Ein Auf und Ab

Sorecos langer Weg zurück zu seinen Wurzeln

Uhr | Aktualisiert

Joint Venture, Verkauf, Loslösung der HR-Sparte, Management-Buy-out. Sorecos Geschichte ist wild. Wie sie nun weitergehen soll, verriet CEO Claude Sieber heute in Zürich.

Claude Sieber, Geschäftsführer von Soreco, heute in Zürich.
Claude Sieber, Geschäftsführer von Soreco, heute in Zürich.

Soreco hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ein Blick ins Handelsregister (HR) zeigt, dass die Schwerzenbacher Firma ihren Eintrag seit 1989 sage und schreibe 38 Mal veränderte. Zum Vergleich: Konkurrent Abacus, der rund vier Jahre länger gelistet ist, kommt bis heute auf bloss 14 Änderungen.

Der Name Claude Sieber taucht im HR-Eintrag von Soreco zum ersten Mal im November 1996 auf. Der heutige Geschäftsführer und Partner ist seit über 20 Jahren im Unternehmen. In Zürich plauderte er heute aus dem Nähkästchen. An einer Medienorientierung im Restaurant Au Premier blickte er auf die Geschichte Sorecos zurück - und verriet, wo das Unternehmen in Zukunft hin will.

Turbulente Anfänge

Die Geschichte von Soreco begann 1988. IBM und Walter Rentsch (heute: Canon Schweiz) gründeten Soreco damals als Joint Venture. Es trat an, um branchenunabhängige Standard-Software zu entwickeln. Ebenfalls 1988 lancierte IBM seine Serverlinie AS/400. Das Unternehmen beauftragte Soreco, für diese eine Personallösung zu schaffen. 1992 beteiligte sich IBM mit 40 Prozent an Soreco. Im gleichen Jahr sorgte IBM für einen Negativrekord: 5 Milliarden US-Dollar Reinverlust, den bisher höchsten eines US-Unternehmens überhaupt. Die Beteiligung von IBM hielt nicht lange. Bis 1997 kaufte das Soreco-Management alle Aktien von Walter Rentsch und IBM zurück.

IBMs Einfluss war aber noch lange spürbar. Die IBM-Mitarbeiter Paul Sprenger, Renato Stalder und Bruno Seiler prägten Sorecos Entwicklung massgeblich. Sie übernahmen die Firma 1993 im Rahmen eines Management-Buy-outs. Soreco entwickelte sich danach zu einem eigenständigen Softwarehaus und bot Lösungen wie Personal 400 und Finanz 400 an. "Die letzten Finanz-400-Kunden lösten die Anwendung erst letztes Jahr ab", sagte Sieber heute in Zürich. "22 Jahre nach der Veröffentlichung."

"Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt"

Mittlerweile liegt Sorecos Fokus auf Finanzapplikationen und Prozesslösungen für mittlere und grössere Unternehmen. Der Hauptsitz des Softwareherstellers ist noch immer in Schwerzenbach. Soreco hat heute rund 110 Kunden und beschäftigt etwa 30 Mitarbeiter in der Schweiz.

Der Weg war abenteuerlich. Nach der Jahrtausendwende entwickelte Soreco seine Softwarelösungen neu. 2008 begann das Unternehmen, mit der noch jungen Axon Active zu kooperieren. Soreco wurde im August 2011 von Axon Active übernommen. Per 1.1.2015 lagerte das Unternehmen Sorecos Sparte für Business Process Management in die Firma Axon Ivy aus. Rund drei Monate später wurde auch Sorecos HR-Sparte verkauft, an den Thalwiler Anbieter Personal & Informatik. Später im Jahr ging der Finanzbereich an Sieber und Wyss. Die Geschäftsleitung habe das bereits Ende 2014 erfahren. "Wir wurden damals vor vollendete Tatsachen gestellt", blickte Sieber heute auf diese Ankündigung zurück.

Der Start-up-Groove ist zurück

Im August 2015 übernahmen Sieber und der langjährige Mitarbeiter Walter Wyss Soreco schliesslich mit einem Management-Buy-out. Sieber stieg vom Leiter der Geschäftseinheit Finance zum CEO und Verwaltungsratspräsidentenen auf. Wyss leitete vor dem Deal den Kundenservice, nun verantwortet er den Verkauf. Der bisherige CEO Renato Stadler behielt eine Beteiligung an Sorecos Aktienkapital.

Der erneute Management-Buy-out brachte Herausforderungen mit sich. Der Jahresabschluss sei herausfordernd gewesen. Soreco nutzte zudem eine gemeinsame Server- und Telefoninfrastruktur mit Axon Active. Die Übergangsphase sei noch nicht ganz abgeschlossen, sagte Sieber.

Soreco erzielte 2015 ein Umsatzwachstum im einstelligen Bereich. "Wir haben alles daran gesetzt, Kunden und Mitarbeitern Zukunftssicherheit zu vermitteln und die Kontinuität des Geschäfts zu garantieren", so Sieber. Abgänge von Kunden und Mitarbeitern habe es keine gegeben. Im Gegenteil: Die Veränderungen hätten einen Motivationsschub ausgelöst. Die Identifikation mit der Firma und ihren Produkten sei gestiegen, sagte Sieber, der von einem "Start-up-Groove" sprach.

So will Soreco nun wachsen

Nun investiert Soreco in neue Software. Erste Produkte auf HTML5-Basis und für mobile Anwendungen sollen 2017 kommen. Weiteres Wachstum sollen Cloud-Partnerschaften und neue Marktsegmente wie Enterprise Content Management (ECM) bringen. Soreco schloss dafür bereits eine Kooperation mit Adeon, dem Schweizer Generalvertreter des deutschen Softwareanbieters D.velop. 

Sieber sieht im Schweizer ECM-Markt Nachholbedarf. Neue Prozesslösungen sollen es Soreco zudem ermöglichen, sich im Markt zu differenzieren. Ein Beispiel sind Kreditorenprozesse mit intelligenten Workflow- und Archivlösungen. Die Entwicklung will Soreco über das Lizenzgeschäft hinaus mit dem Ausbau von Wartungsverträgen und neuen Dienstleistungen sicherstellen. Das Schweizer Entwicklungsteam soll zudem mit dem von Axon Active in Vietnam zusammenarbeiten.

Bei Finanzsoftware sei die Kundenbindung sehr eng, sagte Sieber. Davon profitiere Soreco. Das Unternehmen wolle nun aktiv auf dem Markt auftreten und "nicht bloss warten, bis der nächste Käufer kommt". Sieber ist froh, dass die Firma ihren Namen behalten konnte. Soreco werde nun einen Fokus auf seinen Servicebereich legen und von Folgeaufträgen in der Finanzabteilung profitieren.

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