20 Jahre Netzwoche

Eine Zeitreise durch die Schweizer Telekom-Welt

Uhr
von Ralf Beyeler, Telekom-Experte, Moneyland.ch

Wie hat sich der Telekom-Markt in den vergangenen 20 Jahren entwickelt? Telekom-Experte Ralf Beyeler vom unabhängigen Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch nimmt die Leser mit auf eine Zeitreise.

Ralf Beyeler, Telekom-Experte, Moneyland.ch (Source: zVg)
Ralf Beyeler, Telekom-Experte, Moneyland.ch (Source: zVg)

Einige Entwicklungen sind fortlaufend passiert. So haben die Anbieter die Geschwindigkeit für das Surfen im Internet von Zeit zu Zeit massiv erhöht. Vor 20 Jahren nutzten die meisten Kunden das Internet noch mit einer Geschwindigkeit von nur 0,05 MBit/s. Heute sind Angebote von 100 MBit/s weit verbreitet, von einigen Anbietern gibt es gar Angebote mit theoretisch bis zu 10 000 MBit/s.

Möglich war die Erhöhung der Geschwindigkeit mit der Einführung von neuen Technologien. Regelmässig haben die Telekomanbieter neue Technologien eingeführt. Für das Internet zuhause ermöglichten Glasfaserleitungen den gros­sen Sprung. Und im Mobilfunknetz führten die Netzbetreiber in den letzten Jahren GRPS und EDGE (beide 2G), UMTS (3G), LTE (4G) und inzwischen 5G ein. Nachfolgend die Highlights der Telekombranche der letzten 20 Jahre.

2000: Internet nur nach dem Einwählen

Wer sich heute ins Jahr 2000 zurückbeamen würde, würde staunen: Überall Nokia-Handys mit kleinen Schwarz-Weiss-Bildschirmen, auf denen junge Menschen auf einer Zifferntastatur SMS verschicken. Zur Abwechslung spielen die Nutzer noch das Snake-Spiel. Den Alleskönner Smartphone gibt es vor 20 Jahren noch nicht.

Im Jahr 2000 wählen sich die Privatkunden meist manuell ins Internet ein. Um im Internet surfen zu können, ist es notwendig, mit einem Modem eine Telefonverbindung zu seinem Internetprovider aufzubauen. Das Geräusch des Einwählvorgangs wird damals als nervig empfunden, heute ist der "Sound of Dial-up Internet" auf Youtube Kult.

Beim Surfen wird jede Minute berechnet und der Telefonanschluss kann nicht gleichzeitig zum Telefonieren gebraucht werden. Internet auf dem Handy ist im Jahr 2000 zwar bereits möglich, wird aber kaum genutzt.

Das ständige Internet kommt

Bereits im Jahr 1999 gibt es bei Cablecom – heute bekannt unter dem Namen UPC – Kabelinternet zum monatlichen Pauschalpreis. Die Verbindung zum Internet ist dabei ständig vorhanden. Im Oktober 2000 startet dann auch Swisscom ein vergleichbares ADSL-Angebot, wenn vorerst auch ausschliesslich in sieben grösseren Schweizer Städten. In den folgenden Jahren wechseln dann viele Kunden auf Kabelinternet und ADSL-Angebote.

2005: Migros und Coop mischen den Markt auf

Im Herbst 2005 steigen Migros und Coop in den Schweizer Telekommunikationsmarkt ein. Die Preise für Prepaid-Gespräche sind in diesem Jahr massiv gesunken. Gab es bis 2005 Mobilfunkangebote nur von den drei grossen Telekomanbietern Swisscom, Sunrise und Salt, beginnt 2005 die Vermarktung von Angeboten unter anderen ­Markennamen. Neben Migros und Coop wird auch Yallo lanciert.

2006: Swisscom bietet neu auch TV-Abos an

Im November 2006 bietet Swisscom erstmals ein TV-Abo an. Das Digital-TV-Angebot mischt den Schweizer Markt mit einem technologisch überlegenen Angebot auf. Heute ist Swisscom Marktführer bei den TV-Abos.

Bereits ein paar Monate vorher startete der TV-Streamingdienst Zattoo. Heute sind solche Streaming-An­gebote von verschiedenen Anbietern in der Schweiz etabliert.

2007: Das iPhone revolutioniert den Telekommarkt

Eine der wichtigsten Revolutionen im weltweiten Telekommunikationsmarkt überhaupt war die Lancierung des iPhones im Jahr 2007 durch Apple. In der Schweiz offiziell erst ab Sommer 2008 verkauft, decken sich bereits vor Verkaufsstart tausende Schweizer mit Geräten aus den USA ein.

Zahlreiche Hersteller bringen als Reaktion Smart­phones auf den Markt. Die Smartphones sind digitale Alleskönner, die heute aus dem Alltag der Schweizer nicht mehr wegzudenken sind. Mit dem Smartphone erhalten erstmals viele Kunden auch unterwegs einen ständigen Internetzugang.

Glasfaser kommt zum Kunden

Die grösste Schweizer Stadt Zürich entscheidet sich in einer Volksabstimmung dafür, ein städtisches Glasfasernetz zu bauen. In den folgenden Jahren wird das Glasfasernetz ausgebaut. Auch in anderen Schweizer Städten und Ortschaften entstehen im Laufe der Zeit Glasfasernetze.

Das Glasfasernetz bietet die schnellsten Internetanschlüsse an. Trotzdem sind heute erst rund ein Drittel aller Schweizer Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen.

2010: TV-Abos aus der Cloud

Wilmaa und Teleboy lancieren mit Replay-TV eine praktische Dienstleistung. Der Zugriff auf bereits ausgestrahlte TV-Sendungen, ohne dass die Aufnahme vorher "programmiert" werden muss. Die Aufnahmen kommen aus der Cloud.

Heute ist es selbstverständlich, dass Aufnahmen aus der Cloud gestreamt werden. Von jedem Telekomunternehmen gibt es entsprechende TV-Abos. Vor zehn Jahren waren hingegen noch Set-Top-Boxen mit eingebauter Festplatte üblich.

2012: Die Mobilfunk-Flatrates kommen

Swisscom lanciert für die breite Masse Handy-Abos, die eine Flatrate für unlimitiertes Surfen und Telefonieren in der Schweiz enthalten. Heute sind solche Handy-Abos mit einer Flatrate in der Schweiz weit verbreitet.

2014: Das Gigabit-Internet kommt

Im Mai 2014 lanciert der Winterthurer Internetprovider Init7 das Fiber7-Angebot. Zum ersten Mal erhält die breite Masse die Möglichkeit, einen sehr schnellen Internetanschluss mit einem Gigabit zu erhalten. Voraussetzung ist allerdings ein Glasfaseranschluss direkt ins Haus (FTTH). Gigabit-Anschlüsse gab es zwar bereits vorher, doch diese waren mit Kosten von rund 250 Franken für den typischen Privatkunden schlichtweg zu teuer.

2014: Netflix startet in der Schweiz

Netflix startet im Herbst 2014 in der Schweiz. Damit beginnt in der Schweiz das Zeitalter von Videostreaming-Diensten, über die zum monatlichen Pauschalpreis Filme und Serien angeschaut werden können. Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Anbieter wie Disney+ oder Sky Show für Filme und Serien oder DAZN oder Sky Sport für Live-Sport-Events.

2018: Mit Aktionen Kunden gewinnen

Einige Schweizer Telekomanbieter entdecken Aktionsangebote. Insbesondere Salt, Yallo, Lebara und UPC werben mit starken Rabatten um neue Kunden. Rabatte von 50 Prozent und mehr sind dabei keine Seltenheit. Viele Aktionen laufen nur für kurze Zeit und werden kurz danach durch eine andere Aktion ersetzt.

2019: Die sehr grossen Roaming-Pakete kommen

Für Ferienreisende, die auch im europäischen Ausland immer online sein wollen, bieten Sunrise, Yallo und Lebara Pakete mit 40 GB Datenvolumen an. Andere Anbieter wie Swisscom oder Salt bieten ihren Kunden leider keine so grossen Datenpakete an.

Für Kunden, die regelmässig im Ausland unterwegs sind, gibt es von vielen Anbietern Abos mit Inklusiv-Roaming im europäischen Ausland. Diese Abos sind jedoch nicht für den typischen Ferienreisenden geeignet. Wer oft Freunde oder Familie im Ausland besucht oder auf Geschäftsreise ist, profitiert jedoch von diesen Abos.

Zur Person

Ralf Beyeler ist Telekom-Experte beim unabhängigen Online-Vergleichsdienst moneyland.ch. Beyeler beobachtet den Schweizer Telekom-Markt seit dessen Liberalisierung im Jahr 1998 und gilt als sehr guter Kenner des Schweizer Telekom-Marktes. Seine kritischen Analysen sind bei Konsumenten, Journalisten und Anbietern gefragt. Beyeler twittert unter @ralfbeyeler aktiv. Moneyland.ch ist ein Online-Vergleichsdienst für Banken, Versicherungen, Krankenkassen und Telekom-Produkte.

Webcode
DPF8_183056

Kommentare

« Mehr