Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz

Druck und Stress setzen Arbeitnehmern immer mehr zu

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Erwerbstätige leiden häufiger unter psychosozialen Belastungen als vor sieben Jahren. 12 Prozent der Schweizer fühlen sich am Arbeitsplatz gestresst. Bei den unter 30-Jährigen sind es gar 25 Prozent. Was Mitarbeiter und Arbeitgeber gegen die Belastungen unternehmen können, verrät Psychologin Rebecca Saladin.

Rebecca Saladin, Psychologin und Co-Leiterin der Beratungs- und Schlichtungsstelle, UHZ (Source: Brüderli Longhini) Frank Brüderli Zentralstrasse 37 CH 8003 Zürich www.bruederlilonghini.ch)
Rebecca Saladin, Psychologin und Co-Leiterin der Beratungs- und Schlichtungsstelle, UHZ (Source: Brüderli Longhini) Frank Brüderli Zentralstrasse 37 CH 8003 Zürich www.bruederlilonghini.ch)

Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz haben zugenommen. Zu diesem Schluss kommt die Schweizerische Gesundheitsbefragung. 2017 waren gemäss Erhebung 50 Prozent der Erwerbstätigen von mindestens drei Typen psychosozialer Belastungen betroffen. Das entspricht einer Zunahme von 4 Prozentpunkten gegenüber 2012. Das Wachstum sei auf die gestiegene Anzahl Personen, die Stress erlebten oder Angst um ihren Arbeitsplatz hätten, zurückzuführen. In beiden Bereichen stieg die Anzahl um 3 Prozentpunkte – beim Stress von 18 auf 21 Prozent und bei der Angst um den Arbeitsplatz von 13 auf 16 Prozent. Bei den unter 30-Jährigen stieg der Anteil an Personen, die unter Stress leiden, von 19 auf 25 Prozent.

Höheres Burn-out-Risiko

Gemäss Befragung weist knapp die Hälfte der oft gestressten Personen ein höheres Burn-out-Risiko auf, da sie sich bei der Arbeit emotional erschöpft fühlen. Zwischen den Geschlechtern zeigen sich nur kleine Unterschiede. Während mit 53 Prozent mehr Männer angaben, häufig unter Zeitdruck zu stehen (bei den Frauen waren es 50 Prozent), sind Frauen häufiger Opfer von Diskriminierung oder Gewalt.

Im August eröffnete die Universität Zürich (UZH) eine Beratungs- und Schlichtungsstelle. Über Probleme, Belastungssituationen sowie Konflikte am Arbeitsplatz können sich die UZH-Mitarbeitenden dort mit Rebecca Saladin und Marc Seematter austauschen. Psychologin Saladin rät Erwerbstätigen Folgendes, um Stress und emotionale Erschöpfung zu verhindern:

  • Eine bewusste Trennung von Freizeit und Arbeit in puncto Erreichbarkeit

  • Eine ausgewogene Work-Life-Balance mit Bewusstsein darüber, wie man sich in der Freizeit individuell am besten von der Arbeit erholt

  • Genügend Schlaf

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden unschärfer

Bei der Arbeit seien Pausenzeiten, Prioritätensetzung und die Fähigkeit, sich abzugrenzen, wichtig. Ausserdem helfe die Pflege von bereichernden sozialen Kontakten am Arbeitsplatz, emotionaler Erschöpfung vorzubeugen. Laut Saladin hängen die zunehmenden psychosozialen Belastungen unter anderem mit der Digitalisierung zusammen. "Die Digitalisierung hat direkte Auswirkungen auf die Dauer von Prozessen und Abläufen bei der Arbeit. Technische Neuerungen in zunehmend kürzer werdenden Zeitabständen erfordern von den Arbeitnehmern einen flexiblen Umgang mit Veränderungen", sagt sie. Zusätzlich würden die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit dadurch unschärfer, dass viele heute fast ständig erreichbar seien oder sein müssten.

Arbeitgeber können Mitarbeiter unterstützen

Auch Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter unterstützen, damit sie nicht unter unnötigen Belastungen leiden. Saladin rät dazu, dass sich Arbeitgeber zu einer gesundheitsfördernden Unternehmenskultur verpflichten. "Eine gute, ressourcenorientierte Führung steht im Einklang mit einer gesunden Selbstführung. Das heisst, sowohl das Management wie auch die Vorgesetzten sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und leben diese im Arbeitsalltag."

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