"Smart Home Forum 2019"

Hier wohnt das Internet der Dinge

Uhr | Aktualisiert

Das "Smart Home Forum 2019" hat sich dem Internet der Dinge mit all seinen Chancen und Gefahren gewidmet. Um die 300 Branchenkenner kamen in Basel zusammen. Ohne Vernetzung gibt es kein smartes Gebäude.

Podiumsdiskussion beim Smart Home Forum 2019 (Source: Netzmedien)
Podiumsdiskussion beim Smart Home Forum 2019 (Source: Netzmedien)

Das diesjährige "Smart Home Forum" hat am 7. März unter dem Titel "Smart Home in a connected world" im Congress Center Basel stattgefunden. Der Themenschwerpunkt lag auf dem Internet der Dinge (IoT). Insgesamt erschienen 280 Teilnehmer, 17 Referenten und 26 Aussteller. Nach einer kurzen Begrüssung durch Moderator Henning Fuhrmann, Head Pre-Development, Siemens Building Technologies, startete die Fachtagung mit der ersten Key Note.

"From Show to Know"

Markus Kramer von der Cass Business School London sprach darüber, wie sich die Kommunikation im Lauf der Zeit verändert hat und welcher Wertewandel damit einher ging. Wenn jemand physisch nicht anwesend sein könne, bedeute dies in Zeiten von Whatsapp und Snapchat nicht mehr, dass er auch von der Konversation ausgeschlossen sei.

Die Selbstverwirklichung sei durch die Technologie viel einfacher geworden. Dafür sei die Frage nach der Sinnhaftigkeit zuletzt viel mehr ins Zentrum gerückt. Menschen strebten weniger nach äusserlich sichtbaren Prestigeobjekten, sondern mehr und mehr nach Funktionalität und innerem Status.

In Bezug auf das Smarthome bedeute dies, dass die Technologie flexibel und die Bedienung intuitiv sein sollten. Das Gebäude müsse so smart sein, dass es den Bewohner verstehe. Die Steuerung bilde die Verbindung zwischen menschlicher Emotion und Technologie. Der Mensch müsse dabei im Mittelpunkt stehen, und nicht die Technologie.

Markus Kramer von der Cass Business School in London (Source: Netzmedien)

"Verlieben Sie sich nicht in Ihr Gadget"

Anna Stettler von der Schweizerischen Post knüpfte an Kramers Vortrag an. Hersteller sollten sich auf das Problem fokussieren, das sie lösen wollten und nicht an etwas festhalten, das niemandem etwas bringe. "Verlieben Sie sich nicht in Ihr Gadget", legte sie dem Publikum ans Herz.

Die Vision von Post Immobilien sei Digital Building. Die Post nutze verschiedene Daten-Pools. Dazu gehörten von IoT-Sensoren gesammelte Datensets, Open Data und Daten, die die Post selbst erhebe. Diese Daten würden genutzt, um die Dienstleistung der Post zu einem Service on Demand zu transformieren. "Wichtig ist, dass die Daten uns gehören, damit wir sie weiterverwenden können", sagte Stettler.

Anna Stettler von der Schweizerischen Post (Source: Netzmedien)

Erfolgsfaktoren für eine sinnvolle Smarthome-Lösung

Ivo Bracher von der Bonainvest nannte Kriterien für eine sinnvolle Smarthome-Lösung. Dazu zählten eine hohe Standortqualität (Infrastruktur, Marktnachfragepotential), Nachhaltigkeit (z.B. Hindernisfreiheit), Individuelle Dienstleistungen und Vernetzung – digital sowie sozial.

"Das Wort "smart" wird im heutigen Sprachgebrauch inflationär verwendet". So leitete Reiner Hoffmann von der Firma Feller seinen Vortrag ein. Unzählige Lösungen von verschiedenen Anbietern koexistierten heute auf dem Markt. Vernetzung sei das Zauberwort, denn die Hardware rücke allmählich in den Hintergrund und eine intelligente Software-Integration werde immer wichtiger.

Ein Anbieter solcher Gesamtlösungen ist zum Beispiel die Swisscom. Der Telko lanciere keine eigenen Smarthome-Produkte mehr, sondern vernetze bestehende von anderen Herstellern. Dies gab Raphael Börlin von der Swisscom in seinem Vortrag kund. Auch Börlin hob hervor: Erfolgskriterien seien eine einfache Bedienung, Transparenz, niedrige finanzielle Einstiegshürden und eine interaktive Installation. Der Fokus solle auf der Anwendung liegen und nicht auf der Hardware.

Ivo Bracher von Bonainvest (Source: Netzmedien)

In der Einfachheit liegt der Schlüssel

Auch Werner Roth von der Firma Probus Technik betonte: Wird die Bedienung zu komplex, wirkt sich dies zum Nachteil von Flexibilität und Komfort aus. Hersteller müssten nachvollziehbare Funktionen schaffen.

Es sei besser, standardisierte Systeme zu verwenden, die von mehreren Herstellern unterstützt würden. Bei Verwendung unzähliger Subsysteme habe man sonst ein Problem, wenn ein einzelnes Modul defekt sei. Ausserdem sei es wichtig, dass das Smarthome auch ohne Smartphone bedient werden könne – für Besucher oder im Falle eines Systemausfalls.

Dem Haus Empathie beibringen

Dieter von Arx, ebenfalls Moderator des "Smart Home Forum" und Head of iHomelab Visitor Center, sieht einen Trend in der modularen Gestaltung der Wohnstätten. Der Raum passe sich durch Building Intelligence den Bedürfnissen der Bewohner an und auch generationenübergreifendes Wohnen werde immer populärer.

Von Arx betonte, dass vernetzt nicht unbedingt intelligent bedeute. Erst durch benutzerangepasste Services würde das Haus intelligent. Der Algorithmus müsse also so programmiert sein, dass er dynamisch bleibe. Dies ermögliche es dem Bewohner, dem Haus beizubringen, auf seine Bedürfnisse einzugehen und sozusagen empathisch zu werden.

Von Arx sehe aber auch eine Gefahr der Technikgläubigkeit. Natürlich dürfe man den Sensoren des Hauses nicht mehr Glauben schenken als den menschlichen Sinneswahrnehmungen. Der gesunde Menschenverstand sollte auf keinen Fall ausgehebelt werden.

Dieter von Arx, Head of iHomelab Visitor Center und Co-Moderator des "Smart Home Forum 2019". (Source: Netzmedien)

Chance auf mehr Energieeffizienz

Auch in Sachen Energieeffizienz und Photovoltaik birgt das Smarthome Potential. Um den Verbrauch zu optimieren, werden detaillierte Daten benötigt. Ausserdem kann eine intelligente Wärmespeicherung ins System übernommen werden. Durch Visualisierung des Verbrauchs – beispielsweise in einer App – wird er für Kunden transparent und regt zum Sparen an.

Wie Nina Munzke vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ausführte, gilt für Photovoltaik-Heimspeichersysteme folgendes: Je höher der Wirkungsgrad, desto geringer der Eigenverbrauch des Systems.

Nina Munzke vom KIT (Source: Netzmedien)

Sicherheit – mehr als ein Spiel mit der Angst

Wie wichtig der Sicherheitsaspekt im Smarthome ist, hob Daniel Berchtold von Hooc hervor. Mit Suchmaschinen wie Shodan könnten beispielsweise alle Webcams eines spezifischen Herstellers, die mit dem Internet verbunden sind, gefunden werden. Viele seien lediglich mit Standardpasswörtern geschützt.

Wenn ein mit dem IoT verbundenes Gerät schlecht geschützt ist, sei das gesamte System eines Hauses gefährdet. Die wichtigsten Präventionsmassnahmen seien sichere Passwörter, regelmässige Security-Updates, Verwendung vertrauter Hardware, Einsatz einer Firewall und die Verschlüsselung des Zugriffs von Aussen, beispielsweise durch einen VPN.

Der Sicherheitsaspekt ist einer der Gründe, warum Schweizer dem Smarthome bisher eher skeptisch gegenüberstehen. Lesen Sie hier mehr dazu.

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