Urs Hölzle stellt auf "on"

Googles Cloud startet in der Schweiz, aber nicht für alle

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Googles Technik-Chef Urs Hölzle hat in Zürich den Startschuss zur Cloud-Region Schweiz gegeben. Das Unternehmen stellte Kunden, Partner und die Vorzüge seines Cloud-Angebots vor. Alle Fragen und Antworten zum Start.

Urs Hölzle, Kirill Tropin, Geographic Expansion Product Manager, und Christian Sciullo, Country Manager CH/AT Google Cloud. (Source: Google LLC/Lars Hübner)
Urs Hölzle, Kirill Tropin, Geographic Expansion Product Manager, und Christian Sciullo, Country Manager CH/AT Google Cloud. (Source: Google LLC/Lars Hübner)

Google hat heute morgen in Zürich den Startschuss für seine 19. Cloud-Region (europe-west6) gegeben. Es handle sich dabei um die "wichtigste Region in Europa", sagte Googles Senior Vice President Technical Infrastructure Urs Hölzle. Zusammen mit Christian Sciullo, Country Manager CH/AT bei Google Cloud, legte er den Schalter für das neue Angebot auf "on". Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Start.

Was bietet die Schweizer Google-Cloud?

Die Region "Zurich" von Google umfasst 3 Zonen und mehrere Netzwerkknotenpunkte im Raum Zürich, wie Hölzle sagte. Auf Basis der Google Cloud Platform (GCP) ermögliche sie Kunden Compute, Data Management, App-Entwicklung, Storage, Data Analytics sowie Collaboration- und Networking-Services aus der Cloud zu beziehen. All das mit einer von 17 auf 9 Millisekunden verringerten Latenz im Vergleich mit Googles Cloud-Region Frankfurt.

Hölzle hob besonders die Fähigkeiten der Google Services Platform (GSP) hervor. Mit ihr könnten Unternehmen eigene Applikationen und Cloud-Services erstellen, die sowohl auf On-Premises-Systemen, wie auch in der Google-Cloud laufen. Die Migration bestehender Projekte in die Cloud sei damit einfacher. Da das US-Unternehmen hierbei ganz auf Open-Source-Software setze, sei auch die Zukunftssicherheit garantiert.

Was plant Microsoft für seine Azure-Region Schweiz? So weit wie Google ist das Unternehmen aus Redmond noch nicht, verriet aber Mitte Februar im Zürcher Pop-up-House einige Details.

Was bietet die Schweizer Google Cloud nicht?

Die Cloud-Region Zurich umfasst zum Start nur das Angebot der GCP. Die G-Suite mit Cloud-Anwendungen wie Gmail oder Google Docs läuft auch in Zukunft nicht in der Schweiz, wie Hölzle auf Anfrage sagte. Nutzer der G-Suite würden deshalb keinen Unterschied bemerken. Er wollte allerdings nicht ausschliessen, dass auch die G-Suite dereinst auf der Schweizer Infrastruktur laufe.

 

Urs Hölzle war aus dem Silicon Valley nach Zürich gereist. (Source: Netzmedien)

 

Warum ist die Google Cloud für Schweizer Firmen interessant?

Hölzle warb mit folgenden Punkten für das Angebot:

  • Das Unternehmen habe eine ganze Palette von Massnahmen im Einsatz, welche seine Cloud besonders sicher machen sollen. Ein eigener Chip in den Servern solle etwa die Ausführung schädlichen Codes erkennen und verhindern.

  • Die in der Google Cloud gespeicherten Daten stünden unter der Kontrolle des Kunden. Google sei nur der Betreiber der Infrastruktur. Zudem werde alles verschlüsselt.

  • Google verfüge über das weltweit beste Cloud-Netzwerk, da das Unternehmen selbst schon früh für die eigenen Services auf eine flexible Serverinfrastruktur gesetzt habe.

  • Der Kunde könne wählen, wo er seine Daten gespeichert haben möchte, also ob er sie nur in der Schweiz oder auch in anderen Google-Standorten halten möchte.

  • Google sei in den Bereichen Machine Learning und Analytics führend, die für die digitale Transformation von entscheidender Bedeutung seien.

  • Die Cloud sei klimaneutral, da Google sie mit Strom aus erneuerbaren Energien betreibe, beziehungsweise solchen Strom in grossem Umfang kaufe. Damit könnten Unternehmen ihren CO2-Fussabdruck reduzieren.

Was kostet die Schweizer Google-Cloud?

Dazu machte Google noch keine Angaben. Der Anbieter stellt auf seiner Website sowohl eine allgemeine Preisliste für die GCP wie auch einen Preisrechner bereit. Ob diese bereits für die Region Zürich up-to-date gebracht wurden, ist allerdings unklar.

Welche Kunden konnte Google schon an Land ziehen?

Das Interesse an der Schweizer Cloud sei generell gross, etwa aus der Finanzbranche, sagte Hölzle. Als Kunden aus diesem Wirtschaftsbereich stellte Sebastien Marotte, VP Google Cloud, die Credit Suisse vor. Die Bank war mit Group Chief Architect Stephan Hug Gast beim Start-Event. Der Google-Cloud-Start sei ein wichtiger Meilenstein für die Credit Suisse, sagte Hug. "In einigen Jahren wird ein grosser Teil unserer Apps in der Cloud laufen."

Die Schweiz sei als Standort mit innovativen Firmen in verschiedenen Branchen ein attraktiver Markt für Google, so Marotte. Sie wolle das Unternehmen dabei unterstützen, Hybrid-Cloud-Umgebungen zu managen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und das Beste aus ihren Daten herauszuholen. Weitere Schweizer Kunden der GCP seien unter anderem Roche, Valora, Quickline, Ricardo, Swisscom, Migros und Ringier (siehe Foto).

 

Cloud-Kunden von Google in der Schweiz. (Source: Netzmedien)

 

Mit welchen Partnern arbeitet Google zusammen?

Google betreibe in der Schweiz kein Rechenzentrum im eigentlichen Sinn, sagte Hölzle. Stattdessen arbeite das Unternehmen für Rechenleistung und Netzwerkinfrastruktur mit lokalen Partnern zusammen. Welche das seien, sagte Hölzle nicht explizit. In seiner Keynote erwähnte er aber Interxion und Equinix. Sebastien Marotte zeigte ausserdem eine Übersicht von Partnerfirmen. Darunter sind etwa Zühlke, Bechtle, SAP, Nine Internet Solutions, Computacenter, Rackspace und Sunrise (siehe Foto).

 

Die Partner der Schweizer Google-Cloud. (Source: Netzmedien)

 

Für die Kunden sei sichergestellt, das etwa virtuelle Maschinen unabhängig vom Rechenzentrums-Standort ohne Unterbruch auf andere Hardware verlagert werden könne. Google wolle nach dem Start der Cloud-Region in der Schweiz ausserdem weiter wachsen. Der personelle Ausbau finde allerdings nicht im Hardware-Bereich statt. Es handle sich um Arbeitsplätze in den Bereichen Verkauf und Kundenbetreuung.

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