SAP gibt Datenklau seiner Tochter Tomorrow Now an Oracle zu

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von nba@netzwoche.ch
SAP hat gestern Dienstag rechtswidrige Zugriffe seiner Tochter Tomorrow Now auf Oracles Daten gestanden. Diese seien jedoch nicht an SAP gelangt, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung beteuert. Die Geschäftsstrukturen von Tomorrow Now und SAP seien bewusst durch eine Firewall getrennt. Diese sei so aufgebaut, dass weder SAP noch SAP America über Tomorrow Now Zugang zum geistigen Eigentum von Oracle habe. „Für mich ist selbst ein einziger unangemessener Download inakzeptabel und wir bedauern diesen Vorfall sehr", erklärte SAP-Chef Henning Kagermann. Als er davon erfahren habe, habe er umgehend Massnahmen eingeleitet, um die Kontrolle über den Geschäftsbetrieb von Tomorrow Now zu verstärken, so Kagermann weiter. SAP sicherte eine Zusammenarbeit mit den amerikanischen Justizbehörden zu und kündigte überdies Veränderungen in der Geschäftsführung von Tomorrow Now an. So ernennt das Unternehmen Mark White, COO und vormals CFO von SAP America, zum Executive Chairman von Tomorrow Now. Er wird das Geschäft des Unternehmens inklusive entsprechender Compliance-Programme leiten. Andrew Nelson, CEO von Tomorrow Now, wird an Mark White berichten. Auch hat SAP eine Website eigens zum Rechtsstreit eingerichtet, die vollständige und aktuelle Informationen darüber anbiete (www.tnlawsuit.com). Gemäss Analysten ist diese aufgeschaltet worden, um weiteren Attacken Oracles präventiv zu begegnen. Am 4. September werden weitere Verfahrensschritte vor Gericht besprochen werden. Oracle hatte gegen seinen deutschen Konkurrenten SAP im März mittels einer mehr als 50-seitigen Klageschrift Betrugsklage eingereicht. Oracle bezichtigte SAP, seine Tochter Tomorrow Now habe die Zugangsdaten von abgeworbenen Oracle-Kunden genutzt, um Updates und Patches zu Oracle-Produkten herunterzuladen. Im Juni erweiterte Oracle seine Klage und warf SAP zudem vor, Tomorrow Now habe Oracle-Lösungen bei der Umstellung von Computerprogrammen auf die Sommerzeit kopiert und später als eigene ausgegeben. Tomorrow Now, 1998 von Peoplesoft-Mitarbeitern gegründet, bot ursprünglich Wartungsdienste für Peoplesoft-Programme an. Der Kauf des Unternehmens erleichterte SAP, ihr so genanntes Safe-Passage-Programm aufzulegen. Dieses Programm richtet sich an Nutzer der Software von Unternehmen, die von Oracle übernommen wurden, und bietet beim Wechsel auf SAP-Anwendungen neben technischer Unterstützung auch Rabatte und Finanzierungen. Das Geständnis zeitigte Veränderungen an der Börse: Die SAP-Aktie fiel am Dienstag um 2,1 Prozent auf 37,52 Euro und bildete zeitweise gar das Schlusslicht des Deutschen Aktienindexes. Oracle-Papiere legten indes um 0,8 Prozent auf 20,07 US-Dollar zu, was dem höchsten Stand seit sechs Jahren entspricht. Interessant werden dürften SAPs Geschäftszahlen für das zweite Quartal, die Mitte Juli erwartet werden, und ob darin Rückstellungen für den Rechtsstreit enthalten sind.