Women in Tech - Podium mit Jaqueline Badran, Nationalrätin SP & Zeix

"In der IT braucht es viele Fähigkeiten, die allgemein Frauen zugeschrieben werden"

Uhr | Aktualisiert

Frauen stellen auch in der Schweizer IT-Branche immer noch die Minderheit dar. Das vorherrschende "Nerd-Image" scheint viele Frauen davon abzuschrecken, sich für einen Informatikberuf zu entscheiden. Jaqueline Badran, Nationalrätin SP, Geschäftsleitung & User Experience Architect von Zeix sprach über diese Problematik in Schweizer IT-Unternehmen.

Jacqueline 
Badran Nationalrätin SP, Geschäftsleitung & User Experience Architect, Zeix (Source: zVg)
Jacqueline 
Badran Nationalrätin SP, Geschäftsleitung & User Experience Architect, Zeix (Source: zVg)

Wie haben Sie Ihren beruflichen Werdegang in der IT-Branche als Frau erlebt?

Jaqueline Badran: Ich habe eigentlich nie direkte Diskriminierung erlebt; vielleicht war da ab und zu ein subtiles Misstrauen da, wenn es um Hardcore-Techie-Fragen ging. Da traut man eher Männern.

Was machen Sie, um mehr Diversität/Frauen in Ihrer Organisation zu fördern?

Eigentlich nichts. Ich rekrutiere Menschen komplett unvoreingenommen, was Geschlecht oder sexuelle Orientierung angeht. Dann ergibt sich Diversität quasi von alleine. Unsere Firma hat aber schon immer Frauen stark angezogen, weil bei uns die User-Experience, der Nutzen und die kommunikativen Funktionen von digitalen Produkten im Vordergrund steht. Und weil wir ein ausgesprochen angenehmes Betriebsklima haben.

Warum sind Ihrer Meinung nach die bisherigen Initiativen zur ­Förderung von Frauen in der IT-Branche wenig erfolgreich?

Weil sie zu stark auf das Bild setzen, dass IT angeblich eine Nerd-Veranstaltung von lauter Programmierern ist, die autistisch an ihren Computern vor sich hinarbeiten. Man sagt den Frauen: "Hey, werdet auch so, ihr könnt das auch!" Das ist nicht besonders animierend für Frauen. Frauen tendieren mehr zu sinnstiftenden Arbeiten, wo sie mit Menschen in Kontakt treten. Genau das hat die IT ja vor allem zu bieten, gerade wenn die Rollenverteilung nicht zerstückelt ist.

Welchen Rat geben Sie Frauen, die in der IT Karriere machen wollen?

In der IT braucht es viele Fähigkeiten, die allgemein Frauen zugeschrieben werden. Es braucht zum Beispiel viel Empathie und Einfühlungsvermögen in Businessprozesse und vor allem in die Bedürfnisse und Kenntnisse der User und Kunden. Im Konzept- und Design-Bereich – im weitesten Sinne – kreieren wir schliesslich in der IT riesige virtuelle Räume und Welten. Dazu braucht es ausgesprochen kreative und synthetische Kompetenzen. Diese schöpferischen Anforderungen im IT-Entwicklungsprozess sollten Frauen vor Augen haben und nicht die des klischeehaften Programmier-Nerds. Wir arbeiten bereits aktiv mit verschiedenen Institutionen zusammen, um diese Klischees bei Kindern und Jugendlichen zu durchbrechen.

Die Arbeitswelt ändert sich, auch in der IT. Werden sich dadurch die Chancen für Frauen verändern?

Ja, davon bin ich überzeugt. Aber erst dann, wenn man die übliche und überkommene Rollenverteilung zwischen Businessanalyst, Requirement-Engineer, UX-Experte, UX-Designer, Projektleiterin usw. endlich aufgibt und in ein und derselben Person vereint. Dann werden empathische, neugierige, kreative, komplexitätsbewältigende – also weiblich besetzte Eigenschaften gefragt sein.

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