Müllers kleines ABC

B wie Bilder

Uhr | Aktualisiert

Theorie: Ein Bild soll ja mehr sagen als tausend Worte. Behauptet hat das in den 1920er-Jahren wahlweise der kaum bekannte Fred R. Barnard oder der hochverehrte Kurt Tucholsky. Im Kern geht es darum, dass komplizierte Botschaften leichter mit einem Bild als mit ausschweifenden Umschreibungen zu übermitteln sind. Das gilt besonders dann, wenn Emotionen transportiert werden sollen.

Realität: Bilder können das und noch viel mehr. Sie wecken Interesse, lenken die Aufmerksamkeit, schaffen Glaubwürdigkeit, verstärken Botschaften – sofern sie gut sind und klug eingesetzt werden. Aber gerade daran hapert es oft. Das Web jedenfalls ist voll von überflüssigen und belanglosen Bildern. Die passen weder zum Kontext, noch stellen sie Relevantes dar. Dafür sind sie gross, fallen auf und wirken irgendwie modern. Das wird schon reichen, um die Surfer zum Bleiben zu animieren – so das Kalkül. Und so kommt dann die Homepage der Toggenburger Dorfkäserei zu ihrem keimfrei geschrubbten Header-Bild.

Das wirkt grad so, als wäre es just aus der Investor-Relations-Broschüre eines Schweizer Nahrungsmittelmultis gehüpft: Zwei Pärchen, junge, schöne, heterosexuelle Menschen, räkeln sich in perfekt ondulierter Natur auf frisch gestärkten Leinentüchern und beissen nebenbei, aber betont fröhlich, in bleiche Käseecken. Gewiss, das ist alles überaus nett anzusehen und professionell ausgeleuchtet. Doch wer interessiert sich schon für junge, glückliche und gutaussehende Menschen, wenn er einen reifen Alpkäse sucht? Bestenfalls wird man das Bild ignorieren, schlimmstenfalls wird man es samt seinem Absender doof finden und weiterziehen.

Fazit: Bilder können ihre Stärken nur ausspielen, wenn sie zum Kontext und zum Markenversprechen einer Firma passen. In unserem Fall wären das wohl solche, die für Tradition, Selbstverständnis und vor ­allem die Produkte des Familienbetriebs stehen. Sie vermögen beim ­Besucher das wohlige Gefühl zu verstärken, hier am richtigen Ort ­gelandet zu sein und – wer weiss – den Käse(r) seines Lebens gefunden zu haben.

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DPF8_133604

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