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Die Luzerner Kantonalbank als First Mover beim Crowdfunding

Uhr | Aktualisiert
von Elsbeth Bruderer

Die Luzerner Kantonalbank will sich im Rahmen ihrer Unternehmensstrategie 2020@LUKB in eine digitale Bank transformieren. Dafür lancierte sie digitale Initiativen wie etwa die Crowdfunding-Plattform funders.ch, auf der KMUs Risikokapital erhalten können. Ein E-Bike-Start-up sammelte so über 230 000 Franken ein.

Daniel Salzmann, CEO, 
Luzerner Kantonalbank
Daniel Salzmann, CEO, 
Luzerner Kantonalbank

Die Digitalisierung in der Finanzindustrie hat auch die etablierten Finanzinstitute längst erfasst. Eine Bank, die den schnell ändernden Markt mitgestalten will, ist die Luzerner Kantonalbank (LUKB). Schon vor drei Jahren lancierte sie mit funders.ch eine Crowdfunding-Plattform, um Projektstarter wie Erfinder, Kreative, Start-ups, KMUs, Vereine und gemeinnützige Organisationen mit Investoren zu verbinden. 
Funders.ch begann damals mit sogenanntem Crowdsupporting (siehe Kasten Crowdsupporting), bei dem die gesprochenen Geldbeträge nicht zurückerstattet werden, die Unterstützer jedoch eine materielle Gegenleistung erhalten. 

Die Online-Identifizierung 
der Kunden gehört zur Zukunft 
des Bankings .

Daniel Salzmann, CEO, 
Luzerner Kantonalbank

Vor einem Jahr erweiterte die LUKB funders.ch und bot als erste Bank auch Crowdlending (siehe Kasten Crowdlending) in der Schweiz an – die Kreditgewährung mittels Schwarmfinanzierung. Anleger stellen Unternehmern Kredite zur Verfügung. Als Gegenleistung erhalten die Anleger den Kreditbetrag zuzüglich Zinsen zurück.

Erfolgreich finanziertes Projekt

Ein Beispiel für eine solche erfolgreiche Schwarmfinanzierung ist das Start-up Aureus Drive, das schnelle E-Bikes entwickelt und via funders.ch bereits über 230 000 Franken einsammelte und so in seine zukünftige Entwicklung investierte.
Für die LUKB ist die Crowdlending-Erweiterung ebenfalls eine Investition in die Zukunft, betont der LUKB-CEO Daniel Salzmann: «Wir schliessen nicht aus, dass Crowdlending langfristig einen Teil unseres KMU-Kreditgeschäfts substituieren wird. Deswegen möchten wir bereits heute in diesem Bereich Erfahrungen sammeln – und bereit sein, wenn es darauf ankommt.»
Funders.ch ist für die LUKB aber mehr als nur eine Crowdfunding-Plattform. Sie ist auch ein Versuchsfeld, um Neues im Markt zu testen. So führte die LUKB auf funders.ch etwa die automatisierte Online-Identifikation ein, mit der Nutzer sich online identifizieren und direkt in Crowdlending-Projekte investieren können. Der Gang zum Bankschalter für die Identifizierung entfällt somit. «Diese Form der Interaktion mit unseren Kunden gehört auch zur Zukunft des Bankings. Dank der Online-Identifikation lernen wir bereits heute, worauf wir bei der elektronischen Identifikation achten müssen», so Salzmann.
Auch ist die LUKB seit Oktober 2018 Mitglied des Konsortiums SwissSign Group, das sich zur Aufgabe gemacht hat, in der Schweiz die breit abgestützte elektronische Identität SwissID einzuführen. Die SwissID wird auf funders.ch im Juni 2019 implementiert.
Die Investition in weitere digitale Initiativen ist denn auch fester Bestandteil der Unternehmensstrategie 2020@LUKB, womit sich die Bank mittelfristig digital transformieren will. Die Luzerner Kantonalbank möchte etwa mehr Betreuungszeit für die Kundenberatung schaffen, die Effizienz steigern und setzt dafür auf digitale Angebote kombiniert mit hohem Komfort und gelebter Kundennähe.

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Crowdfunding

So funktioniert Crowdsupporting
Beim Crowdsupporting finanziert eine Vielzahl von Personen (die Crowd) gemeinsam eine Idee, ein Projekt oder ein Vorhaben eines Starters (Projektinitiator). Der Starter beschreibt sein Projekt in einem Video, mit Bildern oder mit Texten. Zudem legt er sein Finanzierungsziel, die Laufzeit seiner Kampagne und die Gegenleistungen fest. Alle, die den Starter bei der Verwirklichung seiner Idee helfen möchten, können ihn finanziell unterstützen. Als Dank für ihre Unterstützung können sich die Funder ihre Gegenleistung (z. B. das fertige Produkt) auswählen oder die Idee unentgeltlich unterstützen. Kommt die Finanzierung zustande, fällt für die Starter eine einmalige Vermittlungsgebühr von 7% des Fundingbetrages an.

So funktioniert Crowdlending
Beim Crowdlending gewährt eine Vielzahl von Personen einem Unternehmen einen Kredit für die Umsetzung eines Vorhabens. Der Starter (Projektinitiator) beschreibt sein Vorhaben und den Kreditzweck. Ausserdem legt er den maximalen Zinssatz fest. Funder, die den Starter unterstützen möchten, geben einen Kreditbetrag sowie ihren individuell erwarteten Kreditzinssatz als Gebot ab. Ist die angestrebte Finanzierungssumme erreicht, erhält der Starter das gesuchte Kapital. Übersteigen die Gebote die gesuchte Finanzierungssumme, erhalten die für den Starter besten Gebote den Zuschlag (Auktionsverfahren). Kommt die Finanzierung zustande, fallen für die Kreditsucher und -geber je eine einmalige Vermittlungsgebühr von 0,8 % des erhaltenen (Starter) bzw. gesprochenen (Funder) Kreditbetrags an. Kommt eine Finanzierung nicht zustande, so entstehen weder für Starter noch für Funder Kosten.

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Über die LUKB

Die 1850 gegründete Luzerner Kantonalbank AG (LUKB) ist mit rund 1000 Mitarbeitenden die führende Bank im Kanton Luzern. Sie betreibt insgesamt 26 Geschäftsstellen, eine davon in Zürich, und gehört zu den grössten Schweizer Kantonalbanken. Zu ihren Kerngeschäftsfeldern gehören die Immobilien- und Unternehmensfinanzierung, die Vorsorge sowie die Vermögensberatung und -verwaltung. (Quelle: LUKB)

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