Porträt: Knowledge Lab

Auf der Suche nach dem Datenschatz der Banken

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Banker zu sein, war nichts für ihn. Aber die Kombination aus Banking, Ökonomie und Technologie – die hat Peter Häusermann auf die entscheidende Idee gebracht. Mit seiner Firma Knowledge Lab will er nun zeigen, wie man aus Daten neue Geschäftsmodelle entwickelt.

Peter Häusermann, Gründer und CEO von Knowledge Lab, neben dem Schrank, in dem das "eigentliche Labor" drinsteckt. (Source: Netzmedien)
Peter Häusermann, Gründer und CEO von Knowledge Lab, neben dem Schrank, in dem das "eigentliche Labor" drinsteckt. (Source: Netzmedien)

Banken wollen mit der Digitalisierung vor allem Kosten sparen. Doch es liegt mehr drin. Davon ist Peter Häusermann überzeugt. Der Gründer und CEO von Knowledge Lab verfolgt ein ambitioniertes Ziel. Mit einem Team aus ehemaligen Wissenschaftlern und Softwareentwicklern will er die Informatikabteilungen von Banken verändern – vom Kostenblock zum Wertschöpfungsfaktor.

Es ist Mittwochnachmittag, Mitte Oktober, kurz nach dem Startschuss für das zukünftige Kerngeschäft von Knowledge Lab: Data Science Services für Banken.

Die Winkekatze wacht über dem Labor

Drei Jahre hatte Häusermann auf diesen Moment hingearbeitet. Er sitzt an einem weissen Tisch, die Hände locker über einem Moleskine-Notizbuch gefaltet. Hinter ihm hängt ein Whiteboard voller Formeln und Skizzen. Gleich daneben winkt eine goldene Glückskatze. Sie hockt auf einem unscheinbaren, hüfthohen Schrank. "Das ist das eigentliche Labor", sagt Häusermann.

Im Schrank verstecken sich drei Server. Häusermann schwärmt davon, was alles drinsteckt: eine komplette Entwicklungsumgebung, ein Kernbankensystem, Web-Banking, Firewall … "Manchmal erschrecke ich, wenn ich daran denke, wie viel wir allein in die Infrastruktur investiert haben. Aber ich habe grosse Freude daran." Das hätte er wohl nicht gedacht, als er seine Karriere begann.

Vom Bänkler zum Fintech-Gründer

"Angefangen habe ich als klassischer Bänkler", sagt er. Erst die Lehre bei der Kreditanstalt, heute Credit Suisse, die Matura nachgeholt, ab an die Uni Zürich und nach dem Ökonomie-Studium zurück in die Bank. Doch als er 2007 wieder bei der CS im Financial Reporting tätig war, habe er gemerkt: "Das ist nicht meine Welt." Häusermann vermisste die Herausforderung und das interdisziplinäre Arbeiten, wie er es von der Uni kannte.

Das habe er jedoch wiedergefunden, als er zu Avaloq wechselte. Bei der Zürcher Fintech-Firma arbeitete er acht Jahre. In dieser Zeit lernte er Programmieren, Projekte zu stemmen und zu pitchen. Und sein Kindheitswunsch, sich eines Tages selbstständig zu machen, reifte von der Idee zum Entschluss heran.

Aus Daten mach Geld

Es war im Juli 2016, als Häusermann die Büros an der Zürcher Binzstrasse bezog. Er war allein, brachte nichts weiter mit als einen Laptop und ein paar Tische aus dem Second-Hand-Laden. Mit Beratungsmandaten fing er an. Als er nach einem halben Jahr die ersten Mitarbeiter eingestellt hatte, baute er das Business aus und entwickelte Software für Banken, beispielsweise Upgrades von Web-Banking-Lösungen, Robo Advisory und Code-Audits.

Heute ist Häusermann bereit, seine Gründungsidee umzusetzen. 17 Mitarbeitende hat er mittlerweile engagiert, darunter Data Scientists, UX-Designer, Software Engineers und Berater – ein vielfältiges Team mit einer gemeinsamen Mentalität, sagt Häusermann. "Im Herzen sind wir alle Entwickler." Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit den Banken datenwissenschaftliche Projekte durchzuführen. Das übergeordnete Ziel lautet, aus brachliegenden Daten neue Geschäftsfelder zu erschliessen.

Mit einigen Banken sei er schon in der Ideation-Phase, sagt Häusermann. Anschliessend ginge es in die Entwicklung und ins Deployment. So weit kam es zwar noch nicht. Aber ein paar Use Cases seien bereit. Worum es geht, verrät er nicht – streng vertraulich. "Erst müssen wir Beweise antreten." Er möchte zeigen, dass er nicht nur überzeugt ist, sondern auch liefern kann. "Ich will das Versprechen gegenüber den Kunden einhalten – das ist für mich Ehrensache", sagt er.

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