Wild Card von Daniel Liebhart

1000 kleine Helfer

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Wir sind erleichtert: Alles wird einfacher und wir haben vieles um uns herum, was uns im Alltag zuhause und bei der Arbeit hilft. Dank der neuen 1000 kleinen Helfer werden wir gescheiter und besser. Die Technik dahinter nennt sich "Physical AI".

(Source: Monopoly919 - stock.adobe.com)
(Source: Monopoly919 - stock.adobe.com)

Lisa Su, CEO von AMD, hat es in ihrer Eröffnungsrede an der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas Anfang dieses Jahres klargestellt: "Es macht uns gescheiter, es macht uns besser. Es befähigt uns, eine produktivere Version von uns selbst zu werden." Mit "es" sind intelligente Maschinen, Fahrzeuge und Alltagsgegenstände gemeint, die unser Leben in jeder Situation besser, sicherer und nachhaltiger machen sollen. Sie erfassen sofort eine Situation, verstehen, was in diesem Kontext zu tun ist, sehen voraus, was genau unsere Absicht ist, und handeln in unserem Sinn. Im Haushalt, in der Medizin, in der Fabrik, auf dem Bau, im Büro, unterwegs. An der CES war eine Vielzahl solcher Helfer zu sehen.

Zauberwort "Physical AI"

Die Technik dahinter nennt sich "Physical AI". Damit ist ein System aus Hardware und Software gemeint, das Wahrnehmung, Verständnis, logisches Denken und Lernen integriert, um mit der physischen Welt zu interagieren. "Physical AI ist KI, die Naturgesetze versteht", so formulierte es der CEO von Nvidia, Jensen Huang. Der grundlegende Aufbau dieser Systeme unterscheidet zwischen zentralen Entitäten, die auf Basis sehr grosser Datenbestände gelernt haben, und dezentralen Agenten, die so trainiert sind, dass sie selbstständig Informationen beschaffen, planen und Szenarien simulieren können, um sofort das Richtige zu tun. Darüber hinaus spielen diese Agenten die Resultate ihrer Tätigkeiten an die zentralen Einheiten zurück, damit sich diese ständig weiterentwickeln können.

Vom Grossen …

Caterpillar als Hersteller von Baumaschinen setzt ein solches System ein, um den Einsatz von weltweit mehr als 1,5 Millionen Baggern, Bergbau-LKWs und anderer Schwerindustrie-Geräte zu verbessern. Anlässlich ihres 100. Firmenjubiläums im letzten Jahr stellte die Firma Helios vor. Das System besteht aus einer zentralen Fabrik, die sehr grosse Datenmengen aus dem laufenden Betrieb verarbeiten kann, und aus dezentralen Einheiten, die auf der Nvidia-Plattform für "Edge AI" basieren. Die damit ausgerüsteten Baumaschinen können operieren, auch wenn sie nicht mit der Zentrale verbunden sind. Die Resultate und das daraus Gelernte werden in die Zentrale zurückgespielt und dort verarbeitet, um die neuen Erkenntnisse den anderen Maschinen in Form von verbesserten KI-Modellen oder dem Bedienpersonal in Form eines CAT-AI-Assistenten zur Verfügung zu stellen. 

… ins Kleine

Einen Schritt weiter gehen Forschende der Carnegie Mellon University in Pennsylvania. "Unauffällige physische KI" nennen sie ihren Ansatz. Das Ziel ist, dass heute passive Gegenstände wie etwa Werkzeuge, Geschirr oder Küchenutensilien zu unauffälligen und reaktiven Helfern im Alltag werden. Die Forschenden haben zu diesem Zweck ein einfaches System aufgebaut: Eine Alltagssituation wird mit Kameras erfasst und die Bilder werden an eine KI zur Auswertung weitergeleitet, die wiederum Alltagsgegenstände, die mit Roboterrädern versehen sind, steuern kann. Möchten wir etwa Papiere ordnen, so sieht die KI voraus, dass wir das Heftgerät brauchen, und bringt es rechtzeitig in Griffweite. Nehmen wir einen Kuchen aus dem Ofen, so schiebt die KI das Messer auf der Ablage weg, damit wir uns nicht verletzen, und schiebt stattdessen den Untersatz an die richtige Stelle. Interessant ist die Fähigkeit des Systems, eine Situation wahrzunehmen und schnell richtig darauf zu reagieren. Damit werden die vielen passiven Objekte unseres Alltags plötzlich zu kleinen Helfern.
 

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