IPv6-Infoanlass

"Um IPv6 wird niemand herumkommen"

Uhr | Aktualisiert

IPv6 kommt unweigerlich auf uns zu. Was ist zu tun? Der Swiss IPv6 Council informierte gestern Mittwoch anlässlich des IPv6-Tages.

"Es gibt doch gar keinen Business Case." Dies sei der meistgenannte Grund, warum Unternehmen IPv6 bis jetzt noch nicht lanciert hätten, sagte Silvia Hagen, Gründerin des Swiss IPv6 Council, gestern Mittwoch an einem Informationsanlass anlässlich des IPv6 Launch Days. Dabei existiere der Business Case bereits: Es können keine weiteren IPv4-Adressen vergeben werden – daher müssen wir den Adressraum vergrössern, damit wir das Netz weiterhin so nutzen können, wie wir und dies bisher gewohnt waren.

Die Botschaft des Anlasses war demnach auch unmissverständlich: Wer Dienste im Internet anbietet (beispielsweise Online Banking oder einen Onlineshop) und sich bis jetzt noch nicht um IPv6 gekümmert hat, sollte dies jetzt tun. "Um IPv6 wird niemand herumkommen. Zwar wird IPv4 weiterhin existieren, doch das Web wird mit IPv6 weiter wachsen", sagte Hagen, die auch Geschäftsleiterin des Beratungsunternehmens Sunny Connection ist. Wer seinen Kunden in ein paar Jahren keine IPv6 anbieten könne, dürfte demnach zumindest einen Teil davon verlieren – wenn nicht sogar die Mehrzahl davon.

Genügend Zeit einplanen

In Ihrem Vortrag wies Hagen darauf hin, wie wichtig es ist, sich genügend Zeit für die Umsetzung zu lassen. "Die Umstellung auf IPv6 bietet die perfekte Gelegenheit, das zukünftige Firmennetzwerk neu aufzusetzen." Statt einfach alles zu kopieren, wie es bereits war, können Fehler behoben werden. Die Umstellung auf IPv6 brauche Zeit, wenn man sie sauber umsetzen wolle. "Nehmen Sie sich genügend Zeit für Ihre Entscheidungen, sie werden lange damit leben müssen." Eine sanfte und kostengünstige Migration dauere etwa drei bis fünf Jahre.

Wer sich mit der Umstellung auf IPv6 beschäftigt, sollte einige Punkte beachten und sich auch entsprechende Fragen stellen, beispielsweise "Sind meine Service Level Agreements, die ich mit Outsourcing-Partnern ausgehandelt habe, auch für IPv6 definiert?" oder "Welche Systeme sind bereits IPv6-fähig? Welche kann ich upgraden und welche nicht?" und "Wie sieht es mit der IPv6-Fähigkeit neuer Produkte und Hardware aus?" sowie "Habe ich genügend Zeit eingeplant, um alles sauber zu testen?" Im Anschluss an Hagen sprachen weitere Referenten über die Planung, Umsetzung und ihre eigenen Praxiserfahrungen mit IPv6.

IPv6-Zahlen von Swisscom

Internetprovider übrigens mussten sich schon früher mit dem Thema IPv6 auseinandersetzen, um bereit zu sein, wenn ihre Kunden auf den neuen Standard setzen wollen. Aus aktuellem Anlass meldete Swisscom der Redaktion gestern die aktuellen IPv6-Zahlen. Mittlerweile sei die Zahl der aktiven IPv6-Kunden von 1'200 Ende Mai auf etwas über 25'000 gestiegen. Swisscom hat somit die Ein-Prozent-Marke überschritten und ist offizieller Teilnehmer des World IPv6 Launchs. Dies habe den Anteil IPv6-fähiger Anschlüsse in der Schweiz beinahe verdoppelt, auf nun 0,39 Prozent.

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