Softwarefirmen in der Schweiz – Performance, Wachstum und Produktivität
Der Swiss Software Industry Survey (SSIS), durchgeführt von der Universität Bern und unterstützt vom Swico und Sieber & Partners, liefert jährlich verlässliche Kennzahlen zur Entwicklung der hiesigen Softwareindustrie. Das Fokusthema der Studie 2025 ist die "Arbeitswelt im Wandel".
Die befragten Softwareunternehmen erwarten wieder ein stärkeres Wachstum als im Vorjahr. Die Rentabilität steht dagegen weiterhin unter Druck. Der Ebit im Verhältnis zum Umsatz liegt im Durchschnitt nur noch bei 6,4 Prozent (im Vorjahr lag er bei 9,1 Prozent).
Softwarefirmen sind Vorreiter in der Umsetzung von soziokratischen Organisationsprinzipien. Firmen, die dies konsequent tun, profitieren von höherer Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Eine Auswirkung auf die Produktivität oder andere Performancekennzahlen kann der Swiss Software Industry Survey (SSIS) dagegen noch nicht nachweisen.
Margen unter Druck
Die Profitabilität der Schweizer Softwareunternehmen, gemessen am Ebit dividiert durch den Umsatz (Ebit-Marge), lag im Jahr 2024 bei 6,4 Prozent. Damit bleibt sie weiterhin unter 10 Prozent und liegt wesentlich tiefer als im Vorjahr (Grafik 1). Die höchste Rentabilität mit gut 9,2 Prozent erreichen wie im Vorjahr die Standardsoftware-Firmen. Im Software-Consulting sind die Margen von über 12 Prozent im Jahr 2022 auf gut 5,3 Prozent im Jahr 2024 gefallen. Ebenfalls weiterhin unter Druck sind die Individualsoftware-Unternehmen. Die durchschnittliche Marge in diesem Teilmarkt liegt bei 5,9 Prozent.

Wachstumserwartungen korrigiert
Im Jahr 2025 wurden die Wachstumserwartungen zum elften Mal in Folge mit derselben Frage erhoben. Diese Zeitreihe ermöglicht einen Vergleich mit den tatsächlichen Wachstumsraten, die das Bundesamt für Statistik jährlich mit einigen Jahren Verzögerung publiziert.
Die SSIS-Erhebung findet jeweils zwischen Mai und Juni statt. Dann werden die Softwarefirmen gefragt, wie hoch sie das Wachstum für das laufende Jahr (t+1) und für das kommende Jahr (t+2) einschätzen. Sie haben das Wachstum über die neun vergangenen Jahre stets überschätzt: Die Schätzung des Wachstums für das laufende Jahr (t+1) war im Durchschnitt um 3,2 Prozentpunkte, jene für das nächste Jahr (t+2) um 7,3 Prozentpunkte zu hoch.
Korrigiert man die Wachstumserwartungen um diesen Fehler in der Schätzung, so ergibt sich ein erwartetes Umsatzwachstum von 1,8 Prozent für das Jahr 2025 (Grafik 2). Die befragten Softwarefirmen sind bezüglich ihrer Prognose für die Entwicklung zwischen 2025 und 2026 im Vergleich zu den Vorjahren wieder optimistischer. Um die systematische Überschätzung korrigiert, schätzen sie das Wachstum auf 2,5 Prozent ein.

Die Erwartungen bezüglich des Umsatzes widerspiegeln nicht ganz die erwarteten Mitarbeiterzahlen: Für 2025 gehen die Befragten zwar davon aus, dass sie 2,29 Prozent mehr Personal beschäftigen können als im Jahr 2024. Die Pläne für 2026 sind aber deutlich zurückhaltender. Dann wollen die Softwareunternehmen nur 1,85 Prozent mehr Mitarbeitende einstellen (Grafik 3).

Im Durchschnitt ist die Fluktuation von 8,6 Prozent im Jahr 2023 auf 15,1 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Besonders hoch ist die Fluktuation derzeit im Software-Consulting.
Ertragsmodelle und Absatzbranchen
Im Jahr 2022 wurden erstmals die Ertragsmodelle erhoben. Die Softwareunternehmen werden seither gefragt, wie hoch ihre Umsatzanteile mit unterschiedlichen Ertragsmodellen sind. Grafik 4 zeigt, dass am meisten Umsatz mit einem Kostendach erwirtschaftet wird. Bei diesem Ertragsmodell einigen sich Kunde und Lieferant auf die maximalen Kosten für ein Projekt, und beide sind gleichermassen dafür verantwortlich, dass das Kostendach eingehalten wird. Der zweitgrösste Umsatz wird mit Festpreisen erwirtschaftet. Der Kunde bezahlt in diesem Modell einen festgelegten Preis, unabhängig vom Aufwand des Lieferanten. Ebenfalls sehr häufig erwirtschaften Softwarefirmen ihren Umsatz mit der Verrechnung ihrer Aufwendungen, ohne die Verantwortung für die Gesamtkosten zu tragen. Nur selten wird nach der Nutzung der gelieferten Software und nach dem Nutzen für den Kunden verrechnet.

Die Umsatzanteile nach Verrechnungsmodellen unterscheiden sich zwischen den Teilbranchen stark. Fixpreise sind bei Standardsoftware-Herstellern am häufigsten. Bei Individualsoftware-Entwicklern überwiegt die Verrechnung nach Aufwand mit einem Kostendach.
2025 wurde zum sechsten Mal nach den Umsatzanteilen nach Absatzbranchen gefragt. Grafik 5 zeigt die so berechneten wichtigsten Branchen für die Schweizer Softwarefirmen: Die Bedeutung der öffentlichen Verwaltung nimmt wieder zu und liegt bei 18,6 Prozent. Im Maschinen- und Anlagenbau war die Baisse überwunden, es ist aber zu erwarten, dass diese Branche erneut zurückhaltender beschaffen wird.

Internationale Tätigkeiten
Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Softwarebranche zum dritten Mal in Folge einen wiederum höheren Anteil ihres Umsatzes im Ausland. Der Exportanteil liegt bereits bei 11,1 Prozent (7,5 Prozent im Vorjahr). Über dem Branchendurchschnitt liegen dabei die Hersteller von Standardsoftware mit 11,5 Prozent und die Individualsoftware-Hersteller mit 12 Prozent. Der mit Abstand wichtigste Markt im Ausland bleibt Deutschland (Grafik 6).

Umgekehrt beschaffen Schweizer Softwarefirmen auch im Ausland. Der SSIS untersucht die Menge der im Ausland beschafften Arbeitsleistungen. Wir sprechen von Nearshoring, wenn diese Arbeitsleistungen im nahen und von Offshoring, wenn sie im fernen Ausland beschafft werden. Über 50 Prozent der befragten Softwareunternehmen praktizieren mindestens eine dieser Formen der Beschaffung im Ausland.
Am häufigsten beschaffen Individual- (58,8 Prozent) und Standardsoftware-Hersteller (56,7 Prozent), gefolgt von Softwareintegratoren (50 Prozent) in Near- und Offshore-Gebieten.
Auch Softwareberatungsunternehmen beschaffen im Ausland. Im Unterschied zu den Softwareentwicklungsfirmen aber seltener bei eigenen Tochtergesellschaften im Ausland und häufiger bei Drittanbietern.
Fokus Arbeitswelt im Wandel
Die digitale Transformation, neue Erwartungen der Mitarbeitenden und ein zunehmend volatiles Marktumfeld prägen die Schweizer Softwareindustrie. Der SSIS 2025 rückt die Veränderungen in der Arbeitswelt in den Fokus und zeigt, wie die Branche innovative Prinzipien umsetzt – von agilen Methoden über New Work bis zum Einsatz von KI. In diesem Kapitel fassen wir die relevanten Dimensionen dieses Wandels zusammen und liefern Einblicke für Geschäftsleitungen, HR und Fachverantwortliche.
Kompetenzentwicklung als strategischer Erfolgsfaktor
Mitarbeiterentwicklung ist für Schweizer Softwareunternehmen ein Erfolgsfaktor. Drei Viertel der Firmen fördern externe Weiterbildungen, über die Hälfte setzt auf interne Angebote und individuelle Entwicklungsbudgets. Während grosse Unternehmen strukturierte Programme etablieren, bleibt der Prozess bei kleineren Betrieben oft informeller. Die jährliche Anzahl an Weiterbildungsstunden variiert stark und reicht von unter 10 bis über 60 Stunden. Entscheidend ist die Flexibilität: Qualifikationsmassnahmen werden gezielt an den individuellen Bedarf angepasst, wobei auch Kooperationen mit Universitäten und Fachhochschulen an Bedeutung gewinnen.
Empowerment, Autonomie und Mitbestimmung
Die Förderung von Eigeninitiative prägt die Führungsphilosophie. Über 90 Prozent der befragten Unternehmen ermutigen ihre Mitarbeitenden, eigenständig zu agieren und Verantwortung zu übernehmen. Teams arbeiten selbstorganisiert, lösen Probleme autonom und gestalten Arbeitsabläufe und Aufgaben oft eigenständig. Einschränkungen ergeben sich häufig hinsichtlich Qualitätsstandards oder Servicezielen, die weiterhin in vielen Organisationen vorgegeben werden. Entscheidungsbefugnisse sind breit verteilt. Besonders innovative Firmen führen dezentrale Strukturen ein und setzen auf «Bottom-up»-Initiativen – technologische Innovationen werden auf Mitarbeiterebene angestossen und nicht ausschliesslich von Führungskräften entschieden. Dennoch bleibt die Rolle des Managements in den meisten der befragten Firmen insbesondere bei Gehaltsentscheidungen traditionell (Grafik 7).

Flexible Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle
Die Studie bescheinigt der Softwarebranche eine überdurchschnittliche Flexibilität: In 80 Prozent der Unternehmen können Mitarbeitende ihre Arbeitszeiten frei organisieren und Aufgaben nach eigenen Präferenzen erledigen. Insbesondere Entwicklerinnen und Entwickler sowie Mitarbeitende in nicht-kundennahen Funktionen arbeiten zum Teil im Homeoffice, und zwar durchschnittlich für über die Hälfte der Arbeitszeit. Homeoffice-Regelungen werden mehrheitlich unternehmensweit festgelegt, in manchen Fällen auch individuell oder auf Teamebene.
Vergütungsmodelle und Leistungsbeurteilung
Die Entlohnung bleibt überwiegend traditionell: Zusatzboni werden primär auf Unternehmensperformance vergeben (57 Prozent), weniger auf Individual- (40 Prozent) oder Teamebene (13 Prozent). In der Regel liegt der leistungsbezogene Anteil unter 10 Prozent des Gesamtgehalts. Gehaltsentscheidungen treffen meist ausschliesslich Führungskräfte, Mitbestimmung der Mitarbeitenden ist die Ausnahme, partizipative oder selbstbestimmte Modelle sind selten.
Leistungsbeurteilungen erfolgen überwiegend individuell und routinemässig, wobei Entwicklungspotenzial und persönliche Einstellung am Arbeitsplatz im Mittelpunkt stehen. Im Schnitt sind vier Personen in den Bewertungsprozess eingebunden, was eine gewisse Konsistenz und Objektivität sichert.
KI-Einsatz und Toolauswahl – Kultur der Offenheit
Der experimentelle Umgang mit digitalen Werkzeugen manifestiert sich besonders im Bereich KI: 81 Prozent der Unternehmen nutzen 2025 KI in der Entwicklung, im Design und in der Analyse, was einer Steigerung von über 34 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Rund die Hälfte der Unternehmen lässt Mitarbeitenden freie Hand bei der Auswahl der genutzten KI-Tools, während die Auswahl klassischer IT-Tools stärker standardisiert ist. Auffällig ist, dass sich Unternehmen teils noch in einer «explorativen Phase» befinden. Sie experimentieren erst mit neuen KI-Lösungen.
Kultur, Werte und Strukturen – Dezentralisierung und Clan-Prinzip
Der SSIS 2025 bestätigt die Dominanz einer menschenzentrierten, familienähnlichen Unternehmenskultur («Clan Culture»): Fast 90 Prozent der Firmen setzen auf eine vertraute Atmosphäre, gegenseitige Unterstützung und teamorientierte Werte. Hierarchien und Formalisierung treten in den Hintergrund, operative und technologische Entscheidungen erfolgen oft gemeinsam und dezentral. Besonders mittelständische und kleine Firmen leben partizipative Ansätze, grosse Unternehmen sind tendenziell etwas hierarchischer und zentraler organisiert (Grafik 8).

Kulturelle Werte wie Anpassungsfähigkeit, gemeinsames Leitbild und langfristige Ziele geniessen in der Branche hohen Stellenwert. Im Kontext wachsender KI-Nutzung erhält die Förderung von Sinnhaftigkeit und persönlicher Entwicklung zusätzliche Bedeutung (Grafik 9).

New-Work-Massnahmen und Ergebnisse
Im SSIS 2025 wird auch analysiert, wie «New Work»-Prinzipien die Unternehmensleistung beeinflussen: Investitionen in Kompetenzentwicklung, Empowerment, Sinnstiftung sowie partizipative Performancebeurteilung korrelieren mit einer gesteigerten Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Die Effekte auf finanzielle Kennzahlen wie Umsatz oder Marktanteil sind zwar vorhanden, jedoch weniger stark ausgeprägt. Dies unterstreicht die qualitative Bedeutung des Kulturwandels für Motivation, Engagement und Bindung im Unternehmen. Eine statistische Bestätigung der Auswirkung auf die Performance kann im SSIS 2025 nicht nachgewiesen werden.
Branchenperspektive und Herausforderungen
Die Schweizer Softwarebranche behauptet ihre Vorreiterrolle im Wandel der Arbeitswelt. Durch agile Strukturen, grosse Autonomie und innovative Arbeitsmodelle werden flexible und ansprechende Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden geschaffen. Gleichzeitig verbleiben einzelne Bereiche – wie Vergütung und Gehaltsentwicklung – noch in traditionellen Mustern.
Zukunftsentscheidend ist, New-Work-Prinzipien insbesondere im Bereich Kompetenzförderung und agiler Organisationsformen auszubauen. Die Herausforderungen der nächsten Jahre werden darin bestehen, kulturelle und strukturelle Innovationen mit wirtschaftlicher Sorgfalt zu verbinden. KI, flexible Arbeitsmodelle und partizipative Entscheidungsprozesse bieten erhebliche Chancen – vorausgesetzt, sie werden gezielt und im Einklang mit den Bedürfnissen der Mitarbeitenden und der Organisation weiterentwickelt.
Fazit
Die Branche entwickelt sich nach wie vor gut. Es wird ein Wachstum für das nächste Jahr erwartet, das etwa doppelt so hoch ist, wie das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Der Druck auf die Margen nimmt aber weiterhin zu. Die Softwareindustrie muss sich Gedanken darüber machen, wie sie die Produktivität steigern kann.
Das SSIS-2025-Spotlight verdeutlicht: Die Schweizer Softwarebranche gestaltet die Arbeitswelt von morgen aktiv und experimentierfreudig. Hohe Autonomie, flexible Arbeitsmodelle, eine offene Unternehmenskultur und Innovationsfreude prägen die Szene. Die Wechselwirkung zwischen Empowerment, Kompetenzentwicklung, KI-Nutzung und passenden Vergütungssystemen wird zum zentralen Erfolgsfaktor. Wer New Work als kontinuierlichen Prozess versteht und nicht bei der reinen Einführung moderner Tools stehenbleibt, wird die Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigern können.
Inwiefern dadurch auch die Produktivität gesteigert werden kann, bleibt vom SSIS noch unbeantwortet.
Zum Swiss Software Industry Survey
Der SSIS ist ein «Dienst von der Branche an die Branche». Je mehr Branchenteilnehmer mitmachen, desto wertvoller wird er. Das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern führt die jährliche Befragung durch und garantiert in höchstem Mass die Anonymität sowie die Wissenschaftlichkeit der Auswertungen und Benchmarks. Unterstützt wird der SSIS vom Swico sowie von Sieber & Partners, Inside-IT, Topsoft, AlpICT und Swiss Made Software. Der ausführliche Bericht kann bezogen werden unter: sieberpartners.com/publikationen
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