Stiftung Warentest

Bei Huawei-Handys ohne Google-Dienste hapert es

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Stiftung Warentest hat Huawei-Smartphones ohne Google-Dienste geprüft. Der Test zeigt: Ohne Google hapert es. Aber Huawei kontert: Der Test fokussiert zu stark auf Google-spezifische Angebote und lässt die Alternativen des Herstellers aussen vor.

(Source: Stiftung Warentest)
(Source: Stiftung Warentest)

Google hat die Geschäfte mit Huawei abgebrochen. Nun müssen Huawei-Nutzer ohne Google-Dienste auskommen. Stiftung Warentest nahm erstmals Huawei-Smartphones ohne Googles Infrastruktur unter die Lupe. Wie der Test der Verbraucherorganisation zeigt, hakt es ohne Google-Services ganz schön. Huaweis eigene App-Gallery lässt zu wünschen übrig und viele beliebte Apps funktionieren ohne Google einfach nicht. Die Situation sei derzeit unbefriedigend.

Auf Anfrage sagt Huaweis PR-Manager Pascal Landolt zum Test: "Der Test fokussiert sich sehr stark auf Google-spezifische Angebote und lässt die Huawei-eigenen Alternativen fast gänzlich aus." Das sei natürlich nicht vollständig, und viele Kunden verliessen sich auch hierzulande nicht nur auf Google-Angebote, sondern nutzten ihrerseits bereits Alternativen. Ausserdem merkt der Konzern an, dass Geräte wie das Mate 20, P30 oder P20, die vor dem Herbst 2019 lanciert wurden, nach wie vor über Google Mobile Services (GMS) verfügen.

App-Gallery lässt zu wünschen übrig

Huawei-Nutzer müssen bei den neuen Geräten auf Apps wie Maps, Gmail und den Playstore verzichten. Huawei will dieses Problem mit einem eigenen App-Store, der App-Gallery, lösen. Laut Stiftung Warentest stehen dort allerdings viele beliebte Apps gar nicht zum Download bereit. Whatsapp etwa lasse sich nicht direkt aus der App-Gallery herunterladen. Stattdessen verweise der Store auf die Download-Seite von Whatsapp selbst.

Zoom tauche gleich zweimal auf. Einmal als Link auf die Anbieterseite und einmal mit dem gleichen App-Icon als Direktdownload. Hinter der zweiten Version verberge sich allerdings nicht das Programm, sondern eine Werbe-App. Wer in der App-Gallery nach Instagram suche, werde auf deren mobile Website umgeleitet. Dort wiederum wird gemäss Stiftung Warentest die Nutzung der App empfohlen und auf den Google-Playstore verwiesen - für Huawei-Kunden also völlig nutzlos.

Laut Landolt können Nutzer in der Schweiz ihre liebsten Apps wie Whatsapp, Instagram, Snapchat, Telegram, Twitter und weitere ohne Einschränkungen nutzen. Die Huawei App-Gallery sei bereits die drittgrösste Plattform für Apps weltweit und wachse weiterhin. "Natürlich ist die Verfügbarkeit von bestimmten Apps immer auch ein 'Work in Progress', an dem Huawei unermüdlich weiter arbeitet. Zusätzlich zur App-Gallery verfügt jedes Huawei-Smartphone auch über das 'Apps Finden'-Widget, der 'Petal Search', auf dem Home-Screen", sagt Huaweis PR-Manager. Über dieses Widget könnten ausser News, Bildern, Videos und anderen Inhalten auch Apps gesucht werden. Apps, die noch nicht in die App-Gallery integriert seien, liessen sich so von anderen Portalen herunterladen, wie es für Android-Nutzer seit jeher möglich sei.

Beliebte Apps funktionieren nicht

Auch Apps aus alternativen Quellen zu beziehen, hilft laut Stiftung Warentest nur eingeschränkt. Viele Apps greifen nämlich auf die von Google bereitgestellte Infrastruktur zurück. Wie der Test zeigt, funktionieren diese auf Huawei-Geräten nur eingeschränkt oder gar nicht.

Als Beispiel nennt die Verbraucherorganisation die Apps von Zeit Online und Tagesschau. Im Test seien diese immer wieder abgestürzt und lieferten gar keine Benachrichtigungen. Auch Netflix und Ebay liessen sich nicht einmal starten. Das gleiche geschehe bei Apps wie Lyft oder Uber, da diese Google Maps einbinden.

Fazit der Tester: Der Verbraucher verliert

Die Verbraucherorganisation bewertet die momentane Situation mit Huawei-Geräten als unbefriedigend. Denn der Verlierer dieser Entwicklung sei am Ende der Verbraucher. Laut Stiftung Warentest ist dies umso ärgerlicher, da Huawei eigentlich eine ernsthafte Alternative zu Marktführern wie Apple und Samsung ist.

"Nutzer können und sollen selber entscheiden, welche Geräte mit welchen Funktionen ihnen am ehesten entsprechen", sagt Huawei zum Fazit der Tester. "Wir bieten unseren jetztigen wie auch zukünftigen Nutzern im Internet alle Informationen, damit sie sich umfassend über die Huawei Mobile Services und App-Gallery informieren können." Huawei arbeite unentwegt daran, seinen Nutzern laufend neue Funktionen und Möglichkeiten zu bieten. "Wir sind einverstanden mit dem Assessment, dass Kunden grundsätzlich immer von mehr globaler Vernetztheit und Kooperation von Anbietern weltweit profitieren. Gewisse aktuelle Entscheidungen sind auch ausserhalb unseres Einflussbereichs", sagt Landolt.

Huawei bleibt offen für Google-Zusammenarbeit

"Huawei bleibt weiterhin offen für eine Zusammenarbeit mit Google - wie auch mit allen anderen Anbietern weltweit", sagt Landolt weiter. "Wir sind der Überzeugung, dass echte Innovation entsteht, wenn Unternehmen grenzüberschreitend miteinander kooperieren und gemeinsam Lösungen entwickeln können." Deshalb lebe Huawei eine offene und gleichberechtigte Kooperation mit seinen Partnern.

Stiftung Warentest hat kürzlich 29 Handys unter die Lupe genommen. Lesen Sie hier, wieso die Verbraucherorganisation von den meisten Handy-Kameras nicht überzeugt ist.

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