Rechenzentren kämpfen um Akzeptanz
Rechenzentren zählen zu den Profiteuren der Digitalisierung – gleichzeitig geraten sie wegen ihres steigenden Stromverbrauchs zunehmend unter politischen und gesellschaftlichen Druck. Eine neue Studie des Bundes zeigt jedoch: Das grösste Effizienzpotenzial liegt nicht bei den RZs selbst, sondern bei deren Kundschaft.
Der Ausbau von Rechenzentren gehört zu den zentralen Voraussetzungen der digitalen Wirtschaft. Cloud-Dienste, Streamingplattformen, KI-Anwendungen und datenintensive Geschäftsprozesse treiben die Nachfrage nach Rechenleistung seit Jahren in die Höhe. Entsprechend investieren Hyperscaler, Colocation-Anbieter und Unternehmen weltweit Milliardenbeträge in neue Datacenter-Infrastrukturen.
Der Stromverbrauch der Branche steigt derweil weiter an – auch in der Schweiz. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) verbrauchten Schweizer Rechenzentren im Jahr 2024 rund 2,1 Terawattstunden Strom. Das entspricht etwa 3,6 Prozent des gesamtschweizerischen Stromverbrauchs. Gegenüber 2019 nahm der Verbrauch von Rechenzentren hierzulande um rund 18 Prozent zu.
Besonders stark wächst der Bedarf bei kommerziellen Rechenzentren – also bei Colocation-Anbietern sowie grossen Standorten für Cloud- und Hyperscale-Dienste. Gleichzeitig stagniert der Stromverbrauch vieler unternehmensinterner Rechenzentren oder geht teilweise sogar leicht zurück. Die Autoren der Studie führen dies unter anderem auf Effizienzsteigerungen sowie auf die zunehmende Auslagerung von IT-Infrastrukturen in professionelle Datacenter zurück.
Auffällig ist dabei: Anders als in internationalen Debatten spielt künstliche Intelligenz beim Stromverbrauch Schweizer Rechenzentren bislang nur eine Nebenrolle. Denn das energieintensive Training grosser Sprachmodelle findet grösstenteils im Ausland statt. Für das Training grosser KI-Modelle und den Aufbau entsprechender Hyperscale-Rechenzentren gilt die Schweiz derzeit als wenig attraktiv – unter anderem wegen hoher Energie- und Betriebskosten, begrenzter Ausbauflächen und fehlender Skalierungsmöglichkeiten.
Trotzdem rechnen die Studienautoren mit einem weiteren deutlichen Anstieg des Stromverbrauchs. Bis 2030 erwarten sie je nach Szenario einen Bedarf von 2,5 bis 3,2 Terawattstunden. Im sogenannten Hochszenario könnte der Verbrauch sogar um 70 Prozent auf 3,5 Terawattstunden steigen.
Dementsprechend wächst auch der politische und gesellschaftliche Druck auf die Branche. Rechenzentren stehen zunehmend vor der Herausforderung, ihren steigenden Energiebedarf mit Nachhaltigkeitszielen, Versorgungssicherheit und Akzeptanzfragen in Einklang zu bringen. Gerade im Umfeld von KI, Cloud und Digitalisierung geraten Datacenter vielerorts unter Generalverdacht, zu viel Strom zu verbrauchen und zu wenig gesellschaftlichen Nutzen zu stiften.
Die BFE-Studie zeichnet allerdings ein differenzierteres Bild. Viele Betreiber steigerten ihre Energieeffizienz in den vergangenen Jahren bereits deutlich – etwa mit Warm-/Kaltgangeinhausungen, höheren Betriebstemperaturen oder Free-Cooling-Konzepten. Das verbleibende Einsparpotenzial sehen die Autoren deshalb nur teilweise bei den Rechenzentren selbst.
Der grössere Hebel liegt vielmehr im IT-Bereich – also bei den Kundinnen und Kunden der Datacenter. Die Studie nennt insbesondere effizientere Storage- und Compute-Technologien, Virtualisierung sowie ein optimiertes IT-Management als zentrale Massnahmen. Mit anderen Worten: Nicht nur die Rechenzentren selbst müssen effizienter werden, sondern auch die darauf betriebenen Anwendungen und Prozesse.
Für die Branche dürfte genau das zu einer der wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre werden. Denn Rechenzentren bilden zwar das Fundament der digitalen Wirtschaft – ihren steigenden Energiebedarf müssen sie gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit aber zunehmend rechtfertigen können.
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