If this then that

Plattformen, die das Web vernetzen

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Marcel Urech

IFTTT automatisiert Aufgaben zwischen einer Vielzahl von Webdiensten mit wenigen Klicks. Die Schnittstellen der Dienste lassen sich auf diese Weise beliebig kombinieren. Mit Zapier und Microsoft Flow gibt es zwei Alternativen, die stärker auf Unternehmen abzielen.

(Quelle: IFTTT)
(Quelle: IFTTT)

E-Mails thematisch sortiert in Evernote zu importieren, ist ziemlich mühsam. Vor allem, wenn man es von Hand macht. Der Prozess ist zeitaufwendig und selbst mit Copy 'n' paste nicht sehr benutzerfreundlich. Diese Aufgabe würde man am liebsten automatisieren.

Im September 2011 startete mit IFTTT ein Dienst, der genau das anbietet. Die Abkürzung steht für «If this, then that» – und der Name ist Programm. IFTTT erlaubt es, Aufgaben und Prozesse zu automatisieren, die der Logik «wenn A passiert, wird B ausgelöst» folgen. Die Lösung funktioniert über diverse Webdienste hinweg.

IFTTT erinnert daran, wenn man seine Fitbit-Ziele nicht erreicht, speichert Tweets in Google Sheets und synchronisiert Instagram und Pinterest. Der Dienst löst auch unser Evernote-Problem: Er importiert E-Mails mit einem bestimmten Label auf Wunsch automatisch. Wer eine solche Automatisierung erstellt, kann sie im Web als sogenanntes Applet mit der ganzen Welt teilen.

Zur Auswahl: über 300 Dienste

Die Automatisierungen sind mit Kochrezepten vergleichbar, wobei es eine Vielzahl von Zutaten gibt. Mit IFTTT lassen sich aktuell über Schnittstellen (APIs) rund 300 verschiedene Onlinedienste kombinieren. Darunter unter anderem Facebook, Dropbox, Slack, Spotify und Youtube. Auch das Internet der Dinge ist für IFTTT kein Fremdwort. Der Dienst öffnet Garagentore, wenn der BMW vorfährt, bringt Hue-Lampen zum Leuchten, wenn die Mutter anruft und befähigt Alexa, einen Nest-Thermostaten zu steuern.

Wer solche Automatisierungen einrichten will, muss nicht programmieren können. Der Nutzer kann mit wenigen Klicks entscheiden, welche Funktionalitäten einer API er integrieren will. So kann er etwa Fotos, in denen er auf Facebook getaggt ist, auf Dropbox hochladen lassen. Oder automatisch alle Fotos in der Cloud sichern, die er selbst auf Facebook stellt. Facebook stellt dafür dutzende Schnittstellen bereit.

Wer also privat oder beruflich IFTTT nutzt, kann seine Produktivität stark erhöhen. Der personalisierte Automatisierungsdienst erlaubt es, schnell und unkompliziert Brücken zwischen einer Vielzahl von Webdiensten zu bauen. Das ist ein grosser Vorteil für den Anwender. Er kann ein riesiges Ökosystem einfach und intuitiv bedienen und muss dafür nicht einmal eine Programmiersprache beherrschen.

Jenseits der 100 Dienste für die Hausautomation

Automatisch eine Benachrichtigung erhalten, die daran erinnert, wo das geparkte Auto steht? Seit Januar ist das möglich. Wenn man ein smartes Auto von BMW besitzt. Das Internet der Dinge (IoT) und die damit verbundenen Dienste, die immer beliebter werden, ziehen auf IFTTT am meisten Nutzer an. In der Schweiz ist dieser Effekt am stärksten.

IFTTT veröffentlichte erst kürzlich neue Statistiken: Fast die Hälfte der Schweizer Nutzer sollen den Dienst verwenden, um Prozesse im Internet der Dinge zu automatisieren. Der Anteil ist so hoch wie sonst nirgends auf der Welt. Hinter der Schweiz folgen die Niederlande, Dänemark, Belgien und Österreich. In den USA nutzt den Dienst gerade mal jeder Fünfte für diesen Zweck. Das Land liegt damit in der Rangliste auf Platz 13.

Auf IFTTT fällt auf, dass die Mehrheit der Applets für Hausautomatisierungen und (intelligente) Gebäudesteuerungen ist. Wer etwa den Pop Home Switch von Logitech nutzt, kann über IFTTT mit einem Button mehrere vernetzte Objekte auf einen Schlag kontrollieren. So ist es zum Beispiel möglich, mit dem Webdienst folgendes Applet einzurichten: Wenn ich auf den Logitech-Button drücke, erstrahlen meine Hue-Leuchten.

Wenig Business-Apps auf IFTTT

Das Angebot auf IFTTT wächst ständig. Vor allem für aktuelle Mail- und Messenger-Dienste, das Internet der Dinge, Cloud-Speicherlösungen sowie für soziale Medien und Netzwerke. Anfang August machte Skype auf sich aufmerksam. Microsoft ermöglichte es, über IFTTT einen Chatbot zu integrieren. Dieser lässt sich so einstellen, dass er gewisse Infos mit Kontakten teilt. Welche Infos das sind, lässt sich vorab auf IFTTT definieren.

Ein Partnerprogramm erlaubt Entwicklern, eine Funktion für die Erstellung von Applets in ihre App einzubauen. So lassen sich die Apps einfach mit IFTTT verbinden. Das Unternehmen setzt alles daran, sein Ökosystem kontinuierlich zu vergrössern. Trotzdem wirkt der Dienst immer noch etwas limitiert, wenn man ihn in einem Unternehmen nutzt. Auf IFTTT sind rund 20 Unternehmensapplikationen gelistet, darunter Linkedin, Mailchimp, Salesforce, Slack und Surveymonkey. Wer den Dienst also professionell nutzen will, sollte sich auch Alternativen wie Zapier und Flow anschauen.

Komplexe Aufgaben erledigt Zapier

Zapier automatisiert IT-Aufgaben. Das Angebot funktioniert wie IFTTT, die Anwendungen heissen Zaps statt Applets. IFTTT setzt auf Einfachheit. Zapier ist in der Handhabung schwieriger. Auf der Plattform gibt es über 600 Anwendungen und Dienste, die in verschiedene Katego­rien unterteilt sind. Etwa Marketing, Zahlprozesse und Human Resources. Andere orientieren sich eher an der IT, darunter Ads, Analytics, Amazon Web Services und Datenbanken.

So ist es etwa möglich, auf Slack eine Benachrichtigung zu erhalten, wenn eine neue Amazon-EC2-Instanz kreiert wird. Oder ein personalisiertes Ereignis über New Relic Insights bei neuen Salesforce-Leads aufrufen. Oder in Google Sheets eine neue hinzufügen, wenn es neue Einträge auf Github gibt. Im Gegensatz zu IFTTT erlaubt es Zapier, komplexe Verknüpfungen einzurichten. Der Dienst ist aber nicht gratis. Um das ganze Potenzial von Zapier auszuschöpfen, können verschiedene Tarife gelöst werden. Sie kosten zwischen 20 und 250 US-Dollar im Monat.

Flow für das Microsoft-Ökosystem

Eine weitere Alternative ist Flow. Es ist auf das Ökosystem von Microsoft ausgerichtet. Die Stärke von Flow ist also die Integration in Microsoft-Produkte, etwa Office 365, One­drive, Dynamics CRM, Sharepoint und Yammer. Flow begrenzt sich allerdings nicht komplett auf Microsoft-Produkte. Es bietet auch Integrationen für Mailchimp, Google Drive, Dropbox, Salesforce, Trello, Slack und Github. Für Flow gibt es auch Apps für iOS und Android. Sie erlauben es, erstellte Rezepte mit der Community zu teilen. Ein Anwendungsbeispiel ist etwa, Leads in Dynamics CRM zu generieren, wenn eine neue Zeile in einem Excel-Dokument hinzugefügt wird. In einer Preview-Version erlaubt es Flow, etwa 40 Dienste zu vernetzen. Das sind weniger als bei Zapier, das für Businessaufgaben immer noch am attraktivsten ist. IFTTT ist hingegen die einfachste und zugänglichste Lösung. Sie eignet sich aber vor allem für private Anwendungen, um seine Produktivität zu erhöhen und bestimmte Aufgaben zu automatisieren.

Webcode
DPF8_14723

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