"Der Anspruch an Standardsoftware steigt doppelt"
Der Anspruch an Standardsoftware steigt. Welche Rolle dabei KI, Integration und Ökosysteme sowie die steigenden Anforderungen an Datenschutz, Cloud-Souveränität und Regulierung spielen, erklärt Opacc-CTO Christian Reiter.
Inwiefern hat KI die Erwartungen der Kunden an Standardsoftware bereits verändert?
Christian Reiter: KI hat die Messlatte klar verschoben: Kunden erwarten heute nicht mehr nur Software, die Prozesse sauber abbildet, sondern Systeme, die Zusammenhänge erkennen, Empfehlungen geben und operative Arbeit reduzieren. Gleichzeitig wächst das Verständnis, dass gute KI nur mit einer breiten Datenbasis funktioniert. Deshalb steigt der Anspruch an Standardsoftware doppelt: Sie muss intelligent wirken und vor allem eine saubere, konsistente Datenbasis schaffen. Ohne strukturierte Daten bleibt der KI-Nutzen in der Praxis begrenzt.
Welche Rolle spielen Integration und Ökosysteme – müssen Anbieter zunehmend Plattformen schaffen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Integration bleibt entscheidend, aber niemand will einen Zoo aus Schnittstellen mit all seinen Problemen orchestrieren. Kunden erwarten Plattformen, die zentrale operative Kernfunktionen nativ abdecken und im Alltag einfach funktionieren. Das reduziert Komplexität, Fehlerquellen und Abhängigkeiten. Ein starkes Ökosystem bleibt aber wichtig, insbesondere für Spezialisierungen, Partnerlösungen und Innovation. Wettbewerbsfähig ist aus meiner Sicht der Anbieter, der beides verbindet: eine starke, integrierte, updatefähige Plattform und Offenheit für externe Services, ohne die Architektur zu zersplittern.
Wie verändern steigende Anforderungen an Datenschutz, Cloud-Souveränität und Regulierung die Entwicklung von Standardsoftware?
Datenschutz, Cloud-Souveränität und Regulierung sind keine Randthemen mehr, sondern zentrale Entscheidungskriterien. Kunden fragen heute nicht nur nach Features, sondern nach Hosting, Datenhoheit, Sicherheitsarchitektur und Auditierbarkeit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Entwicklung: Security und Compliance müssen von Anfang an mitgebaut, dokumentiert und regelmässig geprüft werden. Das erhöht den Aufwand, schafft aber auch Differenzierung. Wer Vertrauen, Resilienz und technologische Unabhängigkeit glaubwürdig verbindet, gewinnt gerade in Europa strategisch an Relevanz.
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