Update: Anthropic zieht öffentlicher Mythos-KI den Stecker
KI-Entwickler Anthropic hat im Juni 2026 erstmals ein Mythos-Modell für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Doch nur wenige Tage nach Veröffentlichung von Claude Fable 5 musste Anthropic die KI wieder vom Netz nehmen. Grund ist eine Anordnung der US-Regierung.
Update vom 15.06.2026: Die Tage von Claude Fable sind fürs Erste bereits wieder gezählt. Anthropic nahm seine öffentlich zugängliche, funktionseingeschränkte Version seines KI-Modells Mythos nur wenige Tage nach Veröffentlichung vom Netz.
Der KI-Entwickler folgte damit einer behördlichen Exportkontrollverordnung. Die US-Regierung erliess diese unter Berufung auf nationale Sicherheitsbehörden, wie Anthropic mitteilt. Laut der Verordnung muss Anthropic den Zugriff auf Fable 5 und Mythos für Nicht-US-Staatsbürger sperren, egal, ob sich diese in den USA oder im Ausland aufhalten. Die Sperre gelte auch für ausländische Anthropic-Mitarbeitende, fügt das Unternehmen hinzu. Um diese Anordnung einhalten zu können, müsse man "Fable 5 und Mythos 5 für alle unsere Kunden unverzüglich deaktivieren". Der Zugriff auf alle anderen Modelle von Anthropic bleibe davon unberührt.
Zwar nannten die Behörden zunächst keine spezifischen Gründe für ihre Exportdirektive, wie Anthropic weiter schreibt. Die Regierung dürfte wohl vermuten, dass sich die Einschränkungen des KI-Modells mittels Jailbreak aushebeln lassen, glaubt der Entwickler.
Dass dem so sein könnte, glaubt unter anderem auch das "Wallstreet Journal" (Paywall). Unter Berufung auf anonyme, "mit der Angelegenheit vertraute" Quellen berichtet das Portal, Amazon-CEO Andy Jassy habe hochrangige US-Regierungsbeamte über einen mutmasslichen Mythos-Jailbreak informiert.
"Heise" zitiert überdies einen auf X veröffentlichten Beitrag von Tech-Investor David Sacks, dem Co-Vorsitzenden des Beraterstabs des US-Präsidenten für Wissenschaft und Technologie. Laut seinem Narrativ wurde Anthropic über den möglichen Jailbreak informiert, weigerte sich aber, die entsprechende Schwachstelle zu beheben. Die US-Verwaltung habe danach "widerwillig" die Sperrverfügung ausgestellt und hoffe nun, dass Anthropic die Guardrails von Fable und Mythos verbessere.
In seiner Mitteilung schreibt Anthropic, die vermeintliche Jailbreak-Methode habe die Fable-KI lediglich dazu gebracht, "eine geringe Anzahl bereits bekannter Schwachstellen zu identifizieren". Gleiches sei auch mit vielen weiteren, kommerziell erhältlichen KI-Modellen möglich.
Die Fable-Sperre beschäftigt auch die Europäische Union. "Wir sind der Ansicht, dass in diesem Zusammenhang getroffene Notfallmassnahmen keine Diskriminierung von Partnern darstellen sollten", zitiert "Reuters" Kommissionssprecher Thomas Regnier. Man prüfe die Auswirkungen entsprechender Massnahmen für Bürgerinnen und Bürger der EU genau. Die Entwicklung sei "ein weiteres Beispiel dafür, warum Europa seine technologische Souveränität stärken muss", fügt Regnier hinzu.
Originalmeldung vom 10.06.2026:
Anthropic veröffentlicht eingeschränktes KI-Modell der Mythos-Klasse
Anthropic veröffentlicht mit Claude Fable 5 eine eingeschränkte Version von Claude Mythos. Damit macht der KI-Entwickler erstmals ein Modell der Mythos-Klasse für User ausserhalb der exklusiven Project-Glasswing-Gruppe zugänglich. Fable 5 ist stärker als jedes andere allgemein verfügbare KI-Modell von Anthropic, wie der OpenAI-Konkurrent schreibt. Deshalb seien Sicherheitsmechanismen eingebaut, die verhindern sollen, dass das Modell etwa von Cyberkriminellen missbraucht werde.
So sind laut Mitteilung bestimmte Themen festgelegt, zu denen sich Fable 5 nicht äussern darf. Bei Prompts zu diesen Themen komme die Antwort hingegen von Claude Opus 4.8, dem nächst schwächeren Modell. Die Sicherheitsmechanismen sind aktuell eher konservativ eingestellt, wie Anthropic weiter schreibt. So sollten sie alle gefährlichen Prompts erwischen, könnten aber auch mal bei einer harmlosen Anfrage greifen. Insgesamt würden die Safeguards jedoch in weniger als 5 Prozent der Sitzungen aktiviert.
Mitglieder von Anthropics Cybersecurity-Initiative Project Glasswing erhalten gemäss Mitteilung gleichzeitig Zugang zu Claude Mythos 5. Das Modell sei grundsätzlich identisch mit Fable 5, verfüge jedoch über weniger Sicherheitsmechanismen. Zusätzlich zu den Anwendungen in der Cybersicherheit wolle Anthropic das Modell auch für Institutionen im Bereich der biomedizinischen Forschung verfügbar machen.
Laut Anthropic können Fable 5 und Mythos 5 länger autonom arbeiten als alle bisherigen Claude-Modelle. Die internen Tests hätten zudem Verbesserungen bei analytischen Aufgaben, Bilderkennung und Erinnerungsvermögen festgestellt.
Übrigens: Anthropic gab kürzlich bekannt, dass 150 Organisationen aus 15 Ländern - darunter auch die Schweiz - neu Teil von Project Glasswing werden. Das KI-Unternehmen will insbesondere mit Betreibern kritischer Infrastrukturen zusammenarbeiten, wie Sie hier lesen können.
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