Zensur bei praktisch allen Schweizer ISPs
Eine vorläufige Auswertung der von der Swiss Internet User Group (SIUG) Anfang Juni lancierten Umfrage zur Sperrung von Zugängen zu Internetseiten mit fragwürdigem Inhalt sei ernüchternd, meldet die SIUG: Es seien in der Schweiz nur wenig freie Internetzugänge zu finden. Die bis jetzt eingegangenen Antworten der Provider IP-Plus, Cablecom und Tiscali geben an, nur auf Aufforderung der Bundesbehörden Seiten zu sperren. In den Antworten wurde allerdings nicht angegeben, welche Webseiten oder gar ganze Server gesperrt wurden. Aus Kundensicht ist dies jedoch unbefriedigend, da bei jedem Verbindungsproblem unklar ist, ob es sich um eine bewusste Sperre oder um ein technisches Problem handelt. Tiscali gab an, nur den besonders umstrittenen Rassisten-Server www.front14.org zu sperren. Die Provider init7, Swix, Zapp-Online, Cable & Wireless und KPNQwest erklärten, selbst keine Sperren durchzuführen. Da aber zumindest bei Swix und Zapp-Online der übergeordnete Server Sunrise ist, können sie ebenfalls keinen freien Internetzugang anbieten. Von Sunrise erhielt die SIUG bis heute noch keine Antwort, Tests ergaben aber, dass zumindest www.front14.org gesperrt ist. Von vielen Providern kamen gar keine Antworten (etwa Balcab oder UUnet), da aber die meisten kleineren Provider an grössere angeschlossen sind, ist auch dort mit Filtern zu rechnen. Gemäss SIUG ist die Anwendung von Sperren als Zensurmassnahme im Internet problematisch. So haben die Betreiber von front14.org ihre Seiten auf einen neuen Server verlagert, so dass nicht mehr front14.org gesperrt ist, sondern ein Kundenrechner, der zu einem Provider in Alaska gehört. Sperren müssten also aktuell gehalten werden, damit nicht auch unproblematische Seiten betroffen sind, dafür müssten aber riesige Mengen von Webseiten ständig auf ihren aktuellen Inhalt überprüft werden. Und zweitens sind Sperren technisch leicht zu umgehen.
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