Kolumne: Die digitale Transformation der IT

Die Krise lehrt uns mehr Fokus auf Resilienz

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Viele Unternehmen sind mitten in der digitalen Transformation und haben bis vor wenigen Wochen ihre Fähigkeiten im maschinellen Lernen, in der Automatisierung und im digitalen Arbeiten im Eilzugstempo ausgebaut. Nun sind wohl viele dazu gezwungen, ihre digitalen Siebenmeilenstiefel auszuziehen. Sie müssen schauen, wie sie die Krise meistern und überleben sollen. Wer kann, versucht aus dem Homeoffice Courant normal zu demonstrieren und Projekte mit Microsoft Teams, Zoom, Skype oder sonst welchen Videoscreen-Sessions aufrechtzuerhalten und voranzutreiben. Aber einfach so weiterzufahren – unter etwas erschwerten Bedingungen –, als ob sich nur die Arbeitsmethode geändert hätte, wäre ein Verkennen der wahren Situation. Es ist zweifelsohne ein Riesenschock für alle. Es wird bestimmt nicht einfach weitergehen, wie es einmal war.

Wie in Krisen üblich, werden sich Unternehmen entscheiden müssen, wie sie die massiven Umsatzeinbussen auffangen können. Es werden wohl bereits jetzt zwangsläufig Sparprogramme aktiviert, was definitiv auch auf viele IT-Initiativen Auswirkungen haben wird. Einfach jetzt die digitale Transformation zu stoppen, wäre einfach, aber bestimmt der schlechteste Rat. Das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Digitale Technologien richtig eingesetzt, hilft, Produktivität zu steigern und Kosten zu senken. Schon nur der Umstand, dass viele Organisationen nun relativ einfach von zuhause aus ihre Arbeit verrichten können, zeigt das enorme Potenzial der Digitalisierung. Hier jetzt die Axt anzusetzen, wäre die wohl dümmste Entscheidung.

Man wird aber nicht darum herumkommen, die Kernwerte des Unternehmens herauszuarbeiten, die für das Überleben kritisch sind und ­unter allen Umständen geschützt werden müssen. Anstelle jetzt den Fokus auf neue, unbekannte Geschäftsfelder zu legen, muss das ­Projektportfolio auf den Erhalt der Kernfähigkeiten des Unternehmens mitsamt seinen Rahmenbedingungen ausgerichtet und deren Digitalisierung mit Priorität angegangen werden. Der Fokus wird dabei auch auf Anforderungen der Businesskontinuität und Resilienz gelegt werden müssen. Etwas, was vielfach früher gestrichen wurde als unnötig kostentreibende Faktoren in Projekten.

Auch zu meinen, alle extern vergebenen Serviceverträge nun wieder zu internalisieren, nur um die Abhängigkeit von Drittparteien zu reduzieren, wird nicht funktionieren. Dazu werden die Fähigkeiten und Ressourcen schlicht fehlen. Vielmehr ist Resilienz eine der zentralen Anforderungen an das gesamte Supply-Netzwerk. Wenn wir etwas aus der Krise lernen wollen, dann heisst es in Zukunft nicht mehr bloss: schneller, besser, billiger. Es heisst hoffentlich auch: widerstandsfähiger. Resilienz wird eine der zentralen Fähigkeiten von verantwortungsvollen Unternehmen werden.

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