Post-Quanten-Kryptografie

ID Quantique und Cisco starten quantensicheres Netzwerk in der Schweiz

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von Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet

ID Quantique und Cisco haben in der Schweiz ein Netzwerk in Betrieb genommen, das als erstes des Landes quantensicher sein soll. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Genf verbinden die Unternehmen damit zwei Rechenzentren, mit dem Ziel, diese vor künftigen Angriffen durch Quantencomputer zu schützen.

(Source: peach_adobe/stock.adobe.com)
(Source: peach_adobe/stock.adobe.com)

Die Genfer Technologiefirma ID Quantique und der US-Netzwerkausrüster Cisco haben in der Schweiz das erste Netzwerk lanciert, das laut den Anbietern gegen Angriffe von Quantencomputern gewappnet ist. Das Projekt reagiert auf die wachsende Bedrohung durch leistungsfähige Quantencomputer, von denen Experten annehmen, dass sie künftig heute gängige Verschlüsselungsalgorithmen wie RSA knacken könnten. Mehr über RSA-Verschlüsselung und die Herausforderungen der Quanten-Ära erfahren Sie hier. 

Hintergrund ist das Bedrohungsszenario "Harvest Now, Decrypt Later" (Jetzt erbeuten, später entschlüsseln). Angreifer könnten demnach schon heute massenhaft verschlüsselte Daten abfangen und speichern, um sie zu einem späteren Zeitpunkt mit Quantencomputern zu dechiffrieren. Dieses Szenario verstärkt den Druck auf sensible Sektoren wie den öffentlichen Dienst, das Gesundheitswesen oder die Finanzbranche, auf post-quantensichere Infrastrukturen umzusteigen.

Eine Architektur für das Post-Quanten-Zeitalter

Technisch basiert die neue Verbindung auf Geräten der Serie Cisco Nexus 9000. In die bestehende Infrastruktur integrierten die Partner Ciscos "Secure Key Integration Protocol" (SKIP) sowie die Lösung "Solteris" von ID Quantique, einer Tochtergesellschaft des US-Unternehmens IonQ.

Die Solteris-Lösung soll dabei die Verschlüsselungsschlüssel sicher über einen separaten Kanal (out-of-band) verteilen. Sie stützt sich laut Mitteilung auf standardisierte Post-Quanten-Algorithmen und einen vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) zertifizierten Quanten-Zufallszahlengenerator. Die Architektur zielt zudem auf "Krypto-Agilität" ab. Dies soll es ermöglichen, die Algorithmen künftig ohne aufwändige Hardware-Änderungen auszutauschen oder zu aktualisieren.

"ID Quantique ist stolz, diesen ersten Schritt in Richtung einer nationalen Post-Quanten-Infrastruktur in der Schweiz zu unterstützen", lässt sich Grégoire Ribordy, CEO und Mitgründer von ID Quantique, in der Mitteilung zitieren. "Solteris bietet eine konkrete und bewährte Lösung, um den quantentechnologischen Herausforderungen von morgen schon heute zu begegnen."

Auch Cisco verweist auf die aktuelle Relevanz des Themas. "Quantensicherheit ist nicht nur ein Thema für die Zukunft, sondern schon heute eine entscheidende Priorität", so Garif Yalak, Leiter des Programms Country Digital Acceleration bei Cisco Schweiz. "Indem wir das SKIP-Protokoll nativ in unsere Infrastruktur integrieren, ermöglichen wir Unternehmen, Quantenresistenz zu erreichen, ohne bestehende Investitionen zu gefährden oder die Leistung zu beeinträchtigen."


Übrigens: Seit der Mensch zu schreiben gelernt hat, will er auch verbergen, was er geschrieben hat. Entsprechend alt sind einige ­Formen der Verschlüsselung. Wie Gaius Iulius Caesar, die Spartaner, Freimaurer und Co. früher versuchten, ihre Geheimnisse geheim zu behalten, ist aber nicht nur für Historiker, sondern auch für die moderne Kryptografie interessant. Hier lesen Sie mehr über die Kunst, so zu schreiben, dass fast niemand es versteht.

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