wird ab dann noch unterstützt. Für rund 1000 Unternehmen in der Schweiz bedeute das, dass sie auf die neue SAP-Version umsteigen müssten. Kräuterbonbonhersteller Ricola und die Gastro- und Hotelmanagementgruppe SV Group haben den Wechsel auf S/4Hana bereits vollzogen. Als Partner bei der Migration unterstützte sie die Swisscom S/4Hana Transformation Factory. Im Swisscom Business Campus berichteten die beiden Unternehmen, wie sie den Wechsel in Angriff nahmen.

 

3 unterschiedliche Wege nach S/4 Hana

"Der Kunde will am Freitag R/3 abschalten und am Montag mit S/4 loslegen," beschrieb Jörg Knaus, SAP Chief Solution Architect bei der Swisscom, die Herausforderung für die Swisscom als SAP-Partner. Der Wechsel sei eine komplexe Aufgabe und könne nicht einfach schnell nebenbei erledigt werden, denn "es handelt sich nicht nur um ein Upgrade und ein bisschen Kosmetik, sondern um ein neues Datenmodell."

 

Knaus Erklärte weiter: "Es gibt 3 unterschiedliche Wege, wie man nach S/4Hana kommt." Den Greenfield Approach, bei dem S/4Hana komplett neu eingeführt wird, den Brownfield oder Systemconversion Approach, bei dem das ganze R/3- auf ein S/4-System konvertiert wird, und die Landscape Transformation, auch Bluefield genannt, bei der im R/3 Daten gelesen und direkt in die S/4Hana-Datenbank geschrieben werden.

 

Im Video spricht Knaus über die Rolle von Swisscom bei der SAP-Migration und den Greenfield und Brownfield Approach.

 

 

 

Am Anfang hätten die Kunden den Wechsel auf S/4Hana komplett unterschätzt. Mittlerweile habe jedoch ein Umdenken, insbesondere auf der Verwaltungsratsebene, stattgefunden und Chancen und Risiken der Migration würden abgewogen, so Knaus.

 

Der Umstieg auf S/4Hana war auch Thema an einem Event im Microsoft "Pop-up-House" in Zürich. Unter anderem erläuterten Spezialisten von SAP Schweiz und Dell EMC, was bei der SAP-Migration auf Unternehmen zukommt. Lesen Sie mehr im Beitrag "Wie Unternehmen den Sprung in die neue SAP-Welt schaffen".

 

Ohne SAP kein Ricola

Ein Unternehmen, das sich für den Greenfield Approach entschieden hat, ist Ricola. Der Kräuterbonbonhersteller führte SAP bereits 1997 ein. "Ohne überhaupt zu wissen, was SAP ist", verriet Ricola-CIO Rolf Kohler. Mittlerweile ist SAP für Ricola essenziell. "Ohne SAP produziert Ricola kein einziges Bonbon." Die Rezepte für die Kochlinien, die Hochregallagersteuerung und die Erfassung der Qualitätsmerkmale kämen bei Ricola alle von SAP.

 

Im Video erläutert Kohler, welchen Unternemen er einen Greenfield und welchen einen Brownfield Approach empfehlen würde:

 

 

 

Mit 20 Jahren SAP-History wollte Ricola die Chance nutzen, Prozesse zu optimieren und sich von Altlasten zu befreien, wie Kohler weiter erklärte.

 

Herausforderungen beim Wechsel zu S/4Hana

Seit 1. Janurar 2019 arbeitet Ricola nun mit S/4Hana. Eine der grössten Herausforderung in der Transformation sei die Einteilung der Ressourcen gewesen. Denn trotz Umstellung durfte das Tagesgeschäft nicht leiden. Eine weitere Herausforderung war der Datentransfer. So gäbe es ein SAP-Tool, um Daten in S/4 zu transportieren "Aber für den Exprot aus R/3, gibt’s nichts."

 

Die Einteilung der Ressourcen war auch für die SV Group eine Herausforderung. Die Gastro- und Hotelmanagementgruppe führte S/4Hana am 1. Oktober 2018 "reibungslos" ein, wie Heinz Giezendanner, Director Shared Services bei der SV Group, sagte. Ziel des Umstiegs sei es gewesen, die technologische Basis für die Weiterentwicklung in SAP selber oder in der Integration mit anderen Systemen zu schaffen.

 

Erfolgsfaktoren für die Umstellung

Anders als Ricola, wechselte die SV Group mit dem Brownfield Approach auf S/4Hana. "Wir haben unsere Hausaufgaben eigentlich 2012 schon gemacht", so Giezendanner. Damals hätte die SV Group ein gesamtes Redesign des SAP-Systems durchgeführt und sei daher konzeptionell bereits auf einem relative neuen Stand gewesen. "Eine Prozessänderung war für uns nicht nötig, denn unsere Prozesse entsprachen bereits dem, was wir wollten. Für uns war der Fall daher klar und wir entschieden uns für den Brownfield Approach.

 

Wie die Umstellung bei der SV Group vonstatten gegangen ist, zeigt Giezendanner im Video auf:

 

 

 

Wichtig beim Wechsel sei die richtige Zusammenstellung des Projektteams, wie Kohler von Ricola sagte. Ausserdem sei eine gute Vorbereitung essenziell. Weiter nannte Kohler realistische Projektziele und frühzeitige Tests als Key Success Factors für den Wechsel auf S/4Hana. Auch Giezendanner sah die Vorbereitungsphase und eine detaillierte Analyse als Erfolgsfaktor für die Umstellung. "Wir haben intern kein eigenes SAP-Know-how, daher war für uns das Wissen der Partner extrem wertvoll."

 

SAP hat seine Geschäftszahlen für 2018 bekanntgegeben. Insbesondere im Cloud-Geschäft legte das Unternehmen zu. Lesen Sie hier mehr zu SAPs Geschäftsjahr.

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