"Wer wachsen will, muss sichtbar sein"
Der Schweizer Onlinehandel wächst – und mit ihm der Druck aus dem Ausland. Schweizer Händler müssen mit Service kontern, sagt Andreas Kundert, Head of B2B bei Digitec Galaxus.
Welche Veränderungen prägen den Schweizer Onlinehandel derzeit am stärksten?
Andreas Kundert: Der Schweizer Onlinehandel wächst. Vergangenes Jahr waren es 6 Prozent, aktuell eher mehr. Davon profitieren vor allem grössere Marktplätze und Generalisten wie Digitec Galaxus. Wir wachsen schneller als der Markt und prägen ihn dadurch stärker. Gleichzeitig nimmt in der Nische und im Bereich Fashion der Druck durch asiatische Anbieter massiv zu. Nicht nur über den Preis, sondern auch über die Breite des Sortiments. Wer die digitale Transformation noch nicht abgeschlossen hat, für den wird die Luft dünner.
Wie können sich Schweizer Onlinehändler heute im Wettbewerb differenzieren?
Wer wachsen will, muss sichtbar sein. Ausländische Shops erreichen das mit riesigen Marketingbudgets. Schweizer Händler müssen das über Service kompensieren – über Verfügbarkeit, funktionierende Prozesse, Transparenz und Vertrauen. Wir zeigen bei Digitec Galaxus Preisentwicklung, echte Bewertungen und Retourenquote. Das schafft Verbindlichkeit, die ein Händler auf einer asiatischen Plattform nicht bieten kann. Wir investieren auch gezielt in den After-Sales-Bereich. Wenn ein Produkt defekt ankommt, bekommt der Kunde zügig eine Lösung statt eines Chatbots in Übersee. Gleichzeitig entwickeln wir unser Geschäftsmodell weiter mit einer Wiederverkaufsplattform und einem Angebot für Mobilfunk, Internet und TV. Näher am Kunden als jeder andere Anbieter in der Schweiz.
Welche Rolle spielen Automatisierung, Plattformen und KI künftig im E-Commerce?
Viele reden über KI im E-Commerce. Die grösste Wirkung entfaltet sie aber noch nicht beim Kunden, sondern im Back-End – bei Sortimentssteuerung, Logistikplanung oder Betrugserkennung. Neu nutzen wir LLM-Modelle, um Lieferantenrechnungen automatisiert zu verarbeiten, die Erfolgsquote liegt bei nahezu 100 Prozent. Das funktioniert, weil wir seit Jahren Systeme und Daten kontrollieren. Mein Rat an kleinere Firmen: Eine saubere Datenarchitektur aufbauen, System- und Datenhoheit sichern und Prozesse skalierbar machen. Ohne dieses Fundament ist jede KI-Initiative Geldverschwendung.
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