Lösung von Deeplink

Waadtländer Polizei entwirft ihre Berichte mit KI

Uhr
von Alexia Muanza und Übersetzung: René Jaun, nki

Die Polizei der Waadtländer Region Morges arbeitet neu mit einem KI-Tool des Westschweizer Unternehmens Deeplink. Basierend auf den bei Polizeieinsätzen gesammelten Daten entwirft es Einsatzprotokolle und Berichte, die die Beamtinnen und Beamten überprüfen und freigeben.

(Source: Deemerwha Studio/AdobeStock)
(Source: Deemerwha Studio/AdobeStock)

In Morges (VD) erstellt eine künstliche Intelligenz Entwürfe von Polizeiberichten. Seit Frühling 2026 müssen die rund 50 Polizisten der Police Région Morges (PRM) "Trinity" nutzen, ein vom Waadtländer Unternehmen Deeplink massgeschneidert entwickeltes Tool, wie die "Tribune de Genève" und "24 heures" (Paywall) berichten.

Für seine Textvorschläge nutzt das System unter anderem die Informationen, welche die Einsatzzentrale während eines Einsatzes im Minutentakt protokolliert. Die Polizisten können diese Daten mit Sprachkommentaren oder Fotos ergänzen. So könne beispielsweise ein am Unfallort aufgenommenes Foto verwendet werden, um die Beschreibung des Einsatzes zu vervollständigen, heisst es im Bericht.

Die Polizistinnen und Polizisten können dem Tool auch fragen stellen, um etwa einen bestimmten Artikel des Strafgesetzbuches oder eines kommunalen Reglements zu ermitteln. Trinity unterstützt somit sowohl das Verfassen von Berichten als auch die rechtliche Einordnung von Verstössen.

Trinity läuft in isoliertem Netzwerk

Angesichts der Sensibilität der verarbeiteten Daten sichert die PRM das System ab, wie es weiter heisst. PRM-Kommandant David Stauffer erklärt, Trinity sei "von Grund auf" und "vollständig abgeschottet" entwickelt worden und werde in einem vollständig geschlossenen Netzwerk betrieben.

Die generierten Texte werden nicht automatisch weitergeleitet. Die PRM betont, dass die Polizisten diese systematisch gegenlesen und insbesondere die in den Anzeigen angeführten Gesetzesbestimmungen überprüfen. Anschliessend unterzeichnet der Polizist das Dokument und bleibt dessen Verfasser. Laut Stauffer hat eine intern durchgeführte rechtliche Analyse keine gesetzlichen Hindernisse für den Einsatz von KI zur Erstellung solcher Berichte ergeben.

"Es ist der Polizist, der unterschreibt und der Verfasser des Berichts ist. Es kommt nicht infrage, dass ein Polizist vor einem Richter erklärt, die KI habe den Bericht geschrieben und nicht er selbst, betont der Kommandant gegenüber der Zeitung.

Zeitersparnis als Ziel

Wie die Westschweizer Tageszeitungen weiter berichten, soll das KI-System insbesondere den administrativen Aufwand reduzieren. Dieser könne laut David Stauffer bis zu 40 bis 50 Prozent der Arbeitszeit der Polizisten ausmachen. Ursprünglich wollte die Polizei mit dem Projekt etwa 10 Prozent des Zeitaufwandes einsparen. Tatsächlich könne ein Einsatzprotokoll, dessen Erstellung zuvor bis zu 30 oder 45 Minuten dauerte, nun doppelt so schnell oder sogar noch schneller verfasst werden, schätzt Nicolas Bulliard, Leiter der Einheit für Empfang und Einsatzunterstützung.

Die PRM erwägt bereits, den KI-Einsatz auf die Transkription von Einvernahmen auszuweiten. Die Kantonspolizei Waadt setzt ihrerseits KI ein, um Videoeinvernahmen automatisch zu transkribieren, wobei die Ergebnisse von Menschen überprüft werden. Ausserdem nutzt sie Bilderkennungssoftware im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet. In Lausanne führt die Stadtpolizei lediglich punktuelle Tests zur Transkription von Einvernahmen durch.

 

KI war auch eines der Hauptthemen am diesjährigen Schweizerischen Polizeiinformatikkongress (Spik). Dort ging es ausserdem um ein entstehendes Notfunksystem und um die Konsequenzen eines sehr bekannten Cyberangriffs. Hier geht’s zum Eventbericht.

Wenn Sie mehr zu Cybercrime und Cybersecurity lesen möchten, melden Sie sich hier für den Newsletter von Swisscybersecurity.net an. Auf dem Portal lesen Sie täglich News über aktuelle Bedrohungen und neue Abwehrstrategien.

Webcode
YnAVxKsQ