Wenn der CIO nicht führt, führt die KI
Es beginnt meist harmlos. Hier ein paar Pilotprojekte, da ein Chatbot, dort ein KI‑Agent, der "nur mal" Reports zusammenfasst oder Architekturdiagramme vorschlägt. Innovation, sagt man. Fortschritt. Doch was passiert, wenn niemand mehr weiss, wofür diese KI eigentlich eingesetzt wird? Wenn kein klares Problem formuliert ist, keine Vision existiert und Governance als lästige Bremse gilt? Dann wird aus Innovation sehr schnell Kontrollverlust.
Unternehmen leiden derzeit nicht an einem Mangel an KI, sondern an einem Überfluss ohne Richtung. KI wird eingeführt, weil man es kann, nicht weil man es muss. Entscheidungen werden automatisiert, bevor sie verstanden sind. Prozesse werden beschleunigt, deren Zweck nie hinterfragt wurde. Wer so handelt, delegiert nicht Arbeit an Maschinen, sondern Verantwortung. Und genau hier wird es gefährlich.
Ohne klare strategische Leitlinien entwickelt KI eine Eigendynamik. KI‑Agenten optimieren, verknüpfen, entscheiden – immer schneller, immer autonomer. Was heute noch Assistenz ist, wird morgen Koordination. Was heute Analyse ist, wird morgen Steuerung. Und plötzlich steht eine unbequeme Frage im Raum: Wozu braucht es eigentlich noch einen CIO, wenn Architekturentscheidungen, Technologieauswahl, Priorisierung und sogar Budgetempfehlungen von Agenten vorbereitet oder direkt getroffen werden?
Dieses Szenario ist nicht dystopisch, sondern realistisch. KI‑Agenten können Enterprise‑Architekturen modellieren, Risiken bewerten, Roadmaps generieren, Lieferanten vergleichen und Portfolios steuern. Sie kennen keine politischen Empfindlichkeiten, keine Machtspiele, keine Erschöpfung. In einer Organisation ohne klare Vision ersetzen sie nicht nur operative Rollen, sondern schleichend auch strategische. Nicht, weil sie besser führen – sondern weil niemand führt.
Der CIO, der sich auf die Technologieverwaltung reduziert, wird ersetzbar. Der CIO, der keine Haltung zu KI entwickelt, wird umgangen. Und der CIO, der Probleme nicht klar benennt, bevor er KI einsetzt, macht sich selbst überflüssig. Denn KI schliesst immer Lücken. Vor allem Führungslücken.
2026 ist kein fernes Zukunftsbild. Es ist der Moment, in dem sich entscheidet, ob Unternehmen KI gestalten oder von ihr gesteuert werden. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden: klare Governance, eine nachvollziehbare Vision und vor allem der Mut, zuerst die richtigen Fragen zu stellen, bevor man Antworten automatisiert. KI braucht Führung. Nicht als Kontrolle, sondern als Orientierung.
Die Verantwortung liegt nicht bei der Technologie, sondern bei denen, die sie einsetzen. Für Unternehmen. Für Mitarbeitende. Für eine Arbeitswelt, in der Menschen nicht durch Agenten ersetzt werden, sondern durch klare Führung relevant bleiben. Der CIO hat dabei eine Wahl: Architekt der Zukunft zu sein – oder ein Use Case unter vielen.
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