Postulat von AL, SP und Grünen

Drei Parteien wollen digitale Werbebildschirme aus Zürich verbannen

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von Leslie Haeny und cka

Digitale Werbebildschirme sollen aus der Stadt Zürich verschwinden - zumindest wenn es nach der AL, SP und den Grünen geht. Die Parteien fordern in einem entsprechenden Postulat, dass die Bildschirme ausser Betrieb genommen und weitergegeben oder umweltschonend entsorgt werden.

(Source: zVg)
(Source: zVg)

Die Parteien  AL, SP und Grüne wollen digitale Werbebildschirme aus der Stadt Zürich verbannen. Sie fordern laut "Tagesanzeiger" (Paywall), dass die Stadt digitale Werbeflächen und Leuchtdrehsäulen zum frühest möglichen Zeitpunkt ausserbetrieb nimmt. Die Bildschirme sollen anschliessend umweltschonend entsorgt oder weitergegeben werden. 

Die Parteien begründen ihre Forderung dadurch, dass sich die Stadt Zürich zu den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft und dem Netto-null-Ziel bis 2040 bekenne. Diese sehen vor, dass Zürich Energie und Ressourcen nachhaltig und global gerecht nutz, sowie bis 2040 klimaneutral wird. Mit dem Abbau der Werbescreens lasse sich der Stromverbrauch reduzieren. Laut "Tagesanzeiger" merken die Parteien zudem an, dass sich durch Werbung im öffentlichen Raum der Konsum von Privatpersonen erhöhe, was dem Klima ebenfalls schade. Darum sollen die digitalen Anzeigen auch nicht durch analoge Werbung ersetzt werden.

Sollten die Forderungen der Parteien Anklang finden, dürfte dies vor allem Clear Channel treffen. Das Hünenberger Unternehmen, das nun der TX Group gehört, betreibt in Zürich die meisten digitalen Werbescreens. Gegenüber "Toponline" sagt Clear Channel, dass die Auswirkungen einschneidend wären. Käme ein Verbot zustande, müsste das Unternehmen auf analoge Werbeflächen ausweichen oder mehr Werbeflächen auf Privatgrund kaufen.

Auch den Digital-out-of-Home-Spezialisten APG SGA dürfte ein etwaiges Verbot treffen. Zudem müssten Werbetreibende wie Migros, Coop, Swisscom, Salt, Edelweiss und Co., die häufig über digitale Werbeflächen in der Stadt Zürich auf sich aufmerksam machen, sich ebenfalls Gedanken über Alternativen machen. 

Vom Ausbau-Stopp zum Rückbau 

Wie der "Tagesanzeiger" weiter schreibt, hatte der Zürcher Gemeinderat vor wenigen Monaten entschieden, den Ausbau digitaler Werbescreens zu stoppen. Das Parlament habe ein entsprechendes Postulat der SP, der Grünen und der AL mit 62 zu 57 Stimmen an den Stadtrat überwiesen. Damals hiess es noch, dass lediglich keine neuen digitalen Werbeflächen entstehen sollten, ein Rückbau von den drei Parteien aber nicht gefordert werde.

In Zürich wären rund 450 digitale Werbeflächen von einem Rückbau betroffen. Die Stadt nehme pro Jahr etwa 25 Millionen Franken mit Plakatwerbung ein. Dies seien substanzielle Einnahmen, die vor allem den VBZ und damit dem öffentlichen Verkehr zugutekämen, bezieht sich der "Tagesanzeiger" auf Stadtrat André Odermatt (SP). Laut Odermatt bringen die digitalen Werbeanzeigen rund 50-mal mehr Einnahmen als analoge Werbung. 

Dominik Waser (Grüne) argumentiere hingegen damit, dass die digitalen Werbeträger rund 750 Kilowattstunden in der Herstellung verbrauchten und man bis zu 600 Millionen Kaffeetassen mit dem Energieverbrauch der Screens erhitzen könnte. 

Wie und dass Digital Signage und Nachhaltigkeit durchaus zusammenspielen können, war Thema an der Digital Signage Roadshow von Ceconet. Mehr zum Event, an dem auch Epson, Vestel und Navori Labs ihre Lösungen vorstellten, lesen Sie hier.

Nachhaltigkeit war auch an der diesjährigen ISE, der Leitmesse für Digital Signage und Pro-AV, ein grosses Thema. Was die einzelnen Hersteller unternehmen, damit ihre Produkte weniger Strom nutzen und deren Umweltbelastung geringer wird, lesen Sie hier im Dossier zur ISE 2023.  

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