IFA: Mobile-TV-Standards sorgen für Verwirrung
Peter Hogenkamp ist an der IFA Berlin unterwegs und berichtet für den Netzwocheticker:
Eines der immer zitierten Themen, wenn es um die Trends der IFA 2006 geht, ist "mobiles Fernsehen". Diverse Hersteller zeigen Handys mit drehbarem Fernsehkopf, Promoter laufen in den Hallen herum mit auf dem Kopf montiertem Fernseher.
Aber welches mobile Fernsehen ist überhaupt gemeint? Die dahinter liegenden Standards sind selbst für Interessierte schwer auseinanderzuhalten:
Schon seit einiger Zeit in Betrieb ist TV via UMTS, bei dem das Videosignal (live oder Aufzeichnungen) auf dem normalen Handynetz "gestreamed" wird. "DVB-T" ist der neue Standard für die terrestrische Übertragung via Antenne, für das man eigene Fernseher, aber auch Empfänger zum Einstecken in den PC kaufen kann. "DVB-H" ist die Adaption von DVB-T speziell für mobile Endgeräte ("H" wie Handhelds). Und schliesslich kann man mit "DMB", einer aufgebohrten Version des Radiostandard DAB, bei der noch das Bild hinzugefügt wurde, nun auch noch fernsehen.
Alles klar? Genauso verwirrt sind die Messebesucher, wie man an der IFA deutlich sehen kann. Zwar gibt es bei den Herstellern jede Menge TV-taugliche Handys nach den diversen Standards, auf denen auch immer etwas Farbiges läuft, aber das Volk läuft an ihnen vorbei, vermutlich, weil es noch nicht mit genug Werbung weich gekocht wurde.
Die mobilen Netzbetreiber pushen nämlich nur UMTS-TV – sie haben viel in ihre schnellen Netze investiert, also muss die Bandbreite irgendwie unters Volk. UMTS ist aber eigentlich ein unsinniger Standard, zumindest für Live-TV, denn wenn alle dasselbe schauen, müsste man nicht mit zig Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ausliefern. Die anderen Standards wären da viel sinnvoller und belastbarer, doch sie fristen ein Schattendasein. Wie schizophren diese Situation ist, wird an der IFA am deutlichsten am Stand der Deutschen Telekom, wo Tochter T-Systems stolz darauf ist, dass sie das deutsche DVB-H-Netz betreiben, aber die Mitarbeiter zwischen den Zähnen hervorpressen müssen, dass man bei der Schwester T-Mobile das benötigte Handy leider nicht subventioniert kaufen kann, sondern nur bei Debitel. So wird in einer Handy-Landschaft, in der der Vertrieb entscheidet, flächendeckendes mobiles TV mit einem geeigneten Standard wohl noch einige Zeit Vision bleiben – und die Leute, die die Verwirrung verursacht haben, können sagen, die User hatten ja kein Interesse. Schade drum.
Mehr von der IFA schreibt Peter Hogenkamp unter neuerdings.com.
Eines der immer zitierten Themen, wenn es um die Trends der IFA 2006 geht, ist "mobiles Fernsehen". Diverse Hersteller zeigen Handys mit drehbarem Fernsehkopf, Promoter laufen in den Hallen herum mit auf dem Kopf montiertem Fernseher.
Aber welches mobile Fernsehen ist überhaupt gemeint? Die dahinter liegenden Standards sind selbst für Interessierte schwer auseinanderzuhalten:
Schon seit einiger Zeit in Betrieb ist TV via UMTS, bei dem das Videosignal (live oder Aufzeichnungen) auf dem normalen Handynetz "gestreamed" wird. "DVB-T" ist der neue Standard für die terrestrische Übertragung via Antenne, für das man eigene Fernseher, aber auch Empfänger zum Einstecken in den PC kaufen kann. "DVB-H" ist die Adaption von DVB-T speziell für mobile Endgeräte ("H" wie Handhelds). Und schliesslich kann man mit "DMB", einer aufgebohrten Version des Radiostandard DAB, bei der noch das Bild hinzugefügt wurde, nun auch noch fernsehen.
Alles klar? Genauso verwirrt sind die Messebesucher, wie man an der IFA deutlich sehen kann. Zwar gibt es bei den Herstellern jede Menge TV-taugliche Handys nach den diversen Standards, auf denen auch immer etwas Farbiges läuft, aber das Volk läuft an ihnen vorbei, vermutlich, weil es noch nicht mit genug Werbung weich gekocht wurde.
Die mobilen Netzbetreiber pushen nämlich nur UMTS-TV – sie haben viel in ihre schnellen Netze investiert, also muss die Bandbreite irgendwie unters Volk. UMTS ist aber eigentlich ein unsinniger Standard, zumindest für Live-TV, denn wenn alle dasselbe schauen, müsste man nicht mit zig Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ausliefern. Die anderen Standards wären da viel sinnvoller und belastbarer, doch sie fristen ein Schattendasein. Wie schizophren diese Situation ist, wird an der IFA am deutlichsten am Stand der Deutschen Telekom, wo Tochter T-Systems stolz darauf ist, dass sie das deutsche DVB-H-Netz betreiben, aber die Mitarbeiter zwischen den Zähnen hervorpressen müssen, dass man bei der Schwester T-Mobile das benötigte Handy leider nicht subventioniert kaufen kann, sondern nur bei Debitel. So wird in einer Handy-Landschaft, in der der Vertrieb entscheidet, flächendeckendes mobiles TV mit einem geeigneten Standard wohl noch einige Zeit Vision bleiben – und die Leute, die die Verwirrung verursacht haben, können sagen, die User hatten ja kein Interesse. Schade drum.
Mehr von der IFA schreibt Peter Hogenkamp unter neuerdings.com.
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