Statement von Thomas Jacobsen, Infomaniak

"Die Schweiz hat einen Trumpf"

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Die Schweiz verfügt über gute Voraussetzungen, um sich als Standort für souveräne Cloud- und KI-Infrastrukturen zu positionieren. Wie, erklärt Thomas Jacobsen, Sprecher von Infomaniak.

Thomas Jacobsen, Sprecher von Infomaniak. (Source: zVg)
Thomas Jacobsen, Sprecher von Infomaniak. (Source: zVg)

Welche Entwicklungen haben derzeit den grössten Einfluss auf den Cloud-Markt?

Thomas Jacobsen: Digitale Souveränität ist nicht mehr theoretisch, sondern ein konkretes Betriebsrisiko. Im August 2025 wurden dem von Washington sanktionierten Richter Nicolas Guillou wegen seiner Rolle bei Haftbefehlen durch den Internationalen Strafgerichtshof IStGH sämtliche US-Digitaldienste entzogen. Der IStGH musste Microsoft Office durch die Open-­Source-Alternative OpenDesk ersetzen. Es steht viel auf dem Spiel: Jährlich fliessen 264 Milliarden Euro aus Europa an US-Anbieter ab. Europa strukturiert seine Antwort mit dem Ende 2025 veröffentlichten Cloud Sovereignty Framework, und Gartner erwartet eine Verdreifachung des europäischen Markts für souveräne Clouds auf 23 Milliarden Dollar bis 2027.

Welche Bedeutung hat der Cloud-Standort Schweiz?

Die Schweiz hat einen seltenen Trumpf: durchgängig souveräne Anbieter mit starkem Wachstum. Denn Datenlokalisierung allein genügt nicht: Hängt die Software von einer ausländischen Jurisdiktion ab, bleiben die Daten extraterritorialem Recht ausgesetzt. Echte Souveränität heisst, die ganze Kette zu beherrschen: Sitz, Stimmrechte, Infrastruktur, Personal, prüfbare Komponenten, Reversibilität. Infomaniak erfüllt alles: eigene Rechenzentren, offene Public Cloud auf OpenStack, Stimmrechte gesichert durch unsere gemeinnützige Stiftung. Die Herausforderung ist politisch: Wie das an die EU-DSGVO angeglichene revDSG den Datenfluss bewahrte, muss der Schweizer Rahmen einsatzfähig und mit Europa interoperabel werden, sonst droht unseren Anbietern der Ausschluss vom europäischen Markt.

Welche Rolle werden KI-Workloads in der Zukunft der IT-Infrastruktur spielen?

KI-Workloads werden zu einem Motor der künftigen IT-Infrastruktur: Sie richten sie neu auf Rechenleistung aus und rücken die Souveränität ins Zentrum. An KI-Konferenzen ist das Bewusstsein da: Geschäftsdaten einer US-KI anzuvertrauen, ist ein echtes Problem. Infomaniak antwortet mit einer souveränen, unabhängigen Infrastruktur: GPU on demand, Open-Source-Modelle über eine OpenAI-kompatible API – darunter das Schweizer Modell Apertus – und bald ein Managed Service für massgeschneiderte KI-Infrastruktur.

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