Spannender als die Ilias: Wer gewinnt den Kampf um den KI-Olymp?
Mit grosser Faszination verfolgen wir den Titanenkampf in der KI-Branche. Lange schien OpenAI mit ChatGPT davonzuziehen, dann schlugen die etablierten Big Techs zurück. Doch im Kampf um den KI-Olymp entscheidet längst nicht mehr nur das beste Modell, sondern auch Kapital, UX und Zugang zum User.
Für einen kurzen Moment sah es so aus, als hätte OpenAI den Olymp bereits gestürmt. ChatGPT war der Donnerkeil, der aus dem Nichts einschlug. Doch seither ist die Sache komplizierter geworden. Google hat mit Gemini zurückgeschlagen, Anthropic besetzt mit Claude Code die attraktive Nische Softwareentwicklung.
Wer also gewinnt diesen Plattformkampf? Die Frage ist nicht bloss etwas für Benchmarks und Tech-Kolumnen, sondern geschäftlich relevant. Unternehmen werden sich bei der künftigen Softwarebeschaffung entscheiden müssen, auf wessen Stack, Agenten, Assistenten und Sicherheitsmodell sie setzen wollen.
Wer hält den Donnerkeil in der Hand?
Sah es anfangs noch so aus, als würden primär die multimodalen Modellfähigkeiten den Unterschied machen, haben sich die Leistungen innert erstaunlich kurzer Zeit angenähert. Die Tabellenführer bei den Benchmarks wechseln fast so rasch wie die Wetterlage über dem Ägäischen Meer. Gerade deshalb werden andere Waffen wichtiger.
Erstens: Rechenzentrumskapazität. Microsoft sprach für das Fiskaljahr 2025 von rund 80 Milliarden US-Dollar für KI-fähige Datacenter, Alphabet von 75 Milliarden Dollar Capex, Amazon von 100 Milliarden und Meta zuletzt von 64 bis 72 Milliarden. Für 2026 erwartete S&P Global für diese vier zusammen bereits rund 635 Milliarden Dollar. Wer solche Summen mobilisieren kann, besitzt im KI-Krieg nicht nur einen Blitz, sondern ein Arsenal an Donnerkeilen.
Zweitens: UX-Implementierung. Der Nutzer gewinnt selten mit dem besten Modell, sondern mit dem bequemsten Weg zur Wirkung. Der Shortcut, der mich aus jedem Textfeld direkt zur Übersetzung bringt, ist im Alltag oft mächtiger als fünf zusätzliche Benchmarkpunkte. Wer KI so integriert, dass sie ohne Medienbruch funktioniert, hat Thors Hammer Mjölnir im Massenmarkt.
Drittens: Kontrolle über die Zugangsportale. Google besitzt mit Chrome und Workspace, Microsoft mit Edge und Microsoft 365, Apple mit iOS strategisch entscheidende Eingangstore. Wer Browser, Betriebssystem oder Kollaborationssuite kontrolliert, bewacht die Brücke zum Asgard der KI-Nutzung. Nicht zufällig bauen Herausforderer wie Perplexity und OpenAI inzwischen eigene Browser. Besonders im Enterprise-Markt ist der rechtebasierte Zugriff auf Mails, Dateien, Chats und Kalender keine Kür, sondern eher Pflicht.
And the Winner will be …
Meine Prognose: Es wird keinen totalen Titanensturz geben. Bei den letzten disruptiven Technologieverschiebungen entstand meist eine neue Doppelherrschaft. Im Mobile-Markt etablierten sich Platzhirsch Apple und Innovator Android nebeneinander, in der Cloud wurden Neuling AWS und Marktführer Microsoft zu den Schwergewichten. Genau so könnte es auch diesmal kommen: ein alter Gewinner und ein neuer. Welche Kombination obsiegt, getraue ich mich nicht vorherzusagen – ich bin schliesslich nicht das Orakel von Delphi. Spannend wie in Homers Ilias wird es aber zweifellos.
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