Zürcher Start-ups benachteiligt

Google verschärft den Kampf um Fachkräfte in der Schweiz

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Der Kanton Zürich bevorzugt Google: Der Suchmaschinenanbieter beansprucht fast 40 Prozent des kantonalen Drittstaatenkontingents, wie eine Auswertung des "Tagesanzeigers" zeigt. Zürcher Start-ups haben im Wettbewerb um Talente das Nachsehen.

(Source: Arthur Osipyan / Unsplash.com)
(Source: Arthur Osipyan / Unsplash.com)

Die Zürcher Niederlassung von Google belastet das Kontingent der Fachkräfte aus Drittstaaten überdurchschnittlich stark, wie eine Auswertung des "Tagesanzeigers" zeigt. Den Ergebnissen zufolge beansprucht Google fast 40 Prozent des kantonalen Drittstaatenkontingents. Dieses belief sich im vergangenen Jahr auf 641 Bewilligungen.

Die Jagd nach Fachkräften aus Drittstaaten dauert jeweils von Januar bis April, wie es im Bericht weiter heisst. Bis dahin seien die Kontingente des Kantons meistens erschöpft und Unternehmen müssten auf Bundesreserven hoffen. Dabei gelte die Faustregel: Grosskonzerne wie Google bekämen ihre Anträge problemlos bewilligt, Start-ups blieben hingegen aussen vor.

Kanton bevorzugt Grosskonzerne

"Grosse Unternehmen werden klar bevorzugt", lässt sich FDP-Ständerat Ruedi Noser im Bericht zitieren. Jacqueline Badran, SP-Nationalrätin, Geschäftsführerin und User Experience Architect bei Zeix, geht davon aus, dass Google einen Grossteil des Drittstaatenkontingents ausschöpfe. "Ein Start-up hat praktisch keine Chance, an solche Fachkräfte zu kommen."

Irene Tschopp, Sprecherin vom Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), entgegnet: "Die Gesuche aller Firmen werden nach dem Gleichbehandlungsprinzip geprüft." Das stimme jedoch nur bedingt: Der Kanton bevorteile grosse Unternehmen wie Google, indem er sie aktiv danach frage, wie hoch ihr Bedarf an Spezialisten sei. Die Gesuche der Grosskonzerne würden fast ausnahmslos bewilligt, berichtet der "Tagesanzeiger" unter Berufung auf Brancheninsider.

Begrenzter Spielraum

Für Zürcher Jungunternehmen sei es deutlich schwieriger, Fachkräfte aus Drittstaaten anzuwerben. Oftmals scheiterten Start-ups an den Finanzen: Das AWA schreibe den Start-ups Lohnzahlungen vor, die für die Jungunternehmer zu hoch seien.

"Das AWA kennt die Problematik", sagt Tschopp. Trotzdem seien dem Kanton die Hände gebunden: Der Bund hat bisher keine Bestimmungen erlassen, die eine Privilegierung von Start-ups erlauben würde. Die bisherigen Motionen für eine Beseitigung des Fachkräftemangels scheiterten auf Bundesebene.

Für die Auswertung untersuchte der "Tagesanzeiger" knapp 1200 Linkedin-Profile von Zooglern. So nennen sich die in Zürich niedergelassenen Mitarbeiter von Google. Die meisten von ihnen kämen aus einem EU-Staat. Jeder dritte Mitarbeiter stammt aus einem Land ausserhalb Europas. Auf Anfrage wollte Google die Zahlen gegenüber dem "Tagesanzeiger" weder dementieren noch bestätigen.

Kürzlich feierte Google sein 15-jähriges Bestehen in der Schweiz. An einem Medienanlass zeigte das Unternehmen, was es in Zürich alles anstellt und woran die Zoogler gerade arbeiten. Lesen Sie hier mehr dazu.

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