Der weltweite PC-Markt bricht um einen Fünftel ein
Die Anzahl ausgelieferter PCs ist im dritten Quartal 2026 um rund einen Fünftel im Jahresvergleich zurückgegangen gemäss Zahlen von IDC, Omdia und Gartner. Bei den Ursachen sind sich die Marktforscher einig; beim Ausblick gehen die Meinungen jedoch auseinander.
Der Abwärtstrend im PC-Markt hat sich auch im dritten Quartal 2026 fortgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Auslieferungen um über 20 Prozent zurück gemäss den Marktforschern IDC, Omdia und Gartner.
Während der Markt laut IDC einen Rückgang von 20,1 Prozent verzeichnet, sehen Omdia (minus 21,2 Prozent) und Gartner (minus 22,4 Prozent) die Situation leicht pessimistischer. Grund für die Abweichungen bei den Zahlen der Marktforscher sind deren unterschiedliche Datensätze: Die Anzahl Auslieferungen beträgt zwischen 55,4 Millionen (Gartner), 58,1 Millionen (Omdia) und 62,7 Millionen ausgelieferten Geräten (IDC).
IDC hebt hervor, dass es zusätzlich zum Rückgang im Vergleich zum Vorjahr auch einen Rückgang von 9,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal des laufenden Jahres gab. Damit breche der Markt das Muster der vergangenen Jahre, in denen das dritte Quartal jeweils stärker ausfiel als das zweite. Laut Gartner ist der PC-Markt sogar auf das Niveau des ersten Quartals 2023 zurückgefallen.
Überschüssige Lagerbestände
Die drei Marktforscher sind sich zudem in einer weiteren Sache einig: Steigende Preise für PC-Komponenten sind die Ursache des Rückgangs. Wie genau diese Preisanstiege sich auf den Markt ausgewirkt haben, erklären die Marktforscher unterschiedlich.
Laut IDC habe die Aussicht auf steigende Preise bei den Herstellern und Händlern im ersten Halbjahr zu vorgezogenen Einkäufen geführt. Diese grösseren Bestände baue man jetzt ab. Die Preiserhöhungen gehen laut IDC auf höhere Speicherkosten zurück, die mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren zusammenhängen.
Wie IDC sieht auch Omdia vorgezogene Käufe in den vorherigen Quartalen als ausschlaggebenden Grund. Der Rückgang komme daher nicht überraschend, da Händler und Hersteller aufgrund der steigenden Durchschnittspreise bereits mit einem zweistelligen Rückgang gerechnet hätten, schreibt Omdia.

Engpässe bei Arbeits- und Datenspeichern sowie Prozessoren und Grafikkarten verschärfen die Lage laut Omdia zusätzlich. Insgesamt seien die Materialkosten von PCs über alle Komponenten und Preissegmente hinweg um mehr als 40 Prozent gestiegen. Besonders die Preiserhöhungen für Dynamic Random Access Memory (DRAM) und Solid-State-Drives (SSDs) seien inzwischen vollständig bei den Endkunden angekommen. Das habe die Hersteller im dritten Quartal dazu veranlasst, ihre Produktion zu drosseln.
Gartner stimmt zu, dass die steigenden Preise für DRAM und SSDs, die sich verfünffacht hätten, der grösste Faktor für das sinkende Liefervolumen seien. Anders als IDC und Omdia sieht Gartner aber nicht den Abbau überschüssiger Lagerbestände als Grund für den Rückgang. Der US-amerikanische Marktforscher begründet den Rückgang der Lieferungen mit dem fehlenden Angebot bestimmter PC-Komponenten.
Ebenso gab es gemäss Gartner einen allgemeinen Umstieg auf teurere PC-Konfigurationen. Dadurch seien günstigere Geräte weniger verfügbar und Ersatzteile weniger erschwinglich geworden. Derweil habe sich der Fokus der Unternehmen von herkömmlichen PCs auf gezielte Investitionen in Workstations oder KI-PCs verschoben.
Auswirkungen überall gleich
Trotz verschiedener Datensätze und gezählter Stückzahlen kommen alle drei Marktforscher zu ähnlichen Schlüssen, was die Rückgänge der Lieferungen und Marktanteile der fünf grössten PC-Hersteller angeht. Allen drei Marktforschern zufolge bleibt die Rangliste trotz zweistelliger Einbussen unverändert.
Lenovo bleibt Marktführer mit rund 14,9 Millionen ausgelieferten Geräten - trotz eines Rückgangs von rund 20 Prozent. Gartner zufolge ist der Tech-Konzern aufgrund seiner Lieferkette und seines breiten KI-Portfolios an der Spitze geblieben. HP verzeichnet mit rund 10 Millionen ausgelieferten Geräten und einem Minus von etwa 31 Prozent den stärksten Rückgang unter den Herstellern. Dies ist laut Gartner auf die hohe Preissensibilität der Kunden zurückzuführen.
Bei Apple weichen die Auslieferungszahlen der drei Marktforscher stark voneinander ab. Alle verzeichnen jedoch trotz sinkender Lieferungen einen wachsenden Marktanteil. Bei Omdia begründet man diesen mit der Premium-Position der Apple-PCs, während Gartner ihn auf die Stärke der Macbook-Serie zurückführt.
Prognosen unterschiedlich optimistisch
Bei der prognostizierten Entwicklung des PC-Marktes gehen die Meinungen von IDC und Omdia deutlich auseinander. Laut IDC befürchtet der Handel, auf den zu hohen Beständen sitzen zu bleiben. Kurzfristig führe dies zwar zu Rabattaktionen, längerfristig erwarte man jedoch weiter ansteigende Preise und eine Verschlechterung der Situation in den kommenden Quartalen.
Omdia zufolge haben die Hersteller ihre Preise zwar schon mehrfach angehoben, die Mehrkosten damit aber noch nicht aufgefangen. Omdia hält es für möglich, dass der Markt erst am Anfang eines neuen Abwärtszyklus steht. Für das vierte Quartal rechne man mit einem Minus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und für 2027 mit einem weiteren Rückgang um 7 Prozent.
Gartner hat sich im Report zu den Zahlen des dritten Quartals nicht über die Entwicklung des PC-Marktes geäussert.
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