Datenräume in der Realität – zwischen Machbarkeit und Mehrwert
Die Schweiz beschreitet einen pragmatischen Weg hin zu einem interoperablen Datenökosystem. Sie gibt Governance Vorrang vor Technologie und bindet KMUs von Anfang an ein. Diese Strategie schafft ein Gleichgewicht zwischen Ambition und Nutzen, um Mehrwert zu generieren.
Datenräume lösen ein zentrales Problem der digitalen Transformation: Sie ermöglichen den sicheren, souveränen Austausch von Daten zwischen Organisationen. Gleichzeitig steigern Datenräume die Effizienz der Datenbereitstellung zwischen verschiedenen Organisationen erheblich. Sie schaffen zudem die Grundlage für datengetriebene Innovation. Besonders relevant wird dies im Kontext von künstlicher Intelligenz. KI-Algorithmen benötigen qualitativ hochwertige, vertrauenswürdige und kontextualisierte Daten.
Governance als Fundament
Bei der Umsetzung zeigt sich, dass Technologie selten die Hürde ist. Die verfügbaren Lösungen für sicheren Datenaustausch, Authentifizierung und Verschlüsselung sind ausgereift. Entscheidend ist vielmehr der Start mit einer durchdachten Governance, die Interoperabilität in den Mittelpunkt stellt. Nur so entsteht ein übergreifendes Datenökosystem statt fragmentierter Insellösungen.
Diese Interoperabilität geht weit über rein technische Aspekte hinaus. Das European Interoperability Framework zeigt: Rechtliche, organisatorische und semantische Ebenen sind ebenso wichtig wie technische Standards. Welche Daten dürfen unter welchen Bedingungen geteilt werden? Wer trägt welche Verantwortung? Nur wenn diese Dimensionen systematisch adressiert und aufeinander abgestimmt werden, entsteht ein funktionierendes, vertrauenswürdiges Datenökosystem.
Die Schweizer Initiativen setzen dabei bewusst auf einen pragmatischen Weg. Während die EU auf sogenannte Konnektoren und umfangreiche technische Spezifikationen setzt, die oft nur von Grossunternehmen mit entsprechenden Ressourcen implementiert werden können, wählen wir schlankere Ansätze. Doch es sollen auch kleinere Unternehmen an Datenökosystemen teilhaben können, ohne unverhältnismässige Investitionen tätigen zu müssen.
Praxis: von der Landwirtschaft bis zur Stadt
Derzeit entstehen Datenräume vor allem in vier Sektoren: Landwirtschaft, Mobilität, Gesundheit und Energie. Diese Fokusfelder sind vergleichbar mit EU-Initiativen, werden aber pragmatischer und entlang von konkreten Anwendungsfällen umgesetzt. Ein Landwirt soll künftig seine Milchproduktionsdaten für Subventionen nur noch einmal im kantonalen System erfassen. Mit seiner Einwilligung kann er diese Daten über agridata.ch auch anderen Organisationen wie Labelverbänden bereitstellen. Neben den nationalen Datenräumen entwickeln sich zunehmend lokale, sektorübergreifende Datenökosysteme auf regionaler Ebene. Damit zeigt sich ein bevorzugter Bereich der Tragfähigkeit (Grafik), wo einerseits die Komplexität beherrschbar bleibt und andererseits der Mehrwert eines Datenökosystems realisiert werden kann.

Erfolgsfaktoren für die Schweiz
Zusammenfassend und basierend auf aktuellen Erkenntnissen stellen wir fest, dass wir «Governance First» starten sollten – nicht die Technologie, sondern klare Regeln und Use Cases im Fokus bilden das Fundament. Dabei bildet die Interoperabilität das verbindende Element über alle Ebenen hinweg. Abschliessend gilt es, die Balance zwischen Ambition und Pragmatismus zu halten, um KMUs nicht auszuschliessen und echten Mehrwert zu schaffen. Die Schweiz hat ausgezeichnete Voraussetzungen, einen smarten Weg zu wählen und digitale Souveränität mit wirtschaftlichem Mehrwert zu erreichen.
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