Microsofts Tür in die Android-Welt

MWC 2014: Nokia + Android = X

Uhr | Aktualisiert
von George Sarpong

Über ein neues Midrange-Line-up will Nokia Milliarden neuer Kunden gewinnen. Die neue X-Reihe basiert aber nicht wie zu vermuten wäre auf Microsoft Windows, sondern auf Googles Android.

Der inzwischen zu Microsoft gehörende Smartphone-Anbieter Nokia hat am Mobile World Congress in Barcelona Smartphones zum Kampfpreis vorgestellt. Viel interessanter ist aber, dass die Telefone auf dem Betriebssystem Android von Microsoft-Konkurrent Google basieren.

Mit ihnen möchte der Hersteller Milliarden von Kunden in Schwellenländern erreichen. Aber auch Käufer für sich gewinnen, die keinen speziellen Wert auf High-End-Boliden wie Samsungs Galaxy S oder Apples iPhone legen.

Midrange-Portfolio

Die X-Smartphones reihen sich in Nokias Portfolio als Midrange-Modelle ein, zwischen den Einstiegsgeräten der Asha-Reihe und den Topmodellen der Lumia-Serie. Die Oberfläche der neuen Handys ist wie bei den Windowsgeräten in Kacheln aufgeteilt. Wohl auch mit dem Hintergedanken, Kunden zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Upgrade auf ein Windows-Phone zu verleiten. Kunden können Apps aus dem Nokia-App-Store laden. Bereits im Lieferumfang enthalten ist das Karten-App Here, mit dem Karten auch im Offline-Modus verwendet werden können.

Mit dem X, X+ und XL präsentierte Nokia drei Modelle in Barcelona. Das Nokia X, das erste Gerät aus der neuen Produktreihe, verfügt über ein kapazitives 4-Zoll-IPS-Display und eine 3-Megapixel-Kamera. Das Nokia X+ soll mehr Speicher bieten, etwa für Spiele, Musik, Fotos oder Videos. Das Nokia XL bietet ein 5-Zoll-Display, eine 2-Megapixel-Frontkamera und eine 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus und Blitz. Angetrieben werden die X-Modelle von einem Snapdragon-Prozessor mit zwei Rechenkernen von Qualcomm. Alle Modelle bieten zudem Platz für zwei SIM-Karten. Alle Modelle werden in Grün, Rot, Cyan, Gelb, Schwarz und Weiss ausgeliefert.

Noch keine Preise für die Schweiz bekannt

Zunächst will Nokia das X ab sofort zu einem Preis von 89 Euro in den Märkten Asien-Pazifik, Europa, Indien, Lateinamerika und EMEA im Handel beginnen. Das Nokia X+ und das Nokia XL sollen in diesen Märkten im frühen zweiten Quartal verkauft werden, zu Preisen von 99 Euro. Schweizer Preise und Verfügbarkeiten sind noch nicht bekannt.

Aufruf an Entwickler

Mit der neuen X-Geräteplattform will Nokia auch neue Programmierer für sich gewinnen. Der Hersteller wirbt mit neuen Kundenkreisen, die seine Smartphones erreichen sollen. "Heute ist Windows Phone das am schnellsten wachsende mobile Ökosystem der Welt und wir sehen weiterhin starkes Momentum mit unseren Lumia Smartphones", sagte Bryan Biniak, Vice President und General Manager, Developer Experience bei Nokia. "Mit der Einführung der Nokia-X-Gerätefamilie bringen wir das Design, die Qualität und die Innovation, für die Nokia bekannt ist, zu niedrigeren Preispunkten, um das am schnellsten wachsende Segment im Smartphone-Markt zu erobern."

Billing Agreement in über 60 Märkten

Mit Billing Agreements in mehr als 60 Märkten und rund 160 Netzbetreibern biete Nokia Entwicklern Zugang zu einem der grössten Operator-Billing-Netzwerke der Welt mit der Grösse und der globalen Reichweite, die nötig sind, um Apps erfolgreich zu monetarisieren und höhere Gewinne zu erzielen, heisst es in einer Mitteilung.

Die Mehrzahl der Android-Apps könne so wie sie existiert in Nokias Store veröffentlicht werden. Entwickler könnten über das "Nokia X Analyser Tool" gegebenenfalls Apps anpassen. Das soll die Portierungszeit verringern. "In einer Welt des Mobile Developments sind Geschwindigkeit und Time-to-Market von höchster Bedeutung", sagt Biniak. "Bei Nokia konzentrieren wir uns darauf, Entwicklern dabei zu helfen, den Entwicklungsprozess über Plattformen hinweg zu beschleunigen, während wir gleichzeitig Zugang zu den neuesten Innovationen und Werkzeugen bieten, um sie darin zu unterstützen, was sie am besten können: Die nächste grossartige App zu entwickeln." Zum Launch werden bekannte Apps für die Nokia-X-Geräte-Familie verfügbar sein. Hierzu zählen: Facebook, Plants vs. Zombies 2, Skype, Spotify, Swiftkey, Twitter, Viber und der Blackberry Messenger.

Nokia Imaging SDK 1.1 jetzt für Windows

Nokia bietet sein Nokia Imaging SDK in der Version 1.1 an. Das SDK 1.1 bringt Bildbearbeitungs-Features für Windows Phone 8 und Windows 8.1 Tablets und PCs. Nokia bietet nun Premium Werbe-Slots in 181 Ländern für wichtige Partner durch den Nokia Developer Exchange Marketplace an.

Dieses neue Angebot sei eine Erweiterung der Kampagne, die im Oktober 2013 für DVLUP, dem Nokia Bonusprogramm für Entwickler, vorgestellt wurde. Unter den ersten teilnehmenden Partnern seien Electronic Arts, Gameloft, AE Mobile, Miniclip und Outfit7.

Tür in die Android-Welt für Microsoft-Entwickler

Gemäss den Marktforschern von Ovum sei es noch zu früh, die neue X-Plattform als Gamechanger für Nokia zu bewerten. Helfen könnte Nokias grosse Verbreitung in Schwellen- und Entwicklungsländern. Ausserdem biete die Android-Basis Entwicklern wie Anwendern Vorteile, glaubt Tony Cripps, ein Principal Analyst bei Ovum.

Für Entwickler biete sich durch die X-Plattform ein weiterer Vertriebskanal für ihre Apps und dadurch eine weitere Umsatzquelle. Bestehende Microsoft-Entwickler würden zunächst noch nicht von der neuen Plattform profitieren. Cripps prognostiziert, dass Microsoft-Entwickler zunächst noch abwarten werden, bevor sie auch auf den Android-Zug aufspringen. Eine Hilfe könnte die Integration von Nokia X in die Entwicklungsumgebung von Visual Studio sein.

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