Schatten-IT zieht Cyberkriminelle an
Firmen, deren Zugangsdaten in Datenlecks auftauchen, werden häufiger Opfer von Ransomware. Laut einer Untersuchung von Risikomonitor hatten Vier von fünf Schweizer Ransomware-Opfer zuvor ihre Firmenadressen in Datenlecks. Die Studienautoren warnen vor Schatten, IT, welche solche Angriffe begünstigen.
Firmen, deren Zugangsdaten in Datenlecks auftauchen, werden später eher Opfer von Erpressungssoftware. Zu diesem Schluss kommt Risikomonitor in einer Untersuchung in Zusammenarbeit mit Swiss Cyber Storm. Demnach gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen abgeflossenen Geschäfts-Adressen und Ransomwareangriffen. Ohne Leck werden weniger als eine von 10’000 Firmen Opfer von solchen Angriffen, mit einem Leck von ab 200 geleakten Adressen jede achtzehnte. Die Gesamtanzahl öffentlich bekannter Angriffe steige ausserdem, im Jahr 2026 bis zum Oktober gab es in der Schweiz bereits 62 gemeldete Fälle, im ganzen Vorjahr waren es noch 41, wie Risikomonitor hinzufügt.
Die Studie habe die gesamte öffentliche Infrastruktur der Schweizer .ch-Zone vermessen und mit den öffentlich bekannten Ransomware-Angriffen abgeglichen. Rund 237’000 .ch-Domains seien in Datenlecks aufgetaucht.
Risikofaktor Schatten-IT
Oft würden Mitarbeitende in Unternehmen nicht nur die von der Firma zur Verfügung gestellten IT-Lösungen verwenden, erklärt risikomonitor in der Studie. Zudem würden sich Mitarbeitende häufig bei nicht geschäftlichen Diensten mit ihrer beruflichen E-Mail-Adresse anmelden. Falls einer dieser Dienste gehackt werde, landen die Zugangsdaten samt Passwort, welches oft auch anderswo noch verwendet werde, bei Cyberkriminellen. Diese könnten anschliessend versuchen, sich bei der Firmen-IT einzuloggen.
Als Beispiele für Dienste, die nicht von der IT-Abteilung zur Verfügung gestellt wurden, nennt Risikomonitor Dropbox, wo 42’668 Schweizer Domains in Datenlecks gefunden wurden, Dating- und Erotikdienste mit 28’557 geleakten Adressen mit Schweizer Domains und Gaming-Plattformen mit 10’687 gefundenen Schweizer Einträgen.

"Immer mehr Regeln und Hürden heben zwar das Sicherheitsniveau im Haus. Aber je unkomfortabler die offiziellen Systeme werden, desto mehr Schatten-IT entsteht.", sagt Manuel Löw-Beer, CEO und Founder von Risikomonitor.
Firmen mit mehr Schatten-IT und damit auch mehr dienstlichen Adressen in Datenlecks, werden gemäss Studie eher Opfer von Ransomware-Angriffen.

Mehr Risiko durch Datenlecks als durch Schwachstellen
Keinen Zusammenhang fand Risikomonitor zwischen Server-Schwachstellen (etwa Sicherheitslücken auf Websites oder offenen Zugängen) und Ransomwareangriffen. Dies zeige, dass sich Angreifer wohl am häufigsten über gestohlene Zugangsdaten Zugriff verschaffen, und nicht über Sicherheitslücken auf der Website. Die Autoren schreiben aber auch, man belege "einen eindeutigen statistischen Zusammenhang, keinen Beweis im Einzelfall".
Übrigens: Tausende Fortigate-Firewalls in der Schweiz sind über das Internet erreichbar, wie eine weitere Untersuchung von Risikomonitor zeigte. Mehr dazu lesen Sie hier.
Wenn Sie mehr zu Cybercrime und Cybersecurity lesen möchten, melden Sie sich hier für den Newsletter von Swisscybersecurity.net an. Auf dem Portal lesen Sie täglich News über aktuelle Bedrohungen und neue Abwehrstrategien.
Am 14. Oktober erscheint die neue Netzwoche
Skyrim: Deutschland Edition
Zürich beschafft Geschäftsverwaltungslösung für fast 4,4 Millionen Franken
Update: Swisscom gewinnt den Glasfaserstreit
Zeix macht KI alltagstauglich
Eine verantwortungsvolle KI-Nutzung braucht mehr als nur Vertrauen
OpenAI entdeckt geheimes Aufnahmegerät im Büro
Wo Responsible AI heute noch zu kurz greift
Schatten-IT zieht Cyberkriminelle an