Gross, schwarz, elegant

Die teuerste Spielkonsole aller Zeiten feiert ihren 30. Geburtstag

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von Simon Dick, Watson.ch

Neo Geo, bei diesem Namen bekommen viele ältere Videospiel-Fans noch heute feuchte Augen. Denn diese Konsole war so teuer, dass sie für die meisten ein Traum blieb. Wir blicken zurück und huldigen der damaligen Super-Konsole.

Der Neo Geo AES. (Source: Evan-Amos/commons.wikimedia.org/CC BY-SA 3.0)
Der Neo Geo AES. (Source: Evan-Amos/commons.wikimedia.org/CC BY-SA 3.0)

Wir befinden uns in den frühen 90ern, in der obersten Etage des Warenhauses Jelmoli in Bern. Dort waren nicht nur die neusten Spielsachen vorhanden, sondern auch ganz zuhinterst eine kleine aber feine Videospielabteilung, welche die Blicke bei jedem Besuch auf sich zog.

Gross, schwarz, sehr teuer

Nebst den üblichen Verdächtigen aus dem Hause Nintendo und Sega stand da in einer verschlossenen Vitrine eine schwarze riesige Konsole mit der Aufschrift Neo Geo. Daneben lag ein Controller, der etwa so gross wie ein Mega Drive war. Doch statt den üblichen Knöpfen und Steuerkreuz hatte diese Steuereinheit einen wuchtigen Steuerknüppel, wie wir ihn damals nur aus den Spielhallen kannten.

Gross und wuchtig waren auch die Spielehüllen, die in der Vitrine schön aufgereiht präsentiert wurden. Kein Wunder, denn die Module konnten bis zu 716 MBit platzieren. Das war damals eine unglaublich grosse Datenmenge. Beim Anblick der Preisschilder stockte einem der Atem. Die Konsole mit einem Joystick kostete alleine um die 1000 Franken. Die einzelnen Spiele verschluckten zwischen 400 und 700 Franken. Nein, leisten konnte sich das Teenie-Ich diese wuchtige Hardware nie und nimmer. Doch die Faszination für diese exklusive Hardware ist auch bis heute noch ungebrochen.

Aus einer Idee wurde ein Kult

Die japanische Firma SNK hatte in den späten 80er-Jahren eine Idee: Spielhallenbesitzer mussten damals ständig komplette Arcade-Automaten einkaufen, wenn sie ein neues Spiel den Kundinnen und Kunden präsentierten wollten. Damit nicht immer die komplette Hardware ausgetauscht, sondern immer nur ein neues Spielmodul eingefügt werden konnte, entwickelte SNK das Neo Geo MVS-Gerät. Mit diesem Multi Video System war es sogar möglich, dass man je nach Typ bis zu sechs verschiedene Spiele gleichzeitig platzieren konnte. Dadurch sparten die Spielhallenbetreiber nicht nur Geld, sondern auch Zeit.

SNK ging noch einen Schritt weiter: Das ganze Videospielsystem bekam zusätzlich eine Heimversion. Das Neo Geo AES (Advanced Entertainment System) war dazu gedacht die damals opulenten Spielhallentitel auch im heimischen Wohnzimmer zu konsumieren. In einer Zeit als man Filme noch auf VHS in Videotheken auslieh, entschied man sich dafür, das Neo Geo AES in erster Linie in solchen Läden zu verleihen. Da viele Japaner so sehr von dieser einzigartigen Konsole begeistert waren, griffen sie tief in den Geldbeutel und kauften das Gerät gleich für sich selber.

Das Neo Geo AES blieb vorerst eine Japan-Konsole. Doch schnell wurden auch die Amerikaner auf dieses exklusive Gerät aufmerksam, das Spielhallenträume verwirklichen konnte. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch in Europa die ersten Konsolen zum Kauf angeboten wurden. Den Massenmarkt konnte SNK in unseren Breitengraden nie erreichen, aber es fanden sich durchaus einige Käufer, die bereit waren sehr viel Geld auszugeben, um Arcade-Feeling pur im Wohnzimmer zu bekommen.

Ein Paradies für Prügelspielefans

Neo Geo bot hauptsächlich schnelle Actionspiele. Vor allem die in den 90er-Jahren sehr beliebten Prügelspiele waren hier stark vertreten. Nachdem Capcom mit "Street Figher 2" einen riesigen Erfolg verbuchen konnte, schossen ähnliche Titel wie Pilze aus dem Boden. Auf diesen Zug sprang SNK sofort auf und warf ein Prügelspiel nach dem anderen auf den Markt.

"Fatal Fury", "Art of Fighting" oder "King of Fighters", waren auf den ersten Blick zwar simple "Street Fighter 2"-Klone, doch mit der für damalige Verhältnisse atemberaubenden Grafik und Verfeinerungen des Gameplays waren sie das Nonplusultra der Beat’em Up-Szene. Wenn man zu jener Zeit in den diversen Videospielzeitschriften die Screenshots sah, wurde das Verlangen nach dieser Konsole noch grösser. SNK schuf schlicht ein Paradies für Prügelspielefans.

Lange, laaange Ladezeiten

SNK bemerkte natürlich, dass sich die ursprüngliche Neo Geo-Version durch den sehr hohen Preis nie so zahlreich verkaufen konnte, wie die Konkurrenz-Produkte. So brachte die Firma 1994 die Spielkonsole Neo Geo CD auf den Markt. Die Spiele auf CD waren mit der Modulversion fast alle identisch und konnten nun auch für massiv weniger Geld zuhause gespielt werden.

Doch die CD-Konsole hatte ein Problem: Das Gerät besass einen Speicher von nur 7 MB. Dadurch kam es ständig zu sehr langen Ladezeiten. Dies wirkte sich auch erheblich auf den Spielfluss aus. Das sprach sich natürlich sehr schnell herum und die Konsole wurde zum Ladenhüter. Auch wenn es später noch eine technisch aufgemotzte Version gab, wollte sich Neo Geo CD einfach nicht verkaufen. Zumal auch die Konkurrenz ihre CD-Konsolen auf den Markt brachte, die technisch doch etwas ausgefeilter waren.

SNK zog sich zurück, aber...

Trotz Hardware-Rückschlag liess es sich SNK nicht nehmen und wollte 1998 den Handheld-Markt erobern. Aber Neo Geo Pocket blieb ein Nischengerät. Der Nachfolger Neo Geo Pocket Color stand zwar technisch besser da, konnte auf dem Massenmarkt aber auch keine Wurzeln schlagen. Nach dem Jahr 2000 zog sich SNK schliesslich vom damaligen Hardware-Markt langsam zurück.

Die Marke Neo Geo blieb dennoch am Leben. Noch heute gibt es viele Fans, die versuchen ihre Kollektion zu vervollständigen und bezahlen dafür hohe Sammlerpreise. Auch wenn es nach wie vor ein Nischending ist, beim Begriff Neo Geo erinnern sich sehr viele Freundinnen und Freunde von Telespielen an den exklusiven Videospielkult von damals.

Ja, Neo Geo wurde zu einem Kult, bei dem vor allem Retro-Fans glänzende Augen bekommen und mit dem in den letzten Jahren immer wieder versucht wurde Geld zu verdienen. Ende 2012 erschien somit das Neo Geo X, eine sehr schicke Handheld-Variante mit etwa 20 vorinstallierten SNK-Games darauf. Für Sammler und Fans der Marke wahrlich ein Fest.

2018 kam das Neo Geo Mini auf den Markt. Eine Minikonsole in der Form eines kleinen Spielautomaten, wo ebenfalls SNK-Games auf ihre Wiederentdeckung warteten. Auch hier mussten Fans eine Freudenträne unterdrücken. Aber im Vergleich zur Nintendo-Konkurrenz konnten viele mit dieser kuriosen Mini-Hardware nichts anfangen.

Jüngst wurde noch der Neo Geo Arcade Stick Pro auf den Markt geworfen. Auch hier sind diverse SNK-Titel bereits vorinstalliert. Das Besondere: Die Konsole ist ein einzig grosser Joystick und somit Hardware und Steuereinheit in einem.

Aber damit nicht genug: Bereits im letzten Jahr wurde die Information im Netz verbreitet, dass eine Neo Geo-Nextgen-Konsole offiziell in der Entwicklung ist. Genaue Details sind noch unbekannt, aber schon bei dieser simplen Nachricht geht der Fan-Puls steil nach oben.

Pures Gold in unseren Augen

Die Neo Geo-Konsole hat in der Geschichte der Videospiele nüchtern betrachtet kaum eine grosse Bedeutung. Das mag der eine oder andere Hardcore-SNK-Fan natürlich anders sehen, aber die Luxuskonsole war nie für den Massenmarkt gedacht und konnte nur etwas mehr als eine Million Exemplare absetzen.

Dennoch hat diese Überkonsole der 90er-Jahre ihre kleinen Spuren hinterlassen. Sie war u.a. die erste Spielkonsole mit einem Memory-Card-Slot. Eine wichtige Bedeutung kommt der Konsole aber im Hinblick auf das Beat’em Up-Genre zugute. Was SNK den Prügelspielefans jahrelang präsentierte, war schlicht ein Traum. Die vielen wundervoll schrägen Charaktere, die abstrusen Fighting-Geschichten, die Kämpfer und Kämpferinnen in den Ring zogen, die wahrlich atemberaubende Optik und knackige Haudrauf-Effekte, das war damals pures Gold in unseren Augen.

Egal ob man sich dieses Stück Hardware leisten konnte oder nur via Videospielzeitschriften davon erfuhr, die Neo Geo-Konsole war ein Traum, die auch heute noch von ihrer Faszination nichts verloren hat.

Zum Abschluss: 20 knackige Neo Geo-Games für alle SNK-Fans...

Dieser Artikel erschien erstmals bei "Watson.ch".

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