Lean-IT

"Die Lean-Methode ist eine Wissenschaft zur Reduzierung von Ungewissheit"

Uhr | Aktualisiert
von Redaktion: Rodolphe Koller, Übersetzung: Gianna Crivelli

Barry O’Reilly ist Berater und ­Unternehmenscoach. Ausserdem ist er ­Co-Autor des Buchs "Lean Enterprise: How High Performance Organizations Innovate At Scale". Im Interview erklärt er, weshalb Lean ein wissenschaftlicher Ansatz ist.

Barry O' Reilly ist Berater und Unternehmenscoach.
Barry O' Reilly ist Berater und Unternehmenscoach.

Wie würden Sie den Ansatz Lean Start-up beschreiben?

Barry O’Reilly: Für mich ist Lean eine wissenschaftliche Methode, um Ungewissheit zu reduzieren. Sie verhindert, dass Produkte entwickelt werden, welche die Kunden nicht wollen, oder die falsche Technologie gewählt wird. Der Ansatz Lean Start-up ist eine ausgezeichnete Methode, um Hypothesen systematisch zu testen. So kann geprüft werden, ob ein neues Geschäftsmodell, ein neuer Prozess oder ein neues Tool für die Nutzer funktioniert, für die sie konzipiert wurden. Mit dem Feedback kann das Entwickelte kontinuierlich verbessert werden. Die Idee ist, dass in kleinen Schritten gearbeitet wird und kleine Experimente durchgeführt werden, die dann in einen Fortschritt münden. Der Ansatz lässt sich also nicht nur auf Start-ups, sondern auf alle Unternehmen anwenden.

Was denken Sie über andere Ansätze wie Design Thinking oder Continuous Delivery?

Es gibt viele andere nützliche Techniken und Instrumente. Deshalb haben wir das Buch «Lean Enterprise» geschrieben. Die Idee dahinter ist, das richtige Produkt zu entwickeln, indem ziemlich schnell einmal kostensparende Prototypen durch die Nutzer getestet werden. Mit Product Ownern an der Spitze von bereichsübergreifenden Teams – Analysten, Entwickler, Operation – kommt man schnell von der Strategie zur Ausführung. Und so kann konstant Feedback eingeholt werden. Im Jahr 2011 implementierte Amazon 1000 Anwendungen pro Stunde. Während andere Unternehmen gerade mal zwei Releases im Jahr machen. Diese lernen demnach auch nur zwei Mal im Jahr.

Wie sehen Sie die Rolle der Manager?

Der Ansatz Command and Control muss durch die Auftragstaktik ersetzt werden. Manager sind da, um Anweisungen zu geben, die jeder verstehen kann. Anschliessend müssen sie den Mitarbeitern vertrauen und sie Hypothesen entwickeln und Experimente durchführen lassen. Eine Führungskraft muss zudem coachen, Rahmenbedingungen und Techniken aufzeigen und die Mitarbeiter dazu motivieren, Probleme zu lösen. Sie muss offene, anregende Fragen stellen: Wo liegt dein Problem? Wie kann ich dir helfen? Wie bald können wir deine Idee testen? Wie werde ich wissen, ob sie funktioniert? Für mich beinhaltet Leadership genau das. Intelligente Mitarbeiter einstellen und ihnen sagen, was sie zu tun haben, ist das Schlimmste, das man machen kann.

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