Schweizer Gemeinden fordern mehr Zusammenarbeit für die Digitalisierung
Schweizer Gemeinden wollen bei der Digitalisierung enger zusammenarbeiten, stossen dabei aber auf Hindernisse. Unterschiedliche IT-Systeme und die Sorge um politische Autonomie bremsen die Kooperation. Zudem tappen viele Gemeinden bezüglich der Einführung der E-ID noch im Dunkeln.
Der Verein Myni Gmeind, der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) und die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) haben ihre jährliche Gemeindeumfrage zum Stand der digitalen Transformation in den Schweizer Gemeinden durchgeführt. Den Schwerpunkt der diesjährigen Umfrage bildete die Frage nach der Zusammenarbeit unter den Gemeinden bei Projekten der digitalen Transformation, wie die Initianten mitteilen.
Fast ein Drittel der Schweizer Gemeinden oder insgesamt deren 639 haben die im Frühjahr durchgeführte Umfrage beantwortet, wie es in der Mitteilung heisst. Gemäss FHNW-Studienleiter Joachim Tillessen liefert diese hohe Rücklaufquote eine aussagekräftige Datengrundlage. Zudem verdeutlicht sie die Relevanz, die Schweizer Gemeinden der Digitalisierung beimessen.

Joachim Tillessen, Studienleiter bei der FHNW. (Source: FHNW)
Sechs von zehn Schweizer Gemeinden (62 Prozent) bevorzugen gemäss Umfrageergebnis, die digitale Transformation im Verbund mit anderen Gemeinden oder Organisationen anzugehen. Als Vorteile einer Zusammenarbeit nennen die Befragten den Austausch von Know-how und Erfahrungen, der die Qualität und Effizienz verbessern könne. Allerdings äussern viele Gemeinden Zweifel daran, die digitale Transformation im Alleingang bewältigen zu können
In der Praxis stösst dieser Wunsch nach mehr Zusammenarbeit auf Schwierigkeiten, wie die Initianten der Umfrage festhalten. Die Gemeinden bewerten die tatsächliche Zusammenarbeit lediglich mit der ungenügenden Note 3,8, wie dem Resultat der Gemeindeumfrage 2026 zu entnehmen ist. Als Hürden nennen sie den Verlust an Selbstbestimmung beziehungsweise politischer Autonomie sowie unterschiedliche IT-Systeme.
E-ID: 69 Prozent der Gemeinden mangelt es noch an Informationen
Ein weiterer Aspekt der Umfrage betraf laut Mitteilung die Einführung des elektronischen Identitätsnachweises (E-ID), die voraussichtlich noch in diesem Jahr stattfinden soll. Obwohl die Gemeinden diese als "wichtigen Baustein der digitalen Verwaltung" betrachten, verfügen 69 Prozent nach eigenen Angaben noch über keinen klaren Informationsstand zur Einführung. Nur 3 Prozent der Gemeinden haben laut Umfrageergebnis angegeben, Zeitplan und Ziele zu kennen.

Alexander Sollberger, Präsident des Vereins Myni Gmeind. (Source: zVg)
"Die Gemeinden erkennen die Bedeutung der E-ID, befinden sich jedoch mehrheitlich noch in einer Orientierungsphase und haben einen hohen Informationsbedarf bezüglich der konkreten Umsetzung. Gerade die Nutzenkommunikation dürfte deshalb in den kommenden Jahren entscheidend für die Akzeptanz und Verbreitung der E-ID sein", sagt Alexander Sollberger, der Präsident des Vereins Myni Gmeind.
Ein Anlass des Vereins Myni Gmeind hat in diesem Jahr auch die Potenziale von Open Source in der öffentlichen Verwaltung beleuchtet. Lesen Sie hier mehr dazu.
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