Kolumne

Cybersecurity ist nicht nur ein globales Problem

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von Nicole Wettstein, Verantwortliche Schwerpunktprogramm Cybersecurity, SATW

Mit zunehmender Digitalisierung und Vernetzung wird unsere Welt verwundbarer für Angriffe aus dem Cyberspace. Das betrifft nicht nur die Erde, sondern auch das All. Denn Weltraumtechnologie muss aufgrund ihrer Bedeutung für eine funktionierende Gesellschaft ebenfalls als kritische Infrastruktur begriffen und entsprechend geschützt werden.

Nicole Wettstein, Verantwortliche Schwerpunktprogramm Cybersecurity, SATW. (Source: zVg)
Nicole Wettstein, Verantwortliche Schwerpunktprogramm Cybersecurity, SATW. (Source: zVg)

Die wenigsten Menschen dürften sich bewusst sein, wie wichtig satellitengestützte Datenübertragung heute ist. Doch ohne GPS gäbe es keinen Flugverkehr und ohne Satellitenbilder keine verlässlichen Wettervorhersagen – um nur zwei Anwendungen zu nennen. Der Cyberspace überwindet also nicht nur territoriale Grenzen, er umfasst auch den erdnahen Orbit. Cybersecurity muss somit auch diese Dimension einbeziehen.

Zunehmende Gefahren

Satelliten sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt, so etwa der natürlichen Korpuskularstrahlung der Sonne. Zunehmend kommen aber auch Gefahren menschlichen Ursprungs dazu. Nach den USA, Russland und China hat 2019 auch Indien demons­triert, dass es einen Satelliten zerstören kann. Weitere Länder dürften folgen, denn das Wettrüsten im All wurde durch entsprechende Ankündigungen von USA und NATO in jüngster Zeit wieder befeuert.

Wahrscheinlicher als ein gezielter Abschuss ist aber die Beschädigung oder Zerstörung eines Satelliten durch die Kollision mit Trümmerteilen, die ebenfalls in steigender Zahl um die Erde kreisen. Sehr zu begrüssen ist somit die kürzlich von der europäischen Weltraumbehörde ESA angekündigte und für 2025 geplante erste Mission zur Beseitigung von Weltraumschrott. Die Technologie dazu liefert das EPFL-Spin-off Clearspace.

Beunruhigend sind nebst physischen Gefahren auch potenzielle Angriffe aus dem Cyberspace. So lassen sich mit heutigen Möglichkeiten etwa Signale eines Satelliten-Navigationssystems manipulieren. Der MIT-Forscher Gregory Falco malte in seinem 2018 publizierten Paper "The Vacuum of Space Cybersecurity" ein düsteres Bild. Noch im gleichen Jahr kam es bei einer NATO-Übung in Norwegen zu rätselhaften Ausfällen des GPS, und im vergangenen Juni geschah Ähnliches am Flughafen Tel Aviv. In beiden Fällen wurden Akteure aus Russland verantwortlich gemacht.

Gemeinsam Lösungen erarbeiten

Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW hat 2019 zwei Workshops unter dem Motto "Cyber in Space" organisiert. Mit dabei waren Fachleute der zuständigen Behörden (Abteilung Raumfahrt im SBFI sowie VBS), der ESA, von EPFL und ETH, vom Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) und weiteren relevanten Akteuren.

Dabei wurden wichtige Defizite erkannt und Handlungsfelder für die Schweiz identifiziert: Zunächst sollen eine Kartografie der massgeblichen nationalen Fähigkeiten sowie eine Threat-Analyse mit Gefahren, potenziellen Schadensdimensionen und Eintrittswahrscheinlichkeiten erstellt und darauf basierende Notfallpläne entwickelt werden. Zudem ist aufzuzeigen, welche Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte zu stärken sind, um die Cybersecurity bei komplexen Systemen im All verbessern zu können. Im Jahr 2020 sind weiterführende Aktivitäten geplant. Als Expertenorganisation kann die SATW Handlungen anstossen, zur effektiven Umsetzung braucht es aber den ­Willen der zuständigen Behörden und Organisationen sowie der betroffenen Unternehmen.

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