Nachgefragt: iHomeLab

Wenn das Gehirn zur Fernsteuerung wird

Uhr | Aktualisiert

In Zusammenarbeit mit Samsung hat das "iHomeLab" der HSLU einen Prototyp für eine gehirngesteuerte TV-Fernbedienung entwickelt. Vor allem Paraplegikern soll damit das Leben erleichtert werden. Wie die Arbeit im Projekt verlief und was in Zukunft noch folgen könnte, erklärt Projektleiter Martin Biallas.

(Source: PPR Media Relations AG)
(Source: PPR Media Relations AG)

Das "iHomeLab" der Hochschule Luzern (HSLU), das Schweizer Paraplegiker-Zentrum und Samsung Schweiz haben im Mai dieses Jahres eine Fernbedienung für Fernseher vorgestellt, die mit Gehirnwellen bedient wird. Mitfinanziert wurde das Projekt mit den Namen "Pontis" auch von Innosuisse. Die Fernbedienung funktioniert folgendermassen: Auf einem Bildschirm werden vier kleine Schachbrettmuster dargestellt. Wenn sich der Nutzer der Fernbedienung auf ein solches Feld konzentriert, wird ein Befehl ausgelöst, wie etwa das Wechseln des Kanals oder die Veränderung der Lautstärke. Die Gehirnströme werden über eine Haube mit Sensoren erfasst, und über die Augen und Hirnwellen werden die Befehle übermittelt.

Noch handelt es sich um einen Prototyp, wie Projektleiter Martin Biallas in einem Gespräch erklärte. Die Idee für die Kooperation mit Samsung sei dabei eher zufällig entstanden. Martin Kathriner von Samsung besuchte das "iHomeLab" und hatte dann die Idee für eine Kooperation, wie Biallas sagte. Bei der Erarbeitung des Prototyps hätten Techniker von Samsung das Projektteam unterstützt, sagte er. Sie hätten vor allem ihre Expertise über das Betriebssystem des Fernsehers eingebracht. Die Zusammenarbeit sei ohne Pro­bleme verlaufen. Auch seien keine grösseren Eingriffe in das OS nötig gewesen.

Einsatz unter realen Bedingungen

Eine Herausforderung war das Setting des Tests. Der Prototyp sollte nicht nur im abgeschirmten Labor funktionieren, sondern auch in einer realen Büroumgebung, was schliesslich auch gelungen sei, so Biallas. Er betonte jedoch, dass die Forschung in diesem Bereich noch in den Anfängen stecke. Es sei zunächst darum gegangen, Daten zu erheben. Der TV-Bildschirm sei erst am Ende des Versuchs hinzugekommen. Die Tester hätten sich im Anschluss jedoch positiv überrascht gezeigt, sagte Biallas.

Die längerfristige Vision sei es, dass sich mit dem Ansatz der HSLU eine ganze Reihe von neuen Steuerungsmöglichkeiten erschliessen liessen. Biallas nannte in diesem Zusammenhang die Beleuchtung einer Wohnung oder die Bedienung von Fenster oder Storen. Dabei gehe es jedoch nicht um das "Gedankenlesen", betonte er. Der Ansatz ähnle vielmehr der medizinischen Diagnostik. Denn über die Kappe würden nur die Signale aus gewissen Bereichen des Gehirns erfasst. Auch sei die Methode nichtinvasiv, was sie von anderen Ansätzen wie etwa Implantaten unterscheide. Der Ansatz des "iHomeLab" sei eher die eines EEGs (Elektroenzephalografen) im Spital.

Noch ist diese Brain-Computer-Interface-Technologie (BCI) nicht so praktikabel wie eine Fernbedienung. Ohne die Sensorhaube komme der Nutzer nicht aus. Langfristig sei es aber schon die Idee, dass der Nutzer die Fernsteuerung wie einen Kopfhörer aufsetze. Bis dahin sei jedoch noch einiges an Forschungsarbeit nötig. Biallas wollte sich nicht auf einen Zeitraum festlegen, bis eine solche Lösung Realität werden könnte. Er habe jedoch den Eindruck, dass man sich in Zukunft auf solche oder ähnliche Technolo­gien freuen könne. Dann könnten Menschen ihre favorisierte Form der Steuerung auswählen. Neben Sprach- oder Gestensteuerung werde BCI eine Alternative sein. Nun arbeite die Forschung daran, die Lösungen noch nutzerfreundlicher zu machen. Das Folgeprojekt sei im Planungsstadium, und zurzeit würden noch Partner gesucht, sagte Biallas.

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DPF8_105955

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