Fachbeitrag

Fintechs und Banken: Partnerschaft statt Konkurrenzkampf

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von Simone Franzke, Content Editor bei Loanboox

Sie sind ausgezogen, um den etablierten Banken den Kampf anzusagen – das ist noch immer das gängige Klischee von Fintechs. Doch die Erfolgreichen unter ihnen haben begriffen, wie wichtig Partnerschaften im Markt sind, ohne dass man dafür seine Prinzipien aufgeben muss.

Disruptiv, revolutionär, unaufhaltsam - es muss ein wenig martialisch klingen, wenn junge Unternehmen mit guten Ideen und neuen Konzepten den Finanzmarkt erobern wollen. Und es ergibt in gewisser Weise auch Sinn, denn wer leise und durch die Hintertür auf die Bühne tritt, bekommt weniger Aufmerksamkeit. Der Öffentlichkeit gefällt das Bild vom kleinen, wendigen und innovativen David, der gegen den grossen, schwerfälligen und veralteten Goliath antritt. Dabei verliert man manchmal ein wenig aus den Augen, worum es eigentlich geht: den Kundennutzen.

Der Markt für solche Partnerschaften ist da

Auch viele Banken, Versicherungen und Unternehmen wollen kundenorientierter, effizienter und agiler werden. Es gibt vielleicht sogar schon eine Digitalisierungsstrategie in der Schublade, die darauf wartet, umgesetzt zu werden. Aber jahrzehntelang gewachsene Strukturen und interne Regulierungen machen diesen Entwicklungsprozess nicht gerade einfach. Branchenspezifische Erfahrung und exzellente Marktkenntnis bleiben so vielfach ungenutzt. Und was brauchen die Kunden?

Nehmen wir als Beispiel die Finanzierung von Gemeinden und Grossunternehmen. Für sie ist es gerade in diesen Zeiten wichtig, in denen ihnen durch die Coronakrise Teile der Steuereinnahmen wegbrechen oder eine unsichere Zukunft auf sie wartet, dass sie ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen können. Das heisst, sie nutzen verstärkt neue Finanzierungsmöglichkeiten, die effizient und auch aus dem Homeoffice problemlos bedienbar sind. Deshalb nutzen sie digitale Plattformen, wie zum Beispiel Loanboox, um sich zu finanzieren.

Ein Beispiel für digitales Live-Bookbuilding (Source: michal-rojek)

Warum also sollte ein Kapitalgeber diese Bedürfnisse nicht proaktiv aufgreifen und eine Lösung dafür anbieten? Für unseren COO Dominique Hügli lagen die Vorteile auf der Hand, als sich beispielsweise die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Kreditbank (DKB) bot: "Die DKB ist im deutschen Markt etabliert, sie hat einen gewaltigen Erfahrungsschatz und ein gutes Kunden-Netzwerk. Bei Loanboox haben wir wenige, aber kompetente Ansprechpartner, es gibt kurze Wege und wir bringen sowohl das technische als auch das branchenspezifische Fachwissen mit. Die besten Grundlagen für eine gemeinsame Produktentwicklung." Beide Seiten wollen durch die Zusammenarbeit den Digitalisierungsprozess im Finanzsektor vorantreiben und das bestehende Marktpotenzial besser ausschöpfen.

Nicht die eierlegende Wollmilchsau - aber fast

Aus dieser Partnerschaft ist ein neues Produkt entstanden: das Direktdarlehen. Das sind Liquiditätskredite, die direkt online über Loanboox abgeschlossen werden können. Das Besondere: Der klassische Kreditvergabe-Prozess wird dabei umgedreht. Kapitalgeber haben die Möglichkeit, auf der Plattform proaktiv auf passende Kreditnehmer zuzugehen und Finanzierungen zu tagesaktuellen Konditionen anzubieten. Sie bekommen so den Zugang zu einer Vielzahl von Anlagemöglichkeiten und können die Kreditkonditionen präzise steuern. Das funktioniert auch ohne eine IT-Integration, bei Bedarf kann der Service aber mit einem Anschluss an die API unserer Plattform noch effizienter gemacht werden.

"Natürlich funktioniert so etwas nicht, ohne, dass man sich Gedanken über die Sicherheit macht", erklärt Dominique Hügli. "Aber wir erfüllen mit der Automation von Kreditverträgen, dem 4-Augen-Prinzip für Freigaben, maschinenlesbaren Trade Confirmations und den Auflagen durch die BaFin-Lizenz sehr hohe Sicherheitsstandards." Zusammengenommen vereinfacht und optimiert das den Prozess für Kreditgeber und Kreditnehmer. Und wie sehr wir damit den Nerv getroffen haben, zeigen die Zahlen: Bis jetzt wurden über Loanboox Direktdarlehen mit einem Volumen von fast zwei Milliarden Euro abgeschlossen.

Feinabstimmung für die Standardlösung

"Digitale Transformationen und gemeinsame Projekte wie diese sind immer auch eine Herausforderung", sagt Dominique Hügli. Er kann als COO und Leiter des Produktmanagements bei ­Loanboox auch auf seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Softwarelösungen für Enterprise-Kunden zurückgreifen. Er kennt die Problemstellungen und die Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit.

"Es ist wichtig, dass alle ins Boot geholt werden, an das gemeinsame Produkt oder die Dienstleistung glauben und der zugrundeliegenden Strategie konsequent folgen. Sonst kommt man irgendwann an den Punkt, an dem der Prozess ins Stocken gerät. Vor allem, wenn die Arbeitsmodi bis dahin völlig verschieden waren." Doch das hat gut funktioniert und am Ende des Prozesses steht ein digitales Produkt, mit dem alle glücklich sind - speziell der Kunde.

Mehr noch: Die Zusammenarbeit mit der DKB zeigt, dass es sich lohnt, das Portfolio für weitere strategische Partnerschaften auszubauen. Mit innovativen Partnern, die - so wie wir - an eine Digitalisierung der Fremdkapitalmärkte glauben. Was dabei wichtig ist: Bedürfnisse aufgreifen und daraus neue Standardlösungen entwickeln. Denn automatisierte, digitale Prozesse sind die eine Sache, individuelle Projektabstimmung die andere.

Mit Mut und Kooperation zum Ziel

Und wir trauen uns etwas. Mit der weltweit ersten, vollkommen digitalen Abwicklung eines Corporate Green Bonds über unsere Plattform im Juli haben wir erfolgreich Neuland betreten. Jetzt steht zusammen mit der ICF Bank eine zweite Bond-Emission an - dieses Mal in Deutschland. Im Hinblick auf die Zukunft ist unser Ziel deshalb klar: Wir möchten zusammen mit unseren Partnern innovative, digitale Produkte für den Fremdkapitalmarkt schaffen, die den Marktzugang erleichtern und helfen, Zeitaufwand und Kosten zu reduzieren. Das klingt vielleicht fast ein bisschen romantisch, aber wir glauben, dass davon alle profitieren.

Der Weg zu einer erfolgreichen Partnerschaft

Sind Sie auch in einem Start-up tätig und fragen sich, wie sie am besten mit externen Partnern zusammenarbeiten? Oder umgekehrt? Hier unsere drei Tipps:

  1. Nehmen Sie sich Zeit, um eine Zusammenarbeit oder ein gemeinsames Produkt aufzugleisen.

  2. Definieren Sie klar gemeinsame Ziele und die Strategie auf dem Weg dorthin.

  3. Profitieren Sie vom Know-how oder der digitalen Infrastruktur des jeweils anderen.

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