Die Kunst des Suchens und des Findens
Die ICT Networkingparty 2026 ist unter dem Motto "Wer sucht, der findet" gestanden. Die Gäste auf der Bühne haben gezeigt, was Leichen über einen Todesfall verraten, wie Vögel neue Techniken für den Nestbau finden und wie viel Magie in einem Tablet steckt.
Sie ist traditionsgemäss der erste grosse Anlass der Schweizer IT-Branche: Die ICT Networkingparty fand dieses Jahr am 22. Januar statt. 882 Personen hatten sich für den diesjährigen Event im Berner Kursaal angemeldet, wie Gastgeberin Vania Kohli im Verlauf des Abends bekanntgab.
Die Schweiz als Knotenpunkt
"Wer sucht, der findet" lautete das Motto der ICT Networkingparty 2026. "Eine Lebensweisheit, die manchmal stimmt und manchmal nicht", bemerkte Judith Bellaïche, Präsidentin des Telekommunikationsverbandes Asut, in ihrem Grusswort. "Es gibt Leute wie ich, die andauernd Zeugs finden, das sie gar nicht gesucht haben - zum Leidwesen meines Mannes oftmals recht teures Zeugs", fügte sie lachend hinzu.
Auch die Schweiz, so Bellaïche, sei auf der Suche, nach ihrer Rolle in der Welt, insbesondere auch im digitalen Raum - und das zu Recht: "In dieser unberechenbaren, unordentlichen und täglich nach Ordnung suchenden Welt ist die Suche nach der eigenen Position keine Lebensweisheit mehr, sondern ein strategisches Imperativ", erklärte die Rednerin. Täglich gelte es, sich neu auszubalancieren "wo wir uns anlehnen, wo wir eigenständig bleiben und wo wir schlicht mitgestalten müssen".

Judith Bellaïche, Präsidentin des Telekommunikationsverbandes Asut, sprach über die Suche der Schweiz nach ihrer Rolle im digitalen Raum. (Source: zVg)
Die Digitalisierung verändere die Logik, nach der Gesellschaften funktionieren, betonte Bellaïche. Für die Schweiz sei es entsprechend wichtig, ihre Rolle in der digitalen Welt zu finden - "Nicht fürs Image, sondern für unseren Wohlstand, unsere Demokratie und unsere Freiheit".
Die Rednerin lieferte auch einen Vorschlag für die Rolle der Schweiz - nämlich den eines Knotenpunkts: "Nicht eine Digitalmacht, sondern ein vernetzter, vertrauenswürdiger und hoch innovativer Digitalstandort, der mit einer chaotischen Welt Einfluss durch Stabilität und Qualität hat." In dieser Rolle müsse die Schweiz ihre reellen Abhängigkeiten bewusst verwalten, kluge Rahmenbedingungen setzen und "ihre eigenen Stärken stärken".
Suchen abseits des Digitalen
Einen direkten Bezug zwischen dem Motto des Abends und der Digitalisierung stellte nach Bellaïche erst Simon Pierro wieder her. Der als "iPad Magician" bekannte Künstler brachte das Publikum mit seinen Tablet-Zaubertricks zum Staunen und zum Nachdenken: Das Zusammenspiel seines Talents, seines Apple-Geräts und einem Schuss künstlicher Intelligenz enthielt Zahlenspielereien, virtuelle Tattoos, telepathisch scheinende Berührungen und vieles mehr. Und natürlich überliess es der Zauberer dem Publikum, die Geheimnisse hinter seiner Magie selber zu suchen. Doch wie oft an der ICT Networkingparty traten Digitalthemen ansonsten in den Hauptvorträgen in den Hintergrund.

Der "iPad Magician" Simon Pierro zeigte dem Publikum einige seiner Tablet-Zaubertricks. (Source: zVg)
Antje Rindlisbacher gab einen Einblick in ihren Alltag als Rechtsmedizinerin. In vielerlei Hinsicht habe der wenig mit den Darstellungen ihres Berufes in TV-Krimis zu tun, stellte sie mehrfach klar. Das Bild einer Rechtsmedizinerin aus "CSI Miami" kommentierte sie etwa mit den Worten: "Sie hat den Lippenstift passend zum Blut ausgewählt". Bei ihren Einsätzen trage sie, Rindlisbacher, funktionelle Kleidung - High Heels gehören da nicht dazu. Und: "Wir sind nicht da, uns zu präsentieren, sondern wir sind da, unseren Job zu machen und die Angehörigen möglichst nicht zusätzlich zu belasten."
Auch im Handwerk unterscheidet sich die Realität mitunter deutlich vom Film: Zur Todeszeitschätzung sagte Rindlisbacher etwa: "Die können immer ganz genau sagen, wenn jemand gestorben ist. Die Realität sieht ganz anders aus. Aus rechtsmedizinischer Sicht ist und bleibt die Todeszeitschätzung eine der schwersten Aufgaben." Bei der Berechnung müsse man zahlreiche Faktoren berücksichtigen, und nicht alle seien einfach rekonstruierbar. "Eine realistische Zeitschätzung von einem vernünftigen Rechtsmediziner beinhaltet immer ein Zeitfenster von mindestens drei Stunden", erklärte die Referentin und fügte hinzu: "Je frischer der Leichnam, desto genauer die Schätzung."

Antje Rindlisbacher gab an der ICT Networkingparty 2026 einen Einblick in ihren Alltag als Rechtsmedizinerin. (Source: zVg)
Mit ihrem Vortrag widerlegte Rindlisbacher nicht nur ein paar TV-Clichés, sondern zeigte umgekehrt auch Ähnlichkeiten zur Wirklichkeit auf. So werden auch in der Realität Leichen im Obduktionssaal mit Sägen und anderen Werkzeugen geöffnet und dann bis ins Detail inspiziert: "Wir nehmen alles raus, wir wägen alles; wir nehmen kleine Proben, die wir noch toxikologisch oder unter dem Mikroskop untersuchen", erklärte Rindlisbacher. In den Befunden dieser minuziösen Analyse finden Rechtsmediziner dann Hinweise auf mögliche Todesursachen. Punktblutungen in den Augen deuten beispielsweise auf Tod durch erwürgen oder akuten Herzstillstand hin. Und wird eine Leiche aus dem Wasser geborgen, hat aber kein Wasser in der Lunge, war die Person bereits tot, bevor sie ins Wasser gelangte.
Mehr als fünf Sinne
Filmreif sei auch die Auswahl an Leichenfundorten, die Rindlisbacher bereits aufsuchen musste: Von der chaotisch unordentlichen Wohnung über die sommerlich saftige Wiese, von der nächtlichen Autobahn bis zum winterlichen Schneegestöber war alles dabei. Tote Menschen findet man offenbar auch im reellen Leben überall.
Christian Kropf nahm das Publikum schliesslich mit ins Tierreich. Ähnlich der Menschen sei man dort ständig auf der Suche nach angenehmen Lebensbedingungen - oder etwas konkreter: "Gutes Essen und guter Sex", erklärte der Zoologe mit Fachgebiet Arachnologie. Um diese Bedürfnisse zu stillen, greifen Tiere mitunter auf ganz besondere Sinnesorgane zurück. So können Spinnen mithilfe ihrer Beine erkennen, wann und aus welcher Richtung ihr Netz erschüttert wird - verursacht etwa durch eine eingefangene Fliege. "Spinnen leben in einer Vibrationswelt", kommentierte Kropf. Die Netzpython - eine Riesenschlange, welche "die meiste Zeit des Jahres rumliegt und dem Nichtstun frönt", wie der Referent ausführte - kann mit ihren Fühlern Temperaturunterschiede von wenigen Hundertstel eines Grades wahrnehmen. Diese Fähigkeit nutzt sie, um auf ihrem Beutezug der Wärmespur von Lebewesen zu folgen.
Kropf zeigte auch Beispiele von "Fake-Kommunikation". Dazu gehören etwa Spinnen, die mit ihren Duftdrüsen die Paarungslockstoffe von Faltern imitieren. "Der eine hat gefunden, was er suchte, der andere nicht."

Der Zoologe Christian Kropf sprach in seinem Vortrag über die Suche nach angenehmen Lebensbedingungen im Tierreich. (Source: zVg)
Die nächste ICT Networkingparty findet am 21. Januar 2027 statt.
Vergangenes Jahr ging es an der ICT Networkingparty hoch hinaus. Andy Holzer hat 8000 Meter hohe Berge bezwungen, ohne auf seine Augen angewiesen zu sein. Karl Egloff bestieg einen 8000er in weniger als 18 Stunden. Mehr über die beiden erfahren sie hier.
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