Übersicht über die Modelle

Das Einmaleins des Outsourcings

Uhr | Aktualisiert
von Thomas Rautenstrauch, Studiengangsleiter des Departments Business Analytics & Technology an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ)

Die Global Outsourcing Survey 2018 von Deloitte macht deutlich, dass sich der in vielen Branchen seit Jahren anhaltende Trend zum Outsourcing fortsetzt. Aber was bedeutet Outsourcing genau? Und wie unterscheiden sich die verschiedenen Formen wie Offshoring, Nearshoring und Onshoring? Eine Übersicht von Thomas Rautenstrauch.

Thomas Rautenstrauch, Studiengangsleiter des Departments Business Analytics & Technology an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). (Source: zVg)
Thomas Rautenstrauch, Studiengangsleiter des Departments Business Analytics & Technology an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). (Source: zVg)

Der omnipräsente Wettbewerbs- und Kostendruck und die zunehmende Digitalisierung des Geschäfts führen dazu, dass sich zahlreiche Schweizer Unternehmen unterschiedlicher Branchen seit einiger Zeit mit Reorganisationen auseinandersetzen. Dabei steht vielerorts die Suche nach Kostenoptimierung im Vordergrund, weshalb die Strukturen, Funktionen und Prozesse innerhalb der Organisation kritisch hinterfragt werden.

Während gewünschte Kosteneinsparungen anfangs vor allem im Kerngeschäft gesucht und umgesetzt wurden, liegt der Fokus mittlerweile vor allem auf den internen Unterstützungsprozessen und folgt damit scheinbar dem vom strategischen Management bekannten Credo des "Structure follows Strategy".

Grundlegendes Verständnis von Outsourcing

Wenn es in Unternehmen darum geht, Alternativen zur Optimierung der eigenen Leistungstiefe zu finden, Fixkosten-intensive Strukturen zu ändern oder einer volatilen Auslastung gerecht zu werden, liegt der Begriff Outsourcing nahe. Der auch als Auslagerung übersetzte Begriff stellt eigentlich eine Abkürzung für "Outside Resource Using" dar. Er bezeichnet eine Organisationsform, die seit Jahren im Trend ist und bei der interne Ressourcen oder ganze Funktionen und Prozesse an Drittunternehmen übertragen werden.

Da es sich beim Outsourcing um den Fremdbezug einer intern erbrachten Leistung handelt, kommt es im Unternehmen, das diese betriebliche Leistung outsourct, regelmässig zu einer Strukturänderung. Diese führt zu einer Freisetzung der eingesetzten Ressourcen, die bisher für die Eigenerstellung der Leistungen benötigt wurden. Kaum verwunderlich wird das Hauptmotiv für ein Outsourcing bei Unternehmen in Hochlohnländern vor allem in der Möglichkeit gesehen, Kosteneinsparungen durch die Verlagerung von Funktionen in Niedriglohnländer (sogenannte Lohnkostenarbitrage) zu realisieren.

Die Ausgaben für ICT-Services im Schweizer B2B-Markt beliefen sich 2018 auf 11,2 Milliarden Franken. 62 Prozent des gesamten ICT-Marktes entfallen auf Dienstleistungen. Der Rest verteilt sich auf Hardware, Software und Kommunikation, wie eine Studie von MSM Research zeigt.

Outsourcing als bewährte Form der Flexibilisierung bestehender Strukturen

Outsourcing ist alles andere als ein modernes Konzept der Betriebswirtschaftslehre, sondern basiert auf dem bestens bekannten Prinzip der Arbeitsteilung, das die Möglichkeit zur Steigerung der Arbeitsproduktivität durch die organisatorische Zerlegung einer Aufgabe oder eines Prozesses auf mehrere Beteiligte beschreibt. In seiner modernen Interpretation wurde es als Handlungsempfehlung zur Ausrichtung von Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen vor allem Konzernen und Grossunternehmen nahegelegt. Dies erfordert die Auslagerung von nicht wertvermehrenden Prozessen oder Aktivitäten auf externe Dienstleister, die als Outsourcing-Partner operativ und/oder strategisch ans ausgliedernde Unternehmen vertraglich gebunden werden.

Unterschiedliche Arten von Outsourcing

Die Art, Sourcing-Entscheidungen umzusetzen, hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Heute werden zahlreiche verschiedene Outsourcing-Formen unterschieden. Im Hinblick auf den Ort der Verlagerung wird zwischen On­shoring, Nearshoring und Offshoring unterschieden. Während beim Onshoring ein Outsourcing-Patner im Herkunftsland gewählt wird, ist beim Offshoring die Absicht, einen internationalen Zulieferer zu wählen. Eine Sonderform des Offshorings ist das Farshoring, bei dem ein Outsourcing-Partner in fernen Ländern zum Zuge kommt. Beliebte Länder mitteleuropäischer Unternehmen für ein Offshoring beziehungsweise Farshoring sind vor allem Indien oder ostasiatische Länder. Gerade beim Offshoring bildet die nachhaltige Senkung der Lohnkosten des eigenen Unternehmens ein zentrales Motiv.

Beim Nearshoring, einer Sonderform des Offshoring, besteht die Absicht, den Outsourcing-Partner zwar nicht im Inland jedoch in der "Nähe" zu wählen, wobei der Begriff Nähe sowohl geografisch als auch kulturell verstanden werden kann. Aus Sicht mitteleuropäischer Unternehmen werden für ein Nearshoring vor allem osteuropäische Standorte gewählt. Vor allem durch ein Nearshoring lassen sich Probleme vermeiden, die bei beim Offshoring in ferne Länder typischerweise auftreten, wie beispielsweise die Zeitverschiebung und damit zusammenhängende Erreichbarkeit, kulturelle Unterschiede oder Verständigungsschwierigkeiten.

Hinsichtlich des Umfangs des Sourcings beschreibt das Insourcing die Aufnahme einer neuen Aktivität innerhalb des Unternehmens, die bisher nicht vom Unternehmen übernommen wurde. Beim selektiven Outsourcing wird nur ein Teil eines Prozesses beziehungsweise einer Funktion an Zulieferer ausgelagert, während der Rest im Unternehmen verbleibt. Beim totalen Outsourcing (auch Full Outsourcing genannt) werden mindestens 80 Prozent oder mehr eines Prozesses oder einer Funktion auf einen aussenstehenden Zulieferer verlagert.

Aus Sicht der Outsourcing-Intensität unterscheidet man das Outtasking, bei dem lediglich einzelne Aufgabenbereiche auf Zulieferer ausgelagert und von diesen bezogen werden. Dabei handelt es sich gerade nicht um wertschöpfungsrelevante Kernaktivitäten des Unternehmens, sondern um Supportfunktionen, wie etwa die Lohnbuchhaltung, durch die keine Differenzierung von Wettbewerbern möglich ist. Im Unterschied dazu fällt unter das operative Outsourcing nicht nur die Auslagerung einer Funktion, sondern eines Geschäftsprozesses, wie die Auslagerung der Ausgangslogistik auf Zulieferer. Auch beim operativen Outsourcing handelt es sich regelmässig nicht um Kernaktivitäten beziehungsweise strategierelevante Kernkompetenzen des outsourcenden Unternehmens. Das strategische Outsourcing beschreibt dagegen die Übertragung von Kernaktivitäten oder Wertschöpfungsprozesse auf Drittunternehmen, wie etwa die Forschung und Produktentwicklung.

Die zuvor bereits erwähnte aktuelle Studie der amerikanischen Deloitte zeigt, dass das traditionelle Outsourcing immer mehr vom disruptiven Outsourcing abgelöst wird. Auf der Suche nach geeigneten Outsourcing-Lösungen geht es vielen Unternehmen heute weniger nur um Kosteneinsparung und Effizienz, sondern um die Erzielung von strategischen Wettbewerbsvorteilen. Während über Jahre vor allem Prozesse und Funktionen aus Backoffice-Bereichen ausgelagert wurden, soll Outsourcing heute neben der Einsparung von Kosten vor allem zur Beschleunigung von Innovationen, zu höherer Effektivität oder zur einer Ausweitung des Geschäfts führen. Die hierfür notwendigen Technologien, wie Cloud Computing, robotergestützte Prozessautomatisierung und andere eröffnen immer mehr Unternehmen die Möglichkeit, mit Outsourcing das eigene Geschäftsmodell neu auszurichten, womit auch der bestehende Outsourcing-Trend zurzeit einen sichtbaren Schub erhält.

Thomas Rautenstrauch hat Betriebswirtschaft an der Universität Göttingen studiert, wo er auch doktorierte. Während Rautenstrauch seine Dissertation zu wissensbasierten Systemen im Bereich Wirtschaftsinformatik verfasste, war er aus­serdem bei Ernst & Young im Bereich Wirtschaftsprüfung tätig. Anschliessend war er einige Jahre bei Continental für das Corporate Controlling zuständig. Seit knapp 20 Jahren publiziert Rautenstrauch Texte als Fachautor und ist Dozent an verschiedenen Fachhoch­schulen.

Webcode
DPF8_123466

Kommentare

« Mehr