Interview mit Peter Hartmann, IG SAP

Das spricht für und gegen die S/4Hana-Transformation

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S/4 Hana verspricht verschiedene Vorteile. Aber die stabilen R/3-Systeme und die finanziellen Unsicherheiten bei der Transformation bremsen viele Firmen aus, wie Peter Hartmann von IG SAP sagt. Ausserdem herrscht quasi "Migrationszwang". Doch bietet die Migration auch Chancen.

Peter Hartmann von IG SAP. (Source: Rene Graf)
Peter Hartmann von IG SAP. (Source: Rene Graf)

Gemäss einer Umfrage der IG SAP Schweiz geht die S/4-Hana-Transformation nur schleppend voran, obschon man von vielen unterstützenden Initiativen und Hilfestellungen liest. Weshalb?

Peter Hartmann: Das hat verschiedene Gründe. Dazu gehört, dass die älteren SAP-Systeme sehr stabil laufen und gut integriert sind. Immerhin wurden sie über Jahre optimiert und an die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst. Zudem gibt es Unsicherheiten, was die finanzielle Planung und den Aufwand der S/4-Hana-Transformation betrifft, und die Produkte-Roadmaps von SAP lassen häufig zu wünschen übrig. Da verwundert die zähe Transformation kaum.

In der gleichen Umfrage heisst es, dass beinahe drei Viertel der SAP-Kundschaft mit der Nutzung ihres Produkts zufrieden ist. Dabei nutzen die meisten noch eine R/3-Version. Was bringt denn die Umstellung auf S/4 Hana tatsächlich?

Ein grosser Vorteil ist die Weiterentwicklung des SAP-Systems mit S/4 Hana. Viele Firmen sehen damit auch eine wichtige Weiterentwicklung ihrer eigenen SAP-Landschaft und sind dank S/4 bei allen SAP-Innovationen dabei. Ausserdem sehen einige Unternehmen Möglichkeiten zur Optimierung von Geschäftsprozessen und zur Bereinigung von Altlasten. Doch ist es unschön, dass man quasi zum Umstieg gezwungen wird. Zudem erhöht sich durch die Nutzung der Hana-Datenbank, S/4 und Cloud-only-Lösungen die Abhängigkeit von SAP.

Welches sind die ersten Schritte, falls sich Kundinnen und Kunden für die S/4-Hana-Migration entscheiden?

Hier ist eine kurze Antwort schwierig. Wir empfehlen, zunächst firmenintern Klarheit zu schaffen. Dabei sollten Fragen geklärt werden wie, ob es etwa eine Digitalisierungsstrategie gibt und wo Geschäftsanforderungen mit dem aktuellen ERP-Umfeld mittelfristig nicht mehr abgedeckt werden können. Auch ist wichtig zu klären, welcher Migrationsansatz und welche Rollout-Strategie verfolgt werden sollen und welcher Anbieter dabei kompetent unterstützen kann. Der Einfluss und die Folgen der Datenbank-Migration nach Hana, etwa auf das Archivierungskonzept oder die Umsysteme, gilt es ebenfalls einzuschätzen. Zudem empfehlen wir, mit einem externen Partner und SAP den S/4-Readiness-Check durchzuführen.

Welche Optionen gibt es für Kunden und Kundinnen, falls sie sich gegen eine S/4-Hana-Migration entscheiden sollten?

Einige SAP-Kunden nehmen den Migrationszwang als Anlass zur Evaluation von Alternativen. Zwar gibt es im ERP-Umfeld wenig, das mit SAP vergleichbar ist. Aber bei Produkten wie CRM, BI oder HCM gibt es valable Alternativen. ­Anstatt auf ein anderes ERP zu migrieren, kann man sich deshalb auch schlicht gegen eine «SAP-only-Strategie» entscheiden und SAP nur noch als zentrale ERP-Basis nutzen, während man etwa das CRM, BI und Commerce von anderen Lieferanten nutzt. Doch realistischerweise gibt es für die meisten SAP-Kunden keine richtige ERP-Alternative.

Was empfehlen Sie SAP-Kundinnen und -Kunden, welche die S/4-Hana-Migration noch vor sich haben?

Wir empfehlen das Festlegen einer klaren ERP-Strategie. In der Geschäftsleitung sollte zudem verständlich geklärt werden, was S/4 Hana für die Firma bringt. Das Projekt sollte nicht als reines Migrationsprojekt verkauft werden, sondern am Nutzen für den Geschäftsprozess und die Digitalisierung gemessen werden. Die Migration bietet Chancen, um bestehende Schwachstellen zu eliminieren und konsequent zu standardisieren. Das Lizenzmanagement sollte auch nicht unterschätzt werden. Es ist sinnvoll, dafür frühzeitig die eigene Situation zu analysieren. Und last but not least: Man kann von anderen lernen. Dazu kann man Kundenprojekte in einem vergleichbaren Umfeld betrachten oder sich Inte­ressensgemeinschaften wie IG SAP anschliessen.

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