Müllers kleines ABC

I wie Icons

Uhr | Aktualisiert

Theorie: Icons, das sind diese kleinen Bildchen, die in Bedienoberflächen einen Befehl, eine Funktion grafisch verdichten. Die Idee dahinter: Sie sollen die Orientierung und die Handhabung erleichtern, indem sie Wichtiges oder oft Verwendetes hervorheben und über ein Symbol statt über Text zugänglich machen.

Realität: Vom Toilettenmännchen bis zum Facebook-Daumen – ­unsere Welt ist voll von Icons. Besonders die IT scheint einen Narren an ihnen gefressen zu haben. Warum sind die so beliebt? Nun, wahrscheinlich, weil sie gerade Mode sind, weil sie als cool gelten und vielleicht auch noch, weil man meint, den Nutzern damit Gutes zu tun. Immerhin: Icons sprechen emotional an und laden zum Klicken ein. Damit wäre ja schon ein wichtiges Postulat der User Experience erfüllt. Alles gut, also?

Nicht ganz, denn es gibt offenkundig ein Problem mit der Qualität, sowohl der inhaltlichen als auch der visuellen. Mal ehrlich: Wie oft haben wir uns schon gefragt, was sich hinter diesem rosa Herzchen hier, und jenem zerknitterten Pfeilchen dort wohl verstecken mag? Und warum sehen die auch noch so grauslich aus? Wenn hier Hässlichkeit auf Unklarheit trifft, schrillen bei Ergonomen die Alarmglocken, denn ein Icon hilft nur dann, wenn es treffend umgesetzt ist und auch gefällt.

Hinzu kommt ein schieres Mengenproblem: Manche GUIs scheinen überhaupt nur noch aus bunten Symbölchen zu bestehen. Das hintertreibt einerseits die Idee, mit Icons Wesentliches hervorzuheben. Andererseits verlängert es die Einarbeitungszeit, weil die Bedeutung jedes Icons zuerst erlernt und memoriert werden muss – im Gegensatz zu (gutem) Klartext etwa. Das haben einige Grosse in der Softwarebranche bereits gemerkt und wieder mehr Text in ihre GUIs eingebaut.

Fazit: Ein Haufen mittelprächtiger Icons verursacht vor allem einen Haufen kognitiver Belastung. Deshalb gilt:

a) so wenige wie möglich, so viele wie grad nötig;

b) lieber keines, als ein schlechtes verwenden und

c) schon gar nicht, ohne es vorher zu testen – im Kontext ­wohlverstanden.

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